LSV widerspricht Discounter-Begründungen zu aktuellen Preissenkungen – Proteste sind absehbar

LSV widerspricht Discounter-Begründungen zu aktuellen Preissenkungen – Proteste sind absehbar

Die aktuellen Preissenkungsaktionen der Discounter sorgen in der Landwirtschaft für großes Unverständnis. Die Begründungen des Handels können aus Sicht von LSV Deutschland so nicht stehen bleiben.

In der Bild erklärt Lidl:

„Man verzichte für diese Preissenkung auf Marge und setze auf höhere Verkaufszahlen, um so auch die Milchwirtschaft zu stützen.

Sinkende Rohstoffkosten würden direkt an die Kunden weitergegeben, ohne die Milchbauern schlechterzustellen, so das Unternehmen.“


Die Antwort des LSV Deutschland dazu: „Der Discounterbegründung müssen wir klar widersprechen! „

Wenn Lebensmittelhändler davon sprechen, auf Margen zu verzichten, klingt das zunächst positiv. Für landwirtschaftliche Erzeuger ist diese Aussage jedoch realitätsfern. Viele Betriebe wären froh, überhaupt noch von Margen sprechen zu können. Der aktuelle Dumpingpreisskandal gefährdet die wirtschaftliche Existenz zahlreicher landwirtschaftlicher Familienbetriebe in Deutschland.

Kosten explodieren – Erlöse brechen ein

Die Situation auf den Höfen ist eindeutig: Die Produktionskosten lassen sich vielfach nicht mehr decken. Energie, Futter, Dünger, Maschinen, Pacht sowie immer neue Bürokratieauflagen halten das Kostenniveau hoch. Gleichzeitig sinken die Erzeugerpreise Monat für Monat.

Besonders deutlich zeigt sich das in der Milchwirtschaft. Molkereiprognosen gehen derzeit von einem Milchpreis von rund 35 Cent je Kilogramm aus. Das entspricht einem Preisverlust von bis zu 40 Prozent innerhalb kurzer Zeit. Viele Milchviehbetriebe arbeiten damit deutlich unter ihren Vollkosten.

Vorweihnachtszeit als Preisdruck-Instrument

Ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit – traditionell Backzeit mit hohem Butter- und Milchverbrauch – setzt der Lebensmitteleinzelhandel auf massive Preissenkungen. Der oft genannte „Margenverzicht“ widerspricht dabei der Aussage, sinkende Rohstoffpreise an die Verbraucher weiterzugeben.

Denn: Aktuell gibt es keine sinkenden Rohstoffkosten in der Landwirtschaft. Dumpingeinkauf und Dumpingverkauf verändern die Handelsmargen kaum, erhöhen jedoch den Druck auf die landwirtschaftlichen Erzeuger erheblich.

Landwirtschaft wird geopfert

LSV Deutschland bewertet das Verhalten der Lebensmittelhändler – ähnlich wie die Monopolkommission – als skandalös. Eine leistungsfähige, regional produzierende und für die Versorgungssicherheit unverzichtbare Branche wird für kurzfristige vorweihnachtliche Discounteraktionen geopfert.

Die deutsche Landwirtschaft ächzt in nahezu allen Produktionsbereichen unter massiv sinkenden Erlösen bei gleichzeitig extrem hohen Kosten. Viele Betriebe verbrennen ihre Substanz, um überhaupt noch weiter wirtschaften zu können.

Proteste sind absehbar

Wenn landwirtschaftliche Betriebe ihre Kosten dauerhaft nicht mehr decken können, bleibt der Protest nicht aus. Eine weitere Protestwelle ist absehbar, solange sich an den Marktstrukturen und der Preispolitik des Handels nichts ändert.

Leben und leben lassen – auch in der Lebensmittelkette.


Quelle: LSV Deutschland e. V.

Bildquelle: Moderner Landwirt-Archiv

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