BDP-Mitgliederversammlung diskutiert Rahmenbedingungen für die Pflanzenzüchtung

    Im Rahmen seiner 77. Mitgliederversammlung diskutierte der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP) über das Spannungsfeld von Landwirtschaft, Gesellschaft und Politik, in dem sich die Pflanzenzüchtung aktuell bewegt. „Die Systemrelevanz der Landwirtschaft und damit auch der Pflanzenzüchtung wird in dieser Zeit, in der die öffentliche Debatte um die weltweite Nahrungsmittel- und Energieversorgung neu entfacht ist, noch einmal besonders deutlich“, betonte die Vorsitzende des BDP, Stephanie Franck.

    Pflanzenzüchtung in Gänze betrachten
    Franck stellte in ihrer Rede heraus, dass Pflanzenzüchtung nicht nur auf einzelne Themen reduziert werden dürfe. „Um Rahmenbedingungen zu schaffen, die uns weiterhin Züchtungsfortschritt und umweltgerechte Produktion zugleich ermöglichen, muss das Innovationssystem Pflanze in seiner Gesamtheit systemübergreifend und lösungsorientiert betrachtet werden“, brachte sie die Vision der Branche auf den Punkt. 
    Franck wies darauf hin, dass das Wissen über Pflanzenzüchtung in der Öffentlichkeit weiter ausgebaut werden müsse. „Schwarz-Weiß-Diskussionen bringen uns nicht weiter. Themen wie neue Züchtungsmethoden, eine adäquate Forschungsförderung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit müssen wir in Gänze und nicht losgelöst voneinander betrachten“.

    Europäisches Saatgutrecht auf dem Prüfstand
    In Deutschland und der EU bildet das europäische Saatgutrecht den Rahmen für die Versorgung der Landwirtschaft mit Saatgut verbesserter Sorten. Aktuell wird das Rechtssystem mit Blick auf die Zielesetzung des Green Deal auf europäischer Ebene auf den Prüfstand gestellt. “Die bewährten Grundsätze des europäischen Saatgutrechts müssen auch bei einer Überarbeitung erhalten bleiben, um Qualität und Züchtungsfortschritt weiterhin zu sichern“, sagte Euroseeds-Generalsekretär Garlich von Essen. Er gab einen Überblick zum Stand der Überarbeitung. „Gleichzeitig wird eine Modernisierung des europäischen Saatgutrechts über eine reine Verbesserung von Kosten- und Prozesseffizienz hinausgehen müssen“, führte von Essen weiter aus.

    Spannungsfeld von Landwirtschaft, Umwelt und Gesellschaft
    Werner Schwarz, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Bauernverbands e. V., Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz WWF und Stephanie Franck gaben im zweiten Veranstaltungsteil exklusive Einblicke in ihre gemeinsame Arbeit in der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL). Schwarz vertrat dort den Bereich Agrar, Heinrich brachte die Perspektive des Umweltbereichs ein und Franck den Blickwinkel der Wirtschaft.

    Versorgungssicherheit sei die Basis für eine nachhaltige Landwirtschaft, so Schwarz. „Die notwendigen Nachhaltigkeitsleistungen der Landwirte und Landwirtinnen müssen gerecht entlohnt werden, um die Betriebe auch wettbewerbsfähig zu halten“, gab er zu bedenken. 

    „Maßnahmen zur Klima- und Umweltverbesserung müssen auch mit Verbesserungen für die Landwirtschaft einhergehen, sonst sind es keine guten Lösungen“, führte Heinrich zu den Erkenntnissen der ZKL aus. Der studierte Geograph hob in seinem Impulsvortrag die Bedeutung der biologischen Vielfalt als Grundlage für funktionierende Ökosysteme hervor.
    „Abseits von Polemik und konzentriert auf die Faktenlage war die Zusammenarbeit in der ZKL geprägt von gegenseitigem Verständnis und dem Willen einen Konsens zu finden“, blickte Franck abschließend auf die Gremienarbeit zurück.

    Die Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft zielten darauf ab, eine nachhaltigere Gestaltung der Agrarwirtschaft von allen Seiten zu beleuchten und so gemeinsame Leitlinien mit Blick auf die Umsetzung des Green Deal und seiner begleitenden Strategien zu entwickeln. „Um den Transformationsprozess der Agrar- und Ernährungssysteme als Resonanzraum weiter begleiten zu können, braucht ein solches Gremium eine festgelegte personelle Struktur, einen klaren Auftrag und den entsprechenden Unterbau“, resümierten die Vortragenden einstimmig.
    Über 200 Gäste aus Züchtungsunternehmen, Politik, Wissenschaft und Medien nahmen an der BDP-Mitgliederversammlung in Kiel teil.

    Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP):
    Der BDP bündelt die Interessen seiner Mitglieder aus den Züchtungsbereichen Landwirtschaft, Gemüse, Zierpflanzen und Reben sowie dem Saatenhandel. Rund 130 Unternehmen sind auf dem Gebiet der Züchtung und dem Vertrieb landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Kulturarten tätig. Davon betreiben 58 eigene Zuchtprogramme. Die einzelnen Firmen arbeiten in der Regel an mehreren Fruchtarten. Der BDP setzt sich auf nationaler und europäischer Ebene für eine optimale Ausgestaltung der Rahmenbedingungen für die Züchtung und die Saatgutwirtschaft sowie für die Organisation der Pflanzenforschung, für die Förderung neuer Technologien und die Weiterentwicklung des Sorten- und Saatgutwesens ein.

    Quelle: BDP

    Bildquelle: Moderner Landwirt-Archiv

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