Landwirte aus ganz Deutschland versuchen mit der Politik über die zahlreichen Probleme ins Gespräch zu kommen. Zu dem Thema „ist Landwirtschaft nicht mehr gewollt?“ erreichte uns heute ein Leserbrief von Sachsens Bauern.
Noch am 16. Juli 2025 waren viele Bauern in Brüssel, um ihre Vorstellungen zur zukünftigen Gestaltung der europäischen Agrarpolitik an die Kommission zu übergeben und dazu entsprechende Gespräche zu führen. Im Mittelpunkt stand dabei, die Landwirtschaft mit der europäischen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) so zu unterstützen, dass weiterhin die Ernährungssicherheit in Europa gewährleistet wird.
Manchmal denken wir tatsächlich, dass man uns erhört und gemeinsam Abwägungen trifft. Diesmal leider nicht. Das zeigte der nächste Tag.
Seit Freitag, den 17. Juli liegen nun die Vorschläge der EU-Kommission für die GAP ab 2027 und zum europäischen Finanzrahmen von 2028 bis 2034 vor. Diese geben der europäischen Landwirtschaft keine wirkliche Sicherheit und Reformen sind sie erst recht nicht.
Der Vorschlag bedeutet eine deutliche Kürzung der Mittel für den Agrarbereich und stellt das bewährte zwei Säulen-Modell sowie die Finanzierung zahlreicher Maßnahmen im ländlichen Raum zur Disposition. Damit wird die Land- und Ernährungswirtschaft massiv geschwächt.
Die „Säule der Direktzahlungen“ soll gekennzeichnet werden durch degressives flächenbezogenes Einkommen und Kappung. Das Bestreben war schon mal da!
So soll die Einkommensstützung stufenweise gekürzt werden, wenn die jährliche Zahlung pro Betrieb bestimmte Schwellen überschreitet. So z.B. bei 20.000 bis 50.000 EUR: Kürzung um 25 %, dann gestaffelt weiter und eine Begrenzung auf max. 100.000 EUR pro Betrieb und Jahr.
Mit diesen Vorschlägen wird versucht, Unfrieden zwischen großen und kleinen Betrieben zu schüren. Die kleineren Betriebe freuen sich, dass den größeren etwas weggenommen wird. Dabei merken sie gar nicht, dass sie nichts von dem Gekürzten zusätzlich erhalten, sondern auch ihnen die Gelder gekürzt werden.
Man darf dabei nicht vergessen, die Auflagen sind für jeden Hektar gleich, egal in welchem Land und egal in welcher Unternehmensgröße. Auch wird bei den Kürzungsplänen völlig ausgeblendet, dass in größeren Unternehmen mehrere Familien vom erwirtschafteten Ertrag leben müssen. So argumentieren wir seit vielen Jahren und das hat auch weiterhin seine Gültigkeit.
Neu ist u.a. auch die Formulierung, dass eine Förderung nur aktive Betriebsinhaber erhalten, die bedürftig sind. Stellt sich für uns die Frage wer ist bedürftig? Wird die GAP zum neuen Bürgergeld für Landwirte?
Auch Betriebsinhaber im nationalen Rentenalter sollen ab 2032 komplett von Direktzahlungen oder sogar grundsätzlich von Zahlungen ausgeschlossen werden. Warum eigentlich? Rentner sollen doch (nach Meinung der Politik) länger arbeiten.
Jede Menge Fragen, die sich hier für uns ergeben. Wir verzichten bewusst auf die vollständige Aufzählung der vorgelegten Vorschläge, weil sie zwingend erneut mit dem Berufsstand diskutiert werden müssen. Insgesamt sind sie sehr unausgegoren.
Eure Sachsens Bauern
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