„Landwirte sind die Ölscheichs der Zukunft“

    Mit diesem plakativen Slogan bewarb Anfang der 2000 die damalige grüne Bundeslandwirtschaftsministerin angesichts einer drohenden Energieknappheit den massiven Ausbau der Bioenergie in Deutschland.

    Landwirte in ganz Deutschland folgten dem damals von höchster politischer Stelle eingeforderten Auftrag, im Vertrauen auf die gesellschaftliche Akzeptanz, den Bioenergieanteil in Deutschland zu forcieren. Nachdem Landwirte nun millionenschwere Investitionen in die Umsetzung der neuen Bioenergie getätigt hatten, wurden teilweise negative Auswirkungen auf Flora und Fauna erkennbar und die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Strategie ging wegen der damalig aufkommenden „Teller – Tank – Debatte“ immer mehr verloren. Nun wurde, wohl auf Grund des gesellschaftlichen Drucks, den Landwirten der dringend benötigte politische Rückhalt von Seiten der grünen Initiatoren der Bioenergiestrategie versagt.

    Kaum wurde die Bioenergiestrategie in die Tat umgesetzt, folgte gerade von den Grünen und auch grünen Befürwortern massive Kritik an dieser Form der Energiegewinnung. Plötzlich war die Landwirtschaft durch den vermehrten Anbau verschiedener „Bioernergiekulturen“ verantwortlich für das Artensterben in Tier- und Pflanzenwelt.

    Gut 20 Jahre später will nun ein grüner Ministerstab aus Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft erneut zu Rundumschlägen ausholen um die Energieversorgung neu zu gestalten. Ein massiver Ausbau von Agri PV soll diesmal die Energierettung in Deutschland bewerkstelligen. Leider ist zu befürchten, dass gerade im Bezug auf die heimische Landwirtschaft mit diesen unüberlegten ideologisch geprägten Schnellschüssen wieder genau ähnliches passiert, wie seinerzeit mit der Strategie der Bioernergieerzeugung.

    Robert Habeck, seines Zeichens amtierender Bundeswirtschaftsminister, will bis Ostern 2022 in einem Schnellverfahren eine neue Energiestrategie „Agrophotovoltaik“ vorlegen. Leider ist auch bei dieser Strategie zu befürchten, dass es diesmal, wie bereits vor 20 Jahren, zu Veränderungen in der Fauna und Flora in Deutschland kommen wird. Die „Schuld“ wird wiederum bei den vom schnöden Mammon getriebenen und habgierigen Landwirten gesucht und schnell wird dann von eben jenen, die diese Strategie ins Leben gerufen haben, der Ruf nach Ausweitung von Schutzgebieten zum Überleben der Tier- und Pflanzenwelt in Deutschland laut werden.

    Grundsätzlich stehen wir Landwirte einer Flächennutzung mit Agrophotovoltaik in Doppelnutzung
    nicht entgegen.

    Wir regen allerdings an, bereits versiegelte Flächen wie Autobahnen, Bahnstecken, Parkplätze oder ähnliches für solche PV Projekte zu priorisieren, da auch auf diesen Flächen bereits eine gewisse Infrastruktur vorhanden ist, die solche Vorhaben bedeutend erleichtert.

    Weiter halten wir eine Pachtpreisdeckelung von Pachtzahlungen zur Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen mit Agrophotovoltaik auf Höhe des ortsüblichen Pachtzinsniveau für unabdingbar.

    Nur so hat die heimische Landwirtschaft eine Chance, dem sogenannten „land grabbing“ kapitalstarker Investoren entgegen zu wirken und nur so können gerade in Realteilungsgebieten die bestehenden Strukturen von Familienbetrieben erhalten werden.

    Wir als Landwirte sehen nach wie vor die Erzeugung von heimisch angebauten Nahrungsmitteln nicht nur als Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung, sondern sehen auch gerade hierin den größten Nutzen für Klima- und Umweltschutz.

    Quelle: LSV Saar

    Bildquelle: ML-Archiv

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