Wolf oder Weidehaltung?

    Der Wolf hat wieder einmal zugeschlagen. Dieses Mal ca. 50 Meter von einem Hof entfernt in der hessischen Rhön unweit von Fulda. 

    Das traurige an der Geschichte mit dem gerissenen Kalb:

    Der Landwirt wollte der trächtigen Kuh etwas Gutes tun und ließ sie auf der Weide direkt am Hof laufen. 

    Bisher ist nie etwas passiert. Doch dieses Mal war es anders. Die Kuh kalbte in der Nacht und der Wolf kam. Fraß das frischgeborene Kalb. Die Mutterkuh sucht Ihr Kalb und trauert. Unser Kurator vor Ort, Jens Wasmuth, half dem Landwirt, beim Bergen des Tieres. 

    Der anonymisierte Bericht liest sich wie eine Geschichte aus einem Film:

    Der Hof der Familie liegt ruhig und idyllisch unweit des Dorfes und nahe der Rudolf-Steiner- Schule. Eine Handvoll Kühe grast direkt hinter der Scheune und dem angrenzenden Wohnhaus. Fahrradfahrer und Spaziergänger nutzen gerne den schmalen Weg, der hier durch den Wald führt.

    Die Kühe auf der Weide wirken an diesem Morgen friedlich, nur eine Mutterkuh steht etwas abseits und hält Ausschau nach ihrem Kalb. Das junge Tier, oder besser das wenige, was noch von ihm übrig ist, liegt nur wenige Meter entfernt. „Wir haben die Überreste vorhin gefunden“, so die Aussage des Landwirts. Erst am Nachmittag des vergangenen Tages habe er die Wiese überprüft, zu diesem Zeitpunkt sei noch alles in Ordnung gewesen. Mehrfach kontrolliert die Familie täglich den Zustand ihrer Tiere. Das Kalb sei offenbar in der Nacht geboren worden. „Da ist noch nie was passiert.“

    Von dem Jungtier, dass nun tot auf der Weide liegt, sind noch nur Knochen und der Schädel übriggeblieben. Die Rippen wurden mit großer Gewalt gebrochen, ein Vorderlauf befindet sich unweit entfernt, der andere hingegen ist verschwunden. Offenbar hat hier ein großes Raubtier sein Unwesen getrieben.

    Die Vermutung, dass ein Wolf das Tier tötete, liegt nahe. Das Rissbild ist identisch mit mehreren bestätigten Wolfsrissen von Nutztieren aus dem gleichen Raum. Nur ein kurzer Blick rund um „den Tatort“ bringt weitere Indizien. Drei Kothaufen, die charakteristisch für den Wolf sind und aufgrund von Größe und Beschaffenheit eindeutig nicht zu Fuchs, Wildschwein oder Haushund gehören, liegen unweit des Kadavers.

    Der „Rissgutachter“ Mitarbeiter des Forstamtes, welcher einige Stunden später kam erklärte „Das Kalb ist nicht von einem Wolf getötet wordenWas es getötet haben könnte, wisse er allerdings nicht.

    „Er meinte, ein Wolf würde seine Beute von der Wiese wegzerren und nur in Einzelfällen vor Ort verzehren.“ Die drei verräterischen Kothaufen, die direkt neben dem Kadaver liegen, habe er erst gar nicht bemerkt. „Wir haben sie jetzt gesichert und wollen sie ihm geben“, sagte der Landwirt. Denn eine Beprobung, wie vom Land Hessen und dem kürzlich eingerichteten Wolfszentrum in solchen Fällen versprochen, möchte man auf alle Fälle. „Unsere Gegend ist ziemlich stark besiedelt. Wenn hier tatsächlich doch ein Wolf umgeht, müssen das die Leute wissen.“

    Jetzt kann man sagen das ist Natur. In unseren Augen ist jedoch der Punkt gekommen, wo wir als Menschen begreifen müssen, dass wir einmal eingegriffen haben und auch künftig eingreifen müssen, um Schaden von uns und unsere Weidetieren abzuhalten. 

    Der Schulweg geht hier vorbei. Möchten wir, dass als nächstes die Kinder Wolfsfutter sind? 

    Der Wolf frisst nicht einfach so: Er reißt Weidetiere und bricht sie auseinander.

    Frisst das Fell und alles weg. Aber er frisst bei lebendigem Leib. Meist reißt er von hinten und das Tier ist halb gefressen, bevor es tot ist. Es erleidet in unsäglichem Maße Schmerz und Pein.

    Wir, die Gesellschaft, erwarten von unseren Landwirten immer Großes und dazu gehört auch die Tiergerechte Haltung und ebenfalls die Weide und Almwirtschaft. 

    Wie wollen wir das Land in seiner Artenvielfalt schützen, wenn wir es nicht einmal schaffen unsere Tiere, die hier große Dienste tun für den Naturschutz und die Kulturlandschaft vor einem großen Beutegreifer zu schützen?

    Wir brauchen ein gutes Wolfsmanagement, genauso wie die Ehrlichkeit und gnadenlose Offenheit, der Realität gegenüber. Eine Anlaufstelle, ähnlich einem Kriseninterventionsteams, wenn Redebedarf über die schrecklichen zum Teil traumatisierenden Bilder besteht. 

    Wir müssen uns dem Thema stellen und die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht bekommen, auch wenn dort der Status „ganzjährig geschützt“ ist. 

    Dies erleichtert die Entnahme von Problemtieren und hilft unsere Weidetierhalter weitgehend zu schützen.

    Für Tiergerechtheit, Tierwohl, Arten und Naturschutz, sowie den Erhalt der Weide und Almwirtschaft, spricht sich die Bauern und Land Stiftung aus.

    Quelle: Bauern und Land Stiftung

    Bildquelle: Jens Wasmuth

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