Was Böden und Alkoholiker gemeinsam haben?

    Am Freitagabend zur Prime Time –gemeinsame Online Fachveranstaltung der AG
    Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ELF) Oberbayern und der Ökomodellregion ILE
    Ampertal.

    Von den Veranstaltern wurden Landwirte aus der Region eingeladen, um dem Vortrag von
    Michael Popp zum Thema Humusaufbau in der Praxis beizuwohnen. Michael Popp ist
    gelernter Landwirtschaftsmeister und gemeinsam mit Ralf Huber aus dem Landkreis Freising
    Mitinitiator der Ökomodellregion ILE Ampertal.

    Anwesend war u.a. Dagmar Wagner, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, Medien und
    Information (ÖMI) des Bayerischen Bauernverbandes Oberbayern für den Ralf Huber zur
    Nachwahl des Bezirkspräsidenten antritt.

    Votrag humus 29.01 3

    Michael Popp’s Vortrag basierte auf der Albrecht (Kinseys) Methode, welche dem freien Kalk
    im Boden eine große Bedeutung beimisst. Er berichtete anhand einiger eigener langjähriger
    Erfahrungen auf seinen Flächen. Diese waren über 25 Jahre verpachtet und deren
    Ackerkrume sich in einem nicht erstrebenswerten Zustand befand.

    Innerhalb von 5 Jahren konnte er den Humusgehalt seiner Flächen erheblich steigern. Er
    ging auf Spurenelemente wie Bor und Schwefel ein. Diese Micronährstoffe tragen zur
    Bodengesundheit bei.

    Bodenproben werden bei dieser Methode, nicht nur anhand des PH Wertes analysiert,
    sondern aufgeschlüsselt, um festzustellen welche Nährstoffe dem Bodenleben fehlen.
    Durch gezielte Gaben von Micronährstoffen, Anbau von Zwischenfrüchten wie z.B. Kleegras,
    Ölrettich, Grünroggen, Weidelgras oder Rasengras und Kleegras unterstützt diese Methode
    den Landwirt bei seinem Vorhaben, Humus auf zu bauen.

    Grünroggen zb. bringt viel Masse und auch Wurzelmasse. Michael Popp:„Mais und
    Grünroggen sind gute Freunde.“

    Interessant war die Aussage von Michael Popp:

    „Der Boden ist wie ein Alkoholiker, wenn er Stickstoff gewohnt ist, dann braucht er ihn auch.“

    Denn wenn der Boden an Stickstoff gewöhnt wurde, muss er langsam wieder ins
    Gleichgewicht gebracht werden. Ein guter Begleiter auf dem Weg des Humusaufbaus sind
    auch die Huminsäuren. Huminsäuren hemmen das Wachstum von pathogenen Bakterien,
    Viren und Pilzen.

    Votrag humus 29.01 2

    Im Anschluss in der moderierten Diskussion äußerte Ralf Huber, dass entgegen der Meinung
    von einigen Professoren nicht nur die Aufforstung oder Wiedervernässung von Mooren,
    sondern auch die Mehrung des Humusgehaltes durch die Landwirte entscheidend zur CO2
    Bindung beitragen können.

    Eine wichtige Frage kam von Rupert Staudhammer, Vorsitzender der AG ELF:

    „Was kann der Konventionelle Betrieb vom Biobetrieb lernen ohne das er umstellt?“
    Hier ging Herr Popp, auf die Bezüge auf Zwischenfrüchte, Pflugtiefen und auf die Mischung
    zwischen Organischen- und Mineraldüngern ein.

    Der stellvertretende ELF Vorsitzende Michael Hamburger sieht zwar einen erhöhten
    Investitionsbedarf in den ersten Jahren, jedoch das langfristige Potential für eine bessere
    Bodengesundheit und bessere Erträge für den Betrieb. Wichtig wäre seiner Meinung auch
    eine gerechte Entlohnung für die Landwirte, da sie durch den Humusaufbau eine höhere Co2
    Speicherung in den Böden erreichen können.

    Abschließend gab es noch zwei Buchempfehlungen:

    Zwischenfrüchte in der Praxis von Frederic Thomas und Matthieu Archambeaud & Hands-on
    Agronomy von Neal Kinseys

    Und den Hinweis auf die Veranstaltung der nächsten Woche am Donnerstag 04.02.2021 mit
    Josef Braun um 19:30Uhr.

    Fazit – Praktiker lernen am besten von Praktikern aus deren Erfahrung.

    Quelle: AG ELF Oberbayern und der Ökomodellregion ILE Ampertal

    Bildquelle: Bauern und Land Stiftung (Anja Eckmüller)