Saisongeflügel zum St. Martinstag ist gefragt – Corona und Vogelgrippe wieder präsent, Preise etwas höher

    Die Winterzeit rückt näher und mit ihr der Wunsch nach geselligen Abenden im gemütlichen Zuhause. Der Martinstag steht vor der Tür, zu dem traditionell eine Martinsgans serviert wird. Das sogenannte Saisongeflügel rückt wieder in das Blickfeld des Verbrauchers. Der Appetit auf goldgebratene Gans oder Ente lockt viele Kunden in die Restaurants und an den eigenen Herd. Leider spielen so wie im vergangenen Jahr die Corona-Pandemie und die Vogelgrippe wieder eine Rolle. Weder Geflügelhalter noch Handel und Gastronomie können ihre Verkaufsmengen mit Sicherheit kalkulieren. Positiv ist, aus Erzeugersicht, hingegen, dass die Wertschätzung von regional aufgezogenem Geflügel angestiegen ist, die Nachfrage ist in diesem Jahr sehr lebhaft, wie die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein mitteilt.

    Auch dieses Jahr wieder Martinsgans „to go“

    Die Corona-Pandemie ist weiterhin präsent, daher halten viele Restaurants an ihrem Außer-Haus-Angebot fest und bieten fertig zubereitete Gänse und Enten für den Verzehr zuhause an. Die Martinsgans „to go“ hatte sich schon im Vorjahr bewährt. Allerdings sollte ein Besuch der Gastronomie dennoch ebenso möglich sein, ratsam sind rechtzeitige Vorbestellung, um nicht in die Röhre zu schauen.

    Oder selbst ran an den Herd

    Während der vergangenen eineinhalb Jahre hat sich ein stärkeres Bewusstsein für Regionalität und Lebensmittel etabliert. Viele Menschen hatten während des Lockdown Zeit und Lust, sich mit der Herkunft ihrer Nahrungsmittel zu beschäftigen. Auf Wochenmärkten war das deutlich sichtbar und auch Hofläden wurden merklich stärker frequentiert als
    zuvor. Im Zuge dessen ist auch das Interesse an in Schleswig-Holstein aufgezogenem Saisongeflügel gewachsen. Häufig berichten Tierhalter, dass ihnen die frischen Gänse und Enten zurzeit regelrecht aus der Hand gerissen werden.

    Geringer Selbstversorgungsgrad hierzulande

    Der Anteil an Gänsen und Enten, die im Bundesgebiet produziert werden, liegt weit unter
    dem Verbrauch. Die Zahl der gehaltenen Tiere ist noch dazu seit Jahren stark rückläufig.
    Waren es im Jahr 2010 noch rund 41.255 Gänse in Schleswig-Holstein, sind es in der Landwirtschaftszählung 2020 nur noch 8.723 Gänse gewesen. Bundesweit wurden am Stichtag 1. März 2020 rund 323.500 Gänse gezählt.

    Bei Enten ist im Zehnjahresvergleich ein Rückgang von 14.698 Stück auf nur 2.851 Tiere in
    Schleswig-Holstein zu sehen, das ist ein äußerst geringer Anteil an der Gesamtzahl von
    2.127.359 Enten im Bundesgebiet.

    Viele Betriebe in Schleswig-Holstein hätten für diese Wintersaison gerne mehr Tiere
    aufgezogen, doch die Verfügbarkeit von Küken war zum Zeitpunkt der Einstallung wegen der
    Vogelgrippe stark eingeschränkt.

    Auch die Zahl der ganzjährig geschlachteten Wasservögel bleibt hinter den Vorjahren
    zurück. Laut Destatis liegt die Anzahl der geschlachteten Enten in der ersten Jahreshälfte
    2021 bei weniger als der Hälfte der sonst üblichen Menge: Statt etwa 10,16 Mio. Stück in
    den Jahren 2017 bis 2019 wurden von Januar bis August 2021 lediglich 4,13 Mio. Enten
    geschlachtet. Für Gänse gibt es noch keine neuen Daten, in den letzten Jahren schwankte
    der Selbstversorgungsgrad zwischen 14 und 19 %, in diesem Jahr könnte es weniger sein.
    Auch in den Herkunftsländern für deutsche Importware, Polen und Ungarn, verursacht die
    Vogelgrippe Bestandsrückgänge und das Coronavirus eine verringerte Aktivität der Schlachthöfe.

    Vogelgrippe in Schleswig-Holstein

    Mit einer steigenden Zahl von Zugvögeln, die vorwiegend an der Nordseeküste Rast
    machen, ist das Infektionsrisiko für Vogelgrippe wieder angestiegen. Es wurde bereits eine
    Reihe von infizierten Wildvögeln gefunden und eine betroffene Gänsehaltung gemeldet. Um
    der Infektionsgefahr aus dem Weg zu gehen, werden häufig die Schlachttermine vorverlegt.
    Für den Menschen ist die Viruserkrankung ungefährlich, aber für das Federvieh tödlich und
    für die betroffenen Unternehmen mit Geflügelhaltung kann ein Ausbruch der Geflügelpest die
    Existenz kosten. Hühnerhalter, und auch die Halter von Enten und Gänsen, müssen jetzt
    äußerst wachsam sein und die aus dem vergangenen Jahr bekannten Hygiene- und
    Biosicherheitsmaßnahmen strikt einhalten.

    Leichte Preisanstiege absehbar

    Einige Halter haben ihre Preise aus Loyalität zu ihren Kunden fast konstant gehalten,
    häufiger jedoch machen sich höhere Produktionskosten in Form von Preissteigerungen
    bemerkbar. Sowohl bei Futtermitteln als auch bei Energie fallen starke Preisanhebungen in
    diesem Jahr in die Aufzuchtperiode für Gänse und Enten. Die höheren Haltungs- und
    Futterkosten erschweren den Erzeugern das Wirtschaften. Daher hat sich das Preisniveau
    zum Vorjahr etwas erhöht. Verbraucher können frische Gänse ab Hof und auf
    Wochenmärkten für Preise zwischen 13,75 und 18,50 €/kg bekommen. Für Enten werden
    9,85 bis 16,50 €/kg verlangt, Tiefkühlware ist meist deutlich günstiger.


    Die verkaufsstärkste Zeit des Jahres und der erneute Ausbruch der Vogelgrippe fallen ungünstig zusammen. Die Erzeuger hoffen auf ein abgeschwächtes Infektionsgeschehen im Vergleich zum Vorjahr. Erst einmal stimmt eine rege
    Nachfrage den Markt positiv. Das steigende Bewusstsein der Verbraucher für Regionalität und Saisonalität spiegelt sich darin wider und bestärkt die heimische Tierhaltung, teil die Landwirtschaftskammer abschließend mit.

    Quelle: Landwirtschaftskammer SchleswigHolstein

    Bildquelle: Bildquelle: Landvolk Niedersachsen

    Verwandte Artikel

    Kommentar verfassen

    neueste Beiträge:

    meist gelesen

    Folge Moderner-Landwirt.de :

    18,460FansGefällt mir
    6,274FollowerFolgen
    6,230AbonnentenAbonnieren
    spot_img

    Beliebte Artikel

    X