Der Milchhof der Familie Beck in Fichtenau befindet sich mitten in der Umstellung auf
eine Bioproduktion und vertraut dabei weiterhin auf regionale Abnehmer. Dass die Menschen
außerhalb der Landwirtschaft ihre Arbeit besser wertschätzen können, dafür sind sie auch im Projekt
‚Lernort Bauernhof‘ aktiv. Auf weitere trockene Jahre stellen sie sich mit dem Anbau von
langwurzeligem Kleegras und Luzerne ein. Sie freuen sich aktuell über das gute Wetter:
Den Regen!

„Seit es richtig regnet, macht die Arbeit wieder Spaß“, sagen Sissy und Roman Beck aus Fichtenau mit Blick auf die nun wieder grünen und den Hof umgebenden Wiesen. Und weiter: „Jetzt ist für Landwirte schönes Wetter, denn das Wasser ist unser aller Lebensgrundlage. Das sehen wir seit einiger Zeit sehr genau“, erklären sie. Der studierte Landwirt Roman Beck hat den elterlichen Hof im Jahr 2012 übernommen und erklärt nachdenklich, dass ihn das Thema Klimawandel schon sehr umtreibt. Er weiß, dass der Landwirtschaft dabei gern eine tragende Rolle zugeschrieben wird. Er findet jedoch, dass alle Teile der Gesellschaft ‚auf dem Ast sitzen, an dem sie sägen‘. Er meint damit, dass jeder überlegen kann und muss, wo er zum Beispiel Emissionen einsparen kann. Für seine Frau Sissy Beck spielen dabei der Aufbau regionaler Absatzmöglichkeiten und Lieferketten eine besondere Rolle. Und das ist, nach Aussagen beider, gerade bei Bioprodukten eine besondere Herausforderung. Sehr oft kommen diese deshalb noch von weiter her. Möglichst kurze Wege jedoch sparen Treibstoff, Kraft und Geld und unterstützen die regionale Landwirtschaft sowie die weiterverarbeitenden Betriebe, wie beispielsweise Molkereien, Abfüller und Mühlen.  

Das große Thema ist jetzt die Umstellung auf Bio.

„Zu sagen, wir machen jetzt Bio, das ist schon ein großer Schritt“. So empfinden es jedenfalls die jungen Hofinhaber und Eltern der achtjährigen Marie und der erst drei Monate alten Elise auf dem ‚Milchhof Beck‘. Sie sind im ersten von drei Jahren des Prozesses der Umstellung auf eine Bioproduktion, die den ganzen Hofablauf betrifft. Gleichwohl schätzen sie die konventionell wirtschaftende Landwirtschaft weiterhin. Es ist für sie ein moralisches, ein organisatorisches und ein rechnerisches Abwägen. Moralisch heißt für beide Becks, dass sie auf ihrem Hof zum einen möglichst wenig Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel einsetzen wollen.

Zum anderen können sie dadurch aber auch weniger Nahrungsmittel zu von der gleichen Fläche produzieren. Denn beides heißt: Weniger Ertrag, und das ist besonders bei Getreide, beträchtlich. Zudem sind da der nötige Um- und Neubau von Ställen, damit auch die Jungtiere zukünftig einen freien Zugang zu den Weiden bekommen und die Kälber mit sogenannten Ammenkühen aufgezogen werden können. Das heißt, sie verbleiben einer Herde mit ‚Ammen‘ und die Mütter der Kälber geben trotzdem genügend Milch ab für die Molkerei. Sie bekommen biologisch erzeugtes Futter, möglichst viel Grünfutter der eigenen Weiden und Felder – welche mit Gülle aus dem Schleppschlauch sehr direkt ausgebracht – verlustarm gedüngt wurden. Den mineralischen Stickstoffdünger hat Landwirt Roman Beck sowieso reduziert. „Das gefällt mir schon gut, dass ich mit den eigenen Pflanzen, dem eigenen Dünger unsere Hofkreisläufe habe und das Wachstum unterstützen kann“, erklärt er seine Motivation, auf Bio umzustellen. Die Becks hoffen, dass sie ihren Hof damit zukunftsfähig aufstellen.    

Stickstoff mit den richtigen Pflanzen im Boden binden statt künstlich über Dünger zuführen.

Das können sogenannte Leguminosen, wie Kleegras und Luzerne, gern auch ausgesät nach der Haupternte, sehr gut. Zudem haben sie im Unterschied zu Gras viel längere, kräftigere Wurzeln und können, in bis zu vier Meter tief Bodenschichten, Wasser aufnehmen. Das zeigt Roman Beck auf dem Feld und rüstet die hofeigene Futterproduktion für weitere trockene Jahre. Für mehr Artenvielfalt öffnet er Insektenfenster auf seinen Wiesen. Das sind zeitlich versetzt abgemähte blühende Streifen, die den Insekten Nahrung geben. Generell haben die Landwirte vom ‚Milchhof Beck‘ den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zur Unkrautvernichtung schon stark reduziert. Das wiederum erfordert den Einsatz von entsprechenden Maschinen, wie dem Unkrautstriegel, von Hacken und von Handarbeit, um das Unkraut zu entfernen. „Das wird nun wieder mehr und dafür brauchen wir Hilfe“, sagt Sissy Beck. Gleichwohl macht sie es gern und sie arbeiten dafür den ganzen Tag, manchmal auch nachts oder wenn die Sonne brennt. Arbeiten auf dem Feld, zum Beispiel bei Sonnenuntergang, das ist für sie, die nach einem BWL-Studium einige Jahre im Lebensmittelhandel gearbeitet hat, der schönste Arbeitsplatz der Welt. Ohne ‚Knopf im Ohr‘ der Natur zuhören und zusehen. Das rät sie auch den Azubis und Praktikanten des Hofes, die nicht selten von einer Schule aus Österreich kommen. Aktuell ist Marcel aus Oberösterreich für drei Monate Hof- und Familienmitglied und macht alles, was anfällt und was er schon kann. Dabei lernt er auch die Unterschiede zwischen der Landwirtschaft hier und der in Österreich kennen. Dort ist der Tierbestand oft kleiner und die Felder ebenso.

Lernort Bauernhof LoB und Teilnahme am örtlichen Ferienprogramm.

„Seit 2017 mache ich das, weil ich möchte, dass die Kinder und auch die Erwachsenen unsere Landwirtschaft ganz nah erleben können. Ich möchte, dass ihre Wertschätzung dafür steigt und dass sie sehen, wie wir Lebensmittel produzieren. Dafür halte ich keine Vorträge, sondern lasse sie selbst anpacken“, erklärt Sissy Beck. Das hat sie in Zeiten der Lock Downs mit Laptop und Lahnkabel auch digital aus dem Kuhstall geschafft. Ihrer Meinung nach lohnt es sich immer, mit vielen Nichtlandwirten in Kontakt zu kommen. Sie möchte wissen, wie sie denken und wo sie in der Vermittlung von Wissen und Bildern ansetzen kann. Dafür hat sie verschiedene Themenboxen, Spiele und gute Ideen vorbereitet. „Wenn die Kinder offen und unvoreingenommen sind, führt das nach dem Hofbesuch sehr oft zu richtiger Begeisterung“, freut sich Hofinhaberin Beck.         

Das Wichtigste ist, das es den Kühen gut geht.

Da sind sich die Becks einig. Sie begegnen ihren 115 Milchkühen, den Kälbern und den Jungtieren mit viel Ruhe und Respekt. Sissy Beck kommt ursprünglich aus einem Gemüsebaubetrieb aus der Nähe von Würzburg und sagt nicht unzufrieden: „Das mit den Tieren ist viel intensiver und bei Milchvieh muss man immer da sein. Für meinen Mann ist es das Wichtigste, dass es ihnen gut geht“. Er setzt noch eines drauf und erklärt, dass er schon immer gern in der Natur und mit den Tieren schafft. „Ohne Kühe und alles, was dazu gehört, wie selbsterzeugtes gesundes Futter, könnte ich nicht leben. Natürlich ist der ständige Kreislauf auf dem Hof auch fordernd und wir sind für Vieles verantwortlich. Wir finden, es ist ein sehr, sehr wichtiger Beruf und eine sinnvolle Tätigkeit“, fassen sie beide zusammen. Sie schätzen es, dass sie ihre Kinder teilhaben lassen können, so wie sie es selbst als Kind erlebt haben. Ihre Eltern haben immer viel gearbeitet, sagen sie, aber sie waren immer da. So halten sie es nun auch. „Beim Melken oder beim Holen der Kühe von der Weide ist unsere Marie immer dabei“, schätzen die Eltern ein. Die Achtjährige schaut von den Hausaufgaben auf und sagt stolz: „Wenn der Opa mal nicht kann, mach ich das mit den Kälbern auch allein.“      

Quelle: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

Bildquelle: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.


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