Mehr Regenwürmer in bayerischen Ackerböden – Tag des Regenwurms

    Vielen ist bekannt, dass Regenwürmer fleißige Helfer im Boden sind und die Bodenfruchtbarkeit verbessern. Wussten Sie, dass es 49 Arten von Regenwürmern in Deutschland gibt?

    Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) nimmt den heutigen Tag des Regenwurms zum Anlass, diese fleißigen Helden in das Rampenlicht zu stellen. Die Regenwürmer sind eine der wichtigsten Zeiger für gute Bodenfruchtbarkeit, sie durchmischen den Boden und vermindern Bodenerosion. Die LfL ist ihnen genau deshalb schon seit Jahrzehnten auf der Spur und erforscht die Lebensweise und Arbeitsweise der Regenwürmer. Welche Regenwürmer leben wo und was macht sie so wichtig für den Boden? Wie können Landwirte und im kleinen auch Gartenbesitzer den Regenwürmern perfekte Lebensbedingungen bieten?

    Die gute Nachricht zuerst: Eine der leistungsstärksten Regenwurmarten, der Tauwurm Lumbricus terrestris, hat in Ackerböden zugenommen! Bereits seit 1985 wird in Bayern auf sogenannten Boden-Dauerbeobachtungsflächen, die von Landwirten bewirtschaftet werden, regelmäßig der Regenwurmbestand untersucht. Insbesondere die Bestandsdichte des tiefgrabenden Tauwurms Lumbricus terrestris hat in den letzten 35 Jahren auf 70 % der überprüften Äcker zugenommen.

    Er gilt als Zeiger für einen biologisch aktiven Boden und für ein gutes Angebot an verrottbarem Mulchmaterial an der Bodenoberfläche. Vor allem eine zunehmend pfluglose Bodenbearbeitung trug zu der positiven Entwicklung des Tauwurms bei. Wurden in den 80iger Jahren noch 80-90 % der Äcker jährlich gepflügt, liegt der Anteil mittlerweile bei etwa 60 %. Durch die Förderung pflugloser Mulchsaatverfahren zu Reihenkulturen wie Mais und Zuckerrübe wurden in den vergangenen Jahrzehnten positive Erfolge so-wohl für den Erosionsschutz als auch für die Regenwürmer erzielt.

    Der Landwirt und Gärtner hat viele Möglichkeiten die Lebensbedingungen für Regenwürmer im Boden zu verbessern. Ergänzend zu einer bodenschonenden Bearbeitung, zählen eine organische Düngung sowie eine reichhaltige Fruchtfolge und der Anbau von humusmehrenden Kulturen wie Kleegras und Zwischenfrüchten dazu.

    In die tief bis in den Unterboden gegrabenen vertikalen Röhren des Tauwurms kann zudem Wasser besser in den Boden versickern. Ein Oberflächenabfluss wird vermindert. So leistet diese Art einen Beitrag für den Erosionsschutz. Nachts kommt der Tauwurm an die Bodenoberfläche, sammelt Streu und Erntereste ein, die er tief in den Boden einzieht. Bei guten Lebensbedingungen, z.B. auf tiefgründigen Standorten und bei einer bodenschonenden und humusmehrenden Bewirtschaftung, kann der Tauwurm 5-10 g schwer und bis zu 25 cm lang werden. Die auf landwirtschaftlichen Nutzflächen weit verbreitete Art zählt somit zu den großen, leistungsstarken Regenwurmarten.

    Große Arten fressen mehr und tragen so mehr zur Zersetzung von Ernteresten bei. Große Tiere durchgraben stärker den Boden und wirken positiver auf das Bodengefüge ein. So kann die Regenwurmbiomasse den Forschern als Indikator für die Leistungen der Regenwürmer im Boden dienen. Doch es wird auch gezählt. Treten viele kleine, noch nicht geschlechtsreife Jungtiere auf, so ist die Vermehrungsrate der Regenwürmer hoch. Das weist auf gute Bedingungen in ihrem Lebensraum Boden hin.

    Unter den Regenwürmern finden sich auch Spezialisten, z.B. aquatisch lebende Arten oder Rinden bewohnende, genauso wie kompostbewohnende Kulturfolger.

    Einige Regenwurmarten haben sich an die sauren Bodenbedingungen von Wäldern angepasst. Im Boden landwirtschaftlich genutzter Flächen wurden bislang in Bayern 25 verschiedene Regenwurmarten von der Arbeitsgruppe Bodentiere der LfL gefunden. Die LfL-Biologin Roswitha Walter, ist dazu mit ihrem Team in ganz Bayern auf Äckern und Wiesen unterwegs, um die Artenvielfalt sowie die Siedlungsdichte und Biomasse der Regenwürmer im Boden zu erkunden.

    Manche Regenwurmarten sind sehr selten, andere weit verbreitet. Gerade die häufigen Arten sind es, die den größten Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit leisten. Ziel der Studien ist es, sowohl günstige als auch ungünstige Einflüsse bei der Bewirtschaftung von Acker und Grünland zu erforschen, um daraus für Landwirte gezielte Empfehlungen abzuleiten. Ziel ist immer ein biologisch aktiver, gesunder und damit fruchtbarer Boden.

    Regenwurmarten erkennen, zählen und wiegen ist sehr zeit- und arbeitsaufwändig. Gleichzeitig sind Regenwürmer unverzichtbar für fruchtbaren und gesunden Boden, sie spielen eine wichtige Rolle z.B. bei der Zersetzung von Ernte- und Wurzelresten sowie durch ihre nährstoffreichen Regenwurmlosungen und ihre Grabaktivität beim Aufbau einer intakten Bodenstruktur. Umso wichtiger ist, dass die Forscher am LfL-Institut für Agrarökologie sich die Regenwürmer als Vorbild genommen haben und genauso rege Licht in das Dunkel im Boden bringen. Rege sein, genau diese Tugend hat den Regenwürmern ihren Namen gegeben, nicht der Regen wie immer noch irrtümlich kursiert.

    Quelle: LFL

    Bildquelle: LFL / Jutta Kotzi