Leserbrief – Wie viel Wolf hat bei uns Platz?

    Landwirte aus ganz Deutschland versuchen mit der Politik über die zahlreichen Probleme ins Gespräch zu kommen. Zu dem Thema Wolf erreichte uns heute ein Leserbrief von Roland Kirr, Schäfermeister aus Pittenhart.

    Sehr geehrter Herr Zimmer,
    nachfolgend möchte ich Ihnen auf Ihr Statement auf Rosenheim24 antworten.

    Kein seriös denkender Mensch macht es sich einfach und sagt, der Wolf müsse weg. Die Landwirte und Weidetierhalter sehen nach reiflicher Überlegung keinen anderen Ausweg, als die Entnahme der Wölfe. Ich begrüße es jedenfalls sehr, mit einem Praktiker der Gegenseite zu diskutieren. Als Schafhalter werden Sie sicherlich verstehen, dass uns jedes einzelne Tier wichtig und kein lebloser Gegenstand ist. Aber sagen Sie mir doch bitte wie denn ein vernünftiges Miteinander ausschauen soll.

    Ja, der Wolf wird kommen und bleiben, deshalb fordern wir ein aktives Wolfs-Management, also wo sich der Wolf aufhalten soll und wo nicht. Wenn sich Wolf und Mensch arrangieren sollen, heißt das aber auch, dass sich alle Menschen dem dann unterordnen müssen. Das heißt, vollkommene Übernahme sämtlicher Kosten incl. zeitlichem Mehraufwand für Herdenschutzmaßnahmen durch die Gesellschaft.

    Das heißt aber auch, wenn sich eine Schafherde in der Nähe befindet, die durch Herdenschutzhunde gesichert ist, müssen dann die Anwohner sämtliche Unannehmlichkeiten wie nächtliches Bellen, aggressives Verhalten gegenüber Spaziergängern Joggern usw. dulden.

    Von Seiten der Wolfsbefürworter kommt sehr oft das Argument, dass es in Ländern wie Rumänien oder Bulgarien auch „geht“, nur bei uns „geht’s“ nicht.

    Erstens muss man sich die topographischen Gegebenheiten näher anschauen, wo denn die Schafe weiden und wie weit diese von menschlichen Siedlungen entfernt sind.

    Zweitens hat die Bevölkerung dort ein ganz anderes Freizeitverhalten als bei uns. Niemand nähert sich einer Schafherde, ohne dass er mit dem Hirten Kontakt aufgenommen und dieser ihm ein Zeichen gegeben hat, dass die Herdenschutzhunde jetzt keine Gefahr für ihn darstellen. Und von einem reibungslosem miteinander, wie die erst wieder im TV dargestellt wurde ist man in Rumänien weit entfernt.

    Dies alles ist z.B. ein Grund warum ich mir keine Herdenschutzhunde zulegen werde.
    Sie wollen mehr Prävention, ich auch.

    Unter dem Link: https://www.lfl.bayern.de/iba/tier/178120/index.php findet man eine Kostenschätzung um alle Weidetiere „sicher“ einzuzäunen.

    Incl. Almen rund 241- 413 Millionen Euro.

    Diese Schätzung ist aber aus dem Jahr 2017 und damals dachte man, der Wolf sei nur für Jungrinder gefährlich. Mittlerweile wissen wir, dass das nicht stimmt, Wolfsrudel greifen auch am Tage und auch ausgewachsene Rinder und Pferde an.

    In Brandenburg war der Grundschutz bei 90cm hohen Zäunen, es hieß der Wolf springt nicht über den Zaun, jetzt ist der Mindestschutz dort bei 120cm und wird auch schon überwunden.

    Wolf Zaun

    Wolfsgehege in Tierparks sind 4m hoch eingezäunt, aus welchem Grund wohl? Es wurden auch schon mehrfach durch Herdenschutzhunde gesicherte Herden angegriffen. Das gleicht einem Wettrüsten. Sollen alle Viehweiden ausschauen wie die innerdeutsche Grenze, die Gott sei Dank 1989 abgebaut wurde?

    Prävention heißt für mich aber auch, Einführung einer Obergrenze um eine ungehinderte Ausbreitung mit Zuwachsraten von 30% und mehr einzudämmen. Zugleich muss der Wolf lernen, sich von Siedlungen und Weiden fernzuhalten. Ihre Forderung nach einem pragmatischeren Umgang bei Entschädigungen und Rissnachweisen kann ich nur unterstützen. Sprechen Sie doch mal mit Umweltministerin Svenja Schulze und auch mit den Landesministern. Ich bin auf die Antwort gespannt. Die Antwort vom bayrischen Umweltministerium auf meine Frage, war äußerst ernüchternd.

    Ihrer Frage.: wieviel Wolf bei uns denn überhaupt Platz hat muss ich zustimmen.

    Das ist die entscheidende Frage. Laut Umweltbundesamt hätten in Deutschland (357000km²) 700 bis 1400 Rudel Platz, das hieße ca. 7000 bis 14000 Wölfe in Rudeln, dazu noch zahllose Einzelwölfe. Das sind umgerechnet 166km² pro Rudel. Das BfN rechnet mit 200km². Der Landkreis Traunstein hat 1534 km², das heißt im Landkreis hätten 7 – 9 Rudel Platz. Ein Horrorszenario das ich mir nicht ausmalen will.

    https://www.jagderleben.de/news/wolfdeutschland-1400-potentiell-moegliche-territorien-711802

    Zum Vergleich, Schweden (EU Mitglied) hat 447000km² und 23 Einwohner km² und leistet sich eine Obergrenze von rund 300 Wölfen.

    Es mag sein, dass im Kot von Wölfen ca. 95% Reste von Wildtieren gefunden werden. Aber er frisst ja auch nicht alle Weidetiere, sondern verfällt oft in einen Blutrausch und tötet alles wessen er habhaft wird.

    Schafsrisse 8

    Ihre Aussage „dass der Wolf Menschen frisst sind Märchenmuss ich etwas relativieren.

    Lesen Sie doch mal diesen Artikel:

    https://www.welt.de/geschichte/article185448144/WolfsAngriffe-Als-Woelfe-sich-selbst-in-Staedten-ihre-Opfer-holten.html?cid=onsite.onsitesearch

    Oder lesen Sie mal diverse Kirchenbücher, auch bei uns war der Wolf ein für den Menschen, besonders für ältere, schwache und Kinder ein gefährliches Raubtier. Und nur weil in den letzten Jahren kein Vorfall bekannt wurde, heißt das nicht, dass es nicht wieder so kommen wird. Hier noch ein Artikel der mindestens nachdenklich macht:

    https://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern/wissenschaftler-warnt-woelfe-toetenmenschen-1942840903.html

    Was in diesem Zusammenhang erwähnt werden muss, ist das Füttern von Wölfen. Gott sei Dank ist dies bundesweit verboten, aber es kommt doch immer wieder vor, dass Wölfe gefüttert werden. Und dann sind Konflikte mit dem Menschen vorprogrammiert.

    Ihre Forderung nach weniger Bürokratie kann ich nur unterstützen. Zuständig hierfür ist aber
    das Bundesumweltministerium.

    Letztlich möchte ich noch 2 Punkte anmerken, die in dem Artikel noch nicht angesprochen wurden, dass

    1. nur durch die extensive Weidetierhaltung Magerrasen erhalten werden die, die höchste Artenvielfalt hervorbringen.

    2. Das Prinzip: Umwelt NGO`s sammeln fleißig Mio. an Wolfspatenschaften, die Landwirte und Schäfer haben die Arbeit, und der Staat soll für alles bezahlen, kann so nicht weitergehen!

    Dieses sind ein paar Gedanken von mir, ich freue mich auf jede weitere sachliche Diskussion
    mit Ihnen.

    Roland Kirr, Schäfermeister
    Wolfsbeauftragter CSU AGELF Oberbayern

    Lesermeinungen sind die persönliche Meinung der Schreiber und entsprechen nicht unbedingt der Auffassung der Redaktion.

    Bildquelle: ML-Archiv

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