Landwirte schlagen Alarm: Dramatisch fallende Erzeugerpreise und die enorme Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels bringen viele Betriebe an ihre Grenzen.
Bundesweit protestieren Landwirte vor Lidl-Zentrallagern – friedlich, aber deutlich.
– Die Forderung der Landwirte:
Faire Preise, verlässliche Verträge und ein Ende des ruinösen Preiskampfes auf Kosten der Urproduktion.
Ohne echte Veränderungen durch Handel und Politik drohen weitere, langfristige Proteste.
Dramatisch fallende Erzeugerpreise und zunehmende politische Unsicherheiten führen erneut zu massiven Protestaktionen in der Landwirtschaft. In ganz Deutschland – und ebenso in vielen europäischen Regionen – bereiten Landwirtinnen und Landwirte deutliche Proteste vor. Besonders im Fokus stehen aktuell Lidl-Zentrallager, an denen Mahnwachen, Versammlungen und Traktoraufzüge stattfinden.
Darauf weist auch der Verband Landwirtschaft verbindet Deutschland e. V. (LSV Deutschland) in einer aktuellen Pressemitteilung hin. Die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe spitze sich weiter zu, während gleichzeitig neue politische und handelspolitische Belastungen hinzukämen.
Traktorenproteste an mehreren Lidl-Standorten
- Cloppenburg, Niedersachsen
- Rostock, Mecklenburg-Vorpommern
- Wasbek, Schleswig-Holstein
- Wöllstein, Rheinland-Pfalz
- Erlensee, Hessen
- Radeburg, Sachsen
- Eggolsheim, Bayern
- Bad Wimpfen, Baden-Württemberg
In den vergangenen Nacht und heute am 15.12.2025 kam es an mehreren Standorten zu sichtbaren Protestaktionen – unter anderem vor der Lidl-Zentrale in Bad Wimpfen sowie an Zentrallagern in Wasbek, Cloppenburg und Wöllstein. Teilweise beteiligten sich mehrere hundert Landwirte mit Traktoren an den Versammlungen.
Die Proteste verliefen friedlich, zielten jedoch bewusst auf die Logistikzentren des Handels, um auf die enorme Marktmacht weniger Lebensmitteleinzelhändler aufmerksam zu machen.
Bilder aus Radeburg in Sachsen:
LEH in der Verantwortung – Lidl im Fokus
LSV Deutschland sieht den Lebensmitteleinzelhandel klar in der Verantwortung. Insbesondere Lidl, Edeka, Rewe und Aldi würden seit Jahren Preise diktieren, die deutlich unter den tatsächlichen Produktionskosten liegen. Notwendige Strukturreformen oder verbindliche Zusagen zu fairen Erzeugerpreisen seien bislang ausgeblieben.
„Wir brauchen keine symbolischen Gesprächsrunden mehr – wir brauchen gewinnbringende Preise, verlässliche Verträge und ein Ende des ruinösen Preiswettbewerbs.“
Marc Berger, Vorstand Landwirtschaft verbindet Deutschland e. V.
Gerade in der aktuellen Weihnachtszeit kritisieren viele Landwirte kurzfristige Preissenkungen und Aktionsangebote, die auf Kosten der Urproduktion gehen.
Forderungen der Landwirtschaft
LSV Deutschland fordert vom Handel unter anderem:
- sofortiges Ende der Weihnachts-Preisaktionen auf Kosten der Erzeuger
- faire, marktorientierte Preise statt Preisdiktate
- Transparenz bei der Zusammensetzung der Verbraucherpreise
- Bevorzugung regionaler und saisonaler Erzeugnisse
- Unterstützung der Vorschläge von EU-Agrarkommissar Hansen:
- Verträge vor der Produktion mit Preis, Menge und Lieferzeitraum
- kein Verkauf unter Produktionskosten
- verpflichtende Herkunftskennzeichnung für alle Lebensmittel
Diese Punkte seien zentrale Voraussetzungen, um landwirtschaftliche Betriebe langfristig zu sichern.
Politik muss endlich handeln
Neben dem Handel steht auch die Politik massiv in der Kritik. Trotz zahlreicher Empfehlungen – etwa aus der Zukunftskommission Landwirtschaft – sei bislang kaum etwas umgesetzt worden. Gleichzeitig steigen Energie-, Arbeits- und Bürokratiekosten weiter an und verschärfen die wirtschaftliche Situation auf den Höfen.
LSV Deutschland warnt eindringlich davor, die Marktmacht des Handels weiter unbegrenzt zuzulassen. Ohne faire Wettbewerbsbedingungen und gleiche Standards für Importware drohe der Verlust heimischer Landwirtschaft – und damit auch ein Stück Versorgungssicherheit.
Weitere Proteste angekündigt
Sollten Handel und Politik nicht kurzfristig reagieren, kündigt LSV Deutschland deutliche und langfristige Protestaktionen an. Die aktuellen Proteste vor den Lidl-Zentrallagern seien erst der Anfang. Viele Betriebe seien nicht länger bereit, leere Versprechen hinzunehmen und wirtschaftlich weiter ausgeblutet zu werden.
Fazit
Die Proteste vor den Lidl-Zentrallagern sind ein deutliches Warnsignal. Sie zeigen, dass die Geduld der Landwirtschaft am Ende ist. Ohne faire Preise, verbindliche Regeln und politische Konsequenzen wird sich die Situation weiter zuspitzen – mit Folgen weit über die Höfe hinaus.
Quelle: LSV
Bildquelle: LSV / Landwirte vor Ort







