Wölfe jagen rund 100 Schafe bei Lamstedt: Schäfer fordern konsequentes Handeln der Behörden

Wölfe jagen rund 100 Schafe bei Lamstedt: Schäfer fordern konsequentes Handeln der Behörden

Im Raum Lamstedt (Landkreis Cuxhaven, Niedersachsen) kam es in der Nacht zum 17./18. Februar 2026 zu einem außergewöhnlichen Wolfsereignis: Ein Wolfsrudel hat eine Herde von rund 100 Schafen über mehrere Kilometer gehetzt. Dabei starben zahlreiche Tiere, viele weitere wurden verletzt. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurden mindestens 20 Schafe getötet und weitere sieben verletzt.

Nach Angaben des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung stand dabei nicht der Beutefang im Vordergrund, sondern eine anhaltende Panikjagd innerhalb der Herde. Die Folgen für den betroffenen Betrieb sind gravierend – sowohl in Bezug auf Tierwohl als auch auf die wirtschaftliche Situation.

Was ist in Lamstedt passiert?

Nach Darstellung des Fördervereins kam es nicht zu einem typischen Rissgeschehen, sondern zu einer länger andauernden Verfolgung der Tiere. Eine solche Hetzjagd führt häufig zu massiven Stressreaktionen in der Herde.

Mögliche Folgen können sein:

  • Tiere werden getötet
  • Verletzungen durch Panikreaktionen
  • Fehlgeburten
  • Verendete Tiere infolge von Stress
  • Langfristige Leistungseinbußen

„Wer zulässt, dass Wölfe ganze Herden in Panik jagen, nimmt Tierleid, wirtschaftliche Existenzen und Risiken für Menschen billigend in Kauf“, erklärte Wendelin Schmücker, Sprecher des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung.

Forderung nach rechtssicherem Eingreifen

Der Förderverein hat nach eigenen Angaben einen formellen Antrag auf Entnahme der als verhaltensauffällig beschriebenen Wölfe gestellt. Dabei wird auf frühere Fälle in Niedersachsen verwiesen, bei denen behördliche Maßnahmen rechtlich möglich waren.

Wichtig:

Das Bundesnaturschutzrecht lässt Eingriffe in streng geschützte Arten zu, wenn

  • erhebliche Schäden drohen oder eingetreten sind
  • andere Maßnahmen nicht ausreichen
  • eine Gefährdung für Menschen oder Nutztiere besteht

In der Praxis scheitert konsequentes Handeln jedoch häufig an langen Prüfverfahren, unklaren Zuständigkeiten und juristischen Unsicherheiten.

Was bedeutet das für die Schafhaltung?

Für viele Schäfereien sind Wolfsübergriffe – unabhängig davon, ob Tiere getötet oder „nur“ gehetzt werden – existenzbedrohend.

Die Realität auf den Betrieben:

  • Weidetierhaltung findet oft in offenen Landschaften statt
  • Herdenschutz ist teuer, arbeitsintensiv und nicht überall praktikabel
  • Entschädigungen decken Folgeschäden (Stress, Abgänge, Produktionsverluste) meist nicht ab

Hier zeigt sich ein strukturelles Problem:

👉 Der Schutzstatus des Wolfs steht in der Praxis häufig im Konflikt mit dem Schutz von Nutztieren und den Betrieben, die Landschaftspflege, Deichschutz und Biodiversität überhaupt erst möglich machen.

Naturschutz braucht Akzeptanz – und Praxisnähe

Ein funktionierender Naturschutz lebt von Akzeptanz in der Fläche.

Diese Akzeptanz schwindet, wenn betroffene Betriebe das Gefühl haben, mit den Folgen allein gelassen zu werden.

Konsequentes, rechtssicheres Handeln bei verhaltensauffälligen Wölfen ist kein „Anti-Naturschutz“, sondern Voraussetzung dafür, dass Weidetierhaltung in Deutschland überhaupt eine Zukunft hat.

Der Vorfall in Lamstedt ist ein weiteres Warnsignal:

Wenn selbst massive Hetzjagden auf ganze Herden nicht zu zügigen, klaren Entscheidungen führen, wächst die Frustration in der Praxis weiter.

Statt Symbolpolitik braucht es:

  • klare Zuständigkeiten
  • praxistaugliche Herdenschutzprogramme
  • realistische Entschädigungen
  • und rechtssichere Eingriffsmöglichkeiten bei Problemwölfen

Nur so lassen sich Naturschutz und Weidetierhaltung langfristig miteinander vereinbaren.

Der Vorfall in Lamstedt zeigt: Wenn Wölfe ganze Schafherden über lange Distanzen hetzen und dabei viele Tiere sterben oder verletzt werden, reicht ein rein symbolischer „Schutzstatus“ des Wolfs nicht aus, um Konflikte zwischen Naturschutz und Weidetierhaltung zu entschärfen. Praktische, rechtssichere Lösungen sind dringend erforderlich – sowohl für Tierhalter als auch für den Erhalt offener Kulturlandschaften.

Quelle:  Förderverein der Deutschen Schafhaltung e.V.
Bildquelle: MLA

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