Wie viel ist die Gülle wert?

    In den letzten Wochen und Monaten war ein starker Preisanstieg für mineralische Düngemittel zu verzeichnen. Betroffen sind hiervon nahezu alle mineralischen Düngemittel. Der Handel berichtet von großer Knappheit bis hin zu der Ungewissheit, ob Kunden im nächsten Frühjahr überhaupt mit ausreichend Düngemitteln versorgt werden können. Dies macht den Einsatz von Gülle oder Gärresten interessanter. Hinzu kommt, dass einige Betriebe ihre Viehbestände bereits abgestockt haben bzw. die Ställe leer stehen.

    Der Wirtschaftsdüngeranfall in unserer Region ist daher geringer als in den letzten Jahren. Hinzu kommt die optimierte Fütterung. Sie führt dazu, dass die Inhaltsstoffe der Gülle geringer ausfallen. Dies alles sorgt dafür, dass Gülle im nächsten Frühjahr zu einem knappen Gut werden könnte.

    Doch wie viel ist die Gülle wirklich wert?

    Um diese Frage zu beantworten, werden aktuelle Mineraldüngerpreise zu Grunde gelegt.

     €/dtNP2O5K2OSMgO
    KAS59,0027    
    Harnstoff90,4546    
    AHL60,1028    
    DAP82,151846   
    40er Kornkali38,15  40 6
    60er Kali50,45  60  
    SSA48,4021  24 
    ASS63,3526  13 

    Hieraus können nun folgende Preise EUR/pro kg Nährstoff ermittelt werden (Kalkausgleich bei N inbegriffen):

    NP2O5K2OSMgOCaO
    2,060,960,900,430,380,04

    Außerdem werden die Inhaltsstoffe der Gülle benötigt.

    Im Folgenden werden hier Durchschnittswerten der LUFA angenommen.Dies kann betriebsindividuell jedoch stark variieren. Um den Wert der Gülle des eigenen Betriebes zu berechnen, sollten hierfür auf jeden Fall eigene Analysewerte genutzt werden.

    kg/m³Gesamt-NNH4-NP2O5K2OSMgOCaO
    Gärrest5,52,92,15,40,71,12,3
    Rindergülle3,61,71,54,30,512,4
    Schweinegülle4,832,73,70,51,32,5
    Zunhammer Guelefass

    Um den Wert der Gülle zu ermitteln, müssen die Inhaltsstoffe mit den aus den Mineraldüngern errechneten Preisen berücksichtigt werden.

    Stickstoff wurde hier mit einer Anrechenbarkeit von 70 % berechnet. Somit ergeben sich folgende Nährstoffwerte der verschiedenen organischen Düngemittel:

     €/m³ alle Nährstoffe€/m³ NPK
    Gärrest15,6214,81
    Rindergülle11,2010,50
    Schweinegülle13,6612,85

    Den größten preislichen Anteil bildet Stickstoff mit 5 – 8 €/m³ gefolgt von Kalium und Phosphor.

    Der Anteil weiterer Nährstoffe ist deutlich geringer und somit fast zu vernachlässigen.

    Dieser Wert darf nun aber nicht einem Auszahlungspreis gleichgesetzt werden. 

    Zum einen muss ein Bedarf an allen Nährstoffen vorliegen. In der Regel sollte dies der Fall sein, da bei moderater Gülle-Düngung von 20 m³ nahezu alle Kulturen entsprechenden Bedarf haben.

    In vielen Regionen sind die Böden jedoch beispielsweise ausreichend mit Phosphor versorgt, sodass der Bedarf hier geringer ist. Dies sollte berücksichtigt und der Phosphor-Wert der Gülle in den entsprechenden Fällen abgezogen werden.

    Eine genaue Auflistung der Werte einzelner Nährstoffe in den verschiedenen Güllen finden Sie in nachfolgender Tabelle:

     €/m³ Gärrest€/m³ Rindergülle€/m³ Schweinegülle
    N anrechenbar 70 %7,945,206,93
    P2O52,031,452,60
    K2O4,853,863,32
    S0,300,210,21
    MgO0,410,380,49
    CaO0,100,110,11
    Nährstoffwert Gülle15,6211,2013,56
    Nährstoffwert NPK14,8110,5012,85

    Es müssen aber noch weitere Punkte beachtet werden:

    Die Ausbringung von Mineraldünger ist deutlich günstiger als die Gülleausbringung. Während Dünger streuen mit etwa 20 €/ha angesetzt werden kann, kosten der Transport und die Ausbringung von 20 m³ Gülle oder Gärresten 120 €/ha (6 €/m³). Die Differenz liegt somit bei 5,00 €/m³, die beim Abgabepreis der Gülle in jedem Fall berücksichtigt werden sollte.

    Außerdem sollte die Aufnahme von organischen Düngemitteln attraktiv gestaltet sein. Die Wirksamkeit von Gülle ist teilweise ungewiss und witterungsabhängig, während Mineraldünger etwas leichter „steuerbar“ ist.

    Ist der Preis der Gülle abzüglich Ausbringungskosten identisch mit den Preisen von Mineraldünger gibt es für Aufnehmer keinen Anreiz, Gülle aufzunehmen statt Mineraldünger zu kaufen (vorausgesetzt dieser ist verfügbar). Es sollte also ein monetärer Anreiz geschaffen werden.

    Wie hoch dieser liegt muss individuell gestaltet sein. Es kann zum Beispiel ein Wert von etwa 4 €/m³ angesetzt werden. Alternativ setzt man die Differenz einfach als Aufnehmer-Bonus an. Dies kann vor allem bei langjährigen Abnehmern ein gutes Mittel sein. Die Preise werden in den kommenden Jahren voraussichtlich nicht auf diesem Niveau bleiben und die Dünger-Knappheit wird sich regeln.

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    Bildquelle: M.Sc. Vera Bruns
     €/m³ Gärrest€/m³ Rindergülle€/m³ Schweinegülle
    Nährstoffwert €/m³15,6211,213,66
    – minus erhöhte Transport- und Ausbringungskosten 5 €/m³10,626,28,66
    – minus Aufnehmerbonus4 €/m³6,622,24,66

    Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen / M.Sc. Vera Bruns

    Bildquelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen / Zunhammer

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