Welche Chancen und Risiken birgt die Produktion von Energie in der Landwirtschaft gegenüber der Produktion von Lebensmitteln? 

    Wir produzieren Energie, weil auch die gebraucht wird.

    „Wir haben damals die Diskussion mit den Stadtwerken in Schwäbisch Hall gesucht und sind zu einer guten gemeinsamen Lösung gelangt. Nun führen wir ein mittleres Logistikunternehmen“. So erklärt Michael Reber die Geschichte seines Hofes, der heute vor allem Biogas für die Produktion von Strom und Wärme liefert.

    „Seit 12,5 Jahren gehen rund 70% von unserem Gas für 2000 bis 3000 Haushalte der Umgebung über eine separate Leitung an die Stadtwerke“, erklärt Landwirt Reber den Prozess. Im Zuge des Baus der Umgehungstrasse West von Schwäbisch Hall wurden planmäßig Leitungen für neue Infrastruktur verlegt. Diese Investition wurde von den Stadtwerken übernommen. Michael Reber verkauft sein Gas ab Hof. Es wird nach der Aufbereitung und Verdichtung vom Behälter aus über Rohrleitungen mit Druck bis in die Stadt geliefert. Dort werden Motoren mit dem Gas betrieben, in dem es verbrannt wird. Daraus wird Strom produziert und in das Netz eingespeist. Zusätzlich entsteht Wärme, auch diese Abwärme wird genutzt.

    „Die Landwirtschaft produziert das Gas, die Stadtwerke übernehmen die Energieproduktion. Ich finde es wichtig, dass die dafür benötigten Flächen bei den Bauern bleiben“, so fasst es Michael Reber zusammen. Er sieht darin eine sinnvolle Lösung, „denn ohne Energie funktioniert das System in Mitteleuropa eben auch nicht“, sagt er klar. Gerade jetzt ist das aus seiner Sicht ein sinnvoller Ansatz. 

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    Welchen Vorteil haben Biogasanlagen? Der Name ‚Biogasanlage‘ kommt nicht daher, weil hier besonders biologisches Gas entsteht, wie man meinen könnten, sondern weil ausschließlich natürliche Materialien hineinkommen. Überall sieht man die prall gefüllten Kuppeln über den runden Behältern. „Die äußere Hülle ist reiner Wetterschutz und innen ist eine Gasmembran. Hinein kommen nur Gülle, Mist und nachwachsende Rohstoffe – wie Pflanzen.

    Bei uns sind es Mais, Getreideganzpflanzen-Mischkulturen (Anm. DA.: an den Standort angepasste Pflanzensysteme für die Energieproduktion) und Gras von den rund 200 Hektar Ackerflächen unseres Hofes. Zusätzlich liefern unsere Partnerbetriebe zu, das heißt Feldfrüchte von anderen Landwirten werden zugekauft. In unseren drei Gärbehältern werden täglich zehn Tonnen Mist, plus 20 Tonnen Rindergülle und zudem 30 Tonnen nachwachsende Rohstoffe vergoren“, erklärt Landwirt Reber. Er erklärt auch, dass stündlich über ein automatisches Pumpsystem nachgefüllt wird und dass die Verweilzeit der Produkte im Gärprozess 150 Tage ist, bis alles „sauber vergoren ist“, wie Reber sagt. Die Biogasanlagen arbeiten fast ohne Verluste, erklärt er mit „…die Menge, die reingefahren wird, geht fast auch wieder raus“. Im Ergebnis kommen 8% als Gas und 92% als Dünger aus den Anlagen. Dieser nach seinen Worten wertvolle Dünger für die Äcker entsteht aus den Gärresten des Prozesses.

    Ein Kreislauf also?

    „Ja, die anliefernden Höfe aus einem Umkreis von 15 Kilometern bekommen den Mist und die nachwachsenden – also organische – Rohstoffe als Dünger zurück. Wir jedenfalls, wollen ab nächstem Jahr ganz ohne Mineraldünger auskommen“, prognostiziert M. Reber. Das und weitere Maßnahmen im Ackerbau, wie der gezielte Aufbau von Humus im Boden, könnten aus seiner Sicht, Stück für Stück den mineralischen Dünger ersetzen.    

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    Speicherfähigkeit und Wirkungsgrad. Biogasanlagen haben hohe Wirkungsgrade von 85% und bieten – im Vergleich zur reinen Stromproduktion durch Wind- oder Photovoltaikanlagen – gute und kostengünstige Speichermöglichkeiten. Auf 100% bezogen sind das 42% für Strom und 40% für Wärme an Energieausbeute.

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    „Die verbleibenden Reste an Gülle aus der Biogasanlage stinken bei weitem nicht so, als wenn sie direkt aus der Güllegrube kommen. Auch ist sie besser pflanzenverfügbar“, sagt Michael Reber. Gleichwohl dürfen beide als Dünger verwendete Gülle-Versionen nur in schmalen Zeitfenstern ausgefahren werden: Von November bis Januar ist das vollkommen verboten. Auf dem Hof Reber wird der Dünger in dieser Zeitspanne in einem, von außen als Kunstwerk verschönerten, großen Behälter gesammelt. „Unser Behälter war aber noch nie ganz voll und ist gut ausgelegt“, erklärt Landwirt Reber. Bleibt noch immer der allgemeine Vorwurf, dass wegen der Biogasanlagen zu viel Mais angebaut wird.

    „Der Ertrag pro Tonne Mais ist nun mal höher als der aus Gülle oder Mist im Verhältnis von fast 10:1 bei Gülle und 3:1 bei Mist. Für eine Tonne Gas brauche ich drei Tonnen Mais oder zehn Tonnen Mist und Gülle. Und das betrifft ‚rein wie raus‘, also auch die zu lagernden Reste. Man muss die Diskussion auch ehrlich führen“, sagt Reber weiter. „Der Mais als Energielieferant braucht auf den Feldern noch immer die wenigste Fläche. Für unsere Arbeit kommt da von der Forschung wenig Unterstützung. Das machen wir ‚Learning By Doing“, sagt Michael Reber. Hinzu kommt: Die Gesetzgeber fördern einerseits die Produktion von Gas aus Mais und erschweren andererseits die Ausbringung der Gülle- und Mistresten auf die Felder. Auch die Tatsache, dass es einen Unterschied macht, wie viele Tonnen der wertvollen Reste die Bauern laut gesetzlicher Vorgaben über sechs bis neun Monate auf ihren Höfen lagern müssen, wirkt sich wirtschaftlich aus. Es entstehen höhere Kosten, wenn entsprechend mehr Tonnen gelagert werden. „Da ist klar, was die Bauern machen“, weiß Reber. Nach seiner Meinung ist den Politikern oft nicht bewusst, welche Konsequenzen ihre Entscheidungen in der Praxis haben. Er jedoch will die komplexen Vorgänge in der Landwirtschaft den Politikern nahebringen, damit sich was ändert. Dafür macht er sich immer stark. „Und ich kann, wenn es gewünscht ist, jährlich neu mit der Lebensmittelproduktion beginnen. Das ist bei Photovoltaikanlagen zur Energieproduktion auf den Feldern, zum Beispiel entlang der Autobahnen, nicht so einfach möglich“, so Reber.       

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    So langsam spricht man wieder über Biogasanlagen. Aus Sicht Michael Rebers ist die dezentrale Energieproduktion für ländliche Regionen eine Riesenchance. Schon viele Landwirte stellen sich, auch aus wirtschaftlichen Gründen, auf diese sinnvolle Verwendung von Mist und Gülle aus ihren Ställen ein. Die Politik muss seiner Meinung nach jedoch die Rahmen dafür verbessern. Wichtig ist ihm in der jetzigen Situation, die Landwirtschaft nicht gegeneinander auszuspielen. Er findet es eine gute Überlegung wert, neue Leitungen für mehr Biogasanlagen zu den Höfen zu legen und Gas und Öl aus dem Ausland damit zu ersetzen.

    „Denn am Ende müssen wir es schaffen, die konventionelle Landwirtschaft biodivers aufzustellen und wirtschaftlich zu bleiben. Ich finde: Es gilt, Nahrungs- und Futtermittel genauso wie nachwachsende Rohstoffe für die Energiegewinnung zu produzieren. Dafür brauchen wir Antworten, die es aus meiner Sicht gibt. Ich probiere aus, was dazu beiträgt. Das ist das, was wir hier machen. Inzwischen kommen immer mehr Bauern zu mir und wir schauen zusammen, wo die Lösungen liegen könnten“, erklärt Landwirt Michael Reber sein Engagement und seine Arbeit.     

    Quelle: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

    Bildquelle: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

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