Spot Spraying mit John Deere Feldspritze: Kameragestütztes Gestänge zur gezielten Unkrautbekämpfung im Ackerbau
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Spot Spraying erklärt: Technik, Systeme und Unterschiede bei John Deere, Amazone & Co.

Spot Spraying im Jahr 2026 Vergleich: John Deere, Amazone, Agrifac, Horsch, Hardi, Kubota & Co. – wie die Systeme technisch wirklich arbeiten.

Spot Spraying gehört aktuell zu den wichtigsten Entwicklungen in der modernen Pflanzenschutztechnik

Kameragestützter Pflanzenschutz wird oft als einheitliche Technologie dargestellt. In der Praxis unterscheiden sich die Systeme jedoch grundlegend – sowohl technisch als auch im Einsatz.

Wie funktioniert Spot Spraying?

Aktuell lassen sich drei zentrale Ansätze unterscheiden:

  1. Live-Kameraerkennung (Echtzeit)
  2. kartenbasiertes Spot Spraying
  3. präzise Applikation ohne direkte Pflanzenerkennung

📸 1. Live-Kameraerkennung (Echtzeit-Systeme)

John Deere „See & Spray“

  • Kameramodule entlang des Gestänges
  • Echtzeit-Bildverarbeitung auf der Maschine
  • Deep-Learning-Modelle zur Pflanzenklassifikation

👉 Ablauf:

  • Kamera erkennt Pflanze
  • Algorithmus klassifiziert
  • Düse wird zeitlich versetzt entsprechend Fahrgeschwindigkeit und Abstand zwischen Kamera und Düse angesteuert

👉 technisch kritisch:

  • Reaktionszeit (inkl. Bildverarbeitung + Ventilsteuerung) typischerweise 100–300 ms
  • exakte Synchronisation zwischen Kamera und Düse

Agrifac AiCPlus

  • kamerabasiertes Spot-System
  • gezielte Aktivierung einzelner Düsen

👉 Besonderheit:

  • direkte Umsetzung „sehen → spritzen“
  • hohe Automatisierung

Entscheidend ist nicht die Kamera – sondern die exakte Abstimmung aus Fahrgeschwindigkeit, Kameraposition und Düsenansteuerung.

⚙️ 2. Kartenbasiertes Spot Spraying

Amazone AmaSelect Spot

👉 arbeitet nicht mit Live-Kamera auf der Maschine

Technik:

  • Applikation auf Basis externer Spot-Karten
  • Kombination mit Einzeldüsenschaltung

👉 Ablauf:

  • Erfassung per Drohne/Sensor
  • Erstellung Applikationskarte
  • positionsgenaue Ausbringung

👉 Vorteil:

  • stabile Applikation unabhängig von Licht
    👉 Nachteil:
  • keine spontane Reaktion im Bestand

🌱 3. Präzisionsapplikation (Basis für alle Systeme)

Diese Systeme bilden die technische Grundlage – auch für Spot Spraying.


Horsch

  • Fokus auf PrecisionSpray, Teilflächensteuerung
  • Kombination aus:
  • Bandapplikation
  • variabler Ausbringung
  • Integration in Gesamtsysteme

👉 kein flächendeckendes Serien-Kamerasystem wie bei John Deere


Kverneland

  • iXspray-System
  • starke ISOBUS-Integration
  • Section Control + Einzeldüsenschaltung

👉 Schwerpunkt: Steuerung & Datenintegration


Fendt (Rogator)

  • Plattformlösung (FendtONE)
  • variable Applikation
  • Integration in Betriebsmanagement

Dammann

  • Hochleistungs-Selbstfahrer
  • präzise Einzeldüsenschaltung

👉 Stärke:

  • große Flächenleistung
  • konstante Ausbringung bei hoher Geschwindigkeit

Tecnoma

  • klassische Feldspritzen
  • moderne Steuerungssysteme

👉 Fokus:

  • robuste Technik
  • zuverlässige Applikation

Hardi

  • einer der führenden Pflanzenschutzhersteller weltweit
  • starke Kompetenz bei:
  • Gestängetechnik
  • Düsenmanagement
  • Applikationsqualität

👉 Schwerpunkt:

  • präzise und stabile Ausbringung
  • weniger Fokus auf KI, mehr auf Applikationsphysik

Kubota

  • wachsender Anbieter im Pflanzenschutzbereich
  • Kombination aus:
  • Feldspritzen
  • digitalen Lösungen
  • Precision Farming

👉 Rolle:

  • Systemanbieter mit zunehmender Integration

💧 Schlüsseltechnik: Einzeldüse und PWM

Unabhängig vom Hersteller entscheidend:

  • Einzeldüsenschaltung
  • Pulsweitenmodulation (PWM, typischerweise 10–30 Hz je nach System)
  • konstanter Druck

👉 Vorteil:

  • gleichmäßige Tropfengröße
  • stabile Ausbringung trotz häufigem Schalten

📍 Positionsgenauigkeit

Technisch zwingend notwendig:

  • RTK-GPS (±2–3 cm)
  • interne Wegmessung
  • Zeitversatzberechnung

👉 Beispiel:
Bei 12 km/h → ~3,3 m/s
Bei 200 ms Verzögerung → ~66 cm Positionsabweichung

👉 ohne Korrektur → massive Fehlapplikation


⚠️ Praxisgrenzen

Alle Systeme haben ähnliche Schwächen:

  • dichter Pflanzenbestand
  • ähnliche Blattstrukturen
  • wechselnde Lichtverhältnisse
  • Verschmutzung der Sensorik

👉 Trefferquote stark abhängig von Bedingungen


💰 Wirtschaftlichkeit

Praxiswerte:

  • Einsparung Pflanzenschutzmittel: 30–70 % möglich

Aber:

  • hohe Investitionskosten
  • Wartungsaufwand
  • Schulungsbedarf

👉 sinnvoll vor allem bei:

  • großen Flächen
  • hohem Wirkstoffeinsatz
  • heterogenem Unkrautdruck

Ob sich die Investition in Spot-Spraying-Systeme rechnet, hängt stark von den Rahmenbedingungen ab. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch staatliche Förderungen. Mehr dazu: Aktuelle Förderprogramme in der Landwirtschaft.


🌱 Ergänzung: Mechanische Alternative

Einige Hersteller gehen bewusst einen anderen Weg.

Beispiel:

  • mechanische Unkrautbekämpfung statt chemischer Applikation

👉 zeigt:
Die Entwicklung im Pflanzenschutz ist nicht nur digital, sondern auch strukturell im Wandel.


Realität in der Praxis:
Viele Systeme funktionieren im Versuch oder bei optimalen Bedingungen sehr gut. Im Alltag entscheiden jedoch Faktoren wie Verschmutzung der Kameras, wechselnde Lichtverhältnisse und Bestandsdichte über die tatsächliche Trefferquote. Deshalb sind stabile Applikationssysteme weiterhin die Grundlage jeder präzisen Ausbringung.

📊 Fazit

Die Hersteller verfolgen unterschiedliche Ansätze:

  • John Deere / Agrifac → KI + Echtzeiterkennung
  • Amazone → kartenbasiertes Spot Spraying
  • Hardi, Dammann, Tecnoma → Applikationsqualität
  • Horsch, Kverneland, Fendt, Kubota → Systemintegration

👉 Eine universelle Lösung gibt es nicht.
Entscheidend ist, welches System zum Betrieb passt.


Quelle: Moderner Landwirt

Bildquelle: John Deere


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