In Deutschland wächst die Siedlungs- und Verkehrsfläche weiterhin deutlich.
Im Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2024 wurden täglich 50 Hektar neu in Anspruch genommen. Das entspricht in etwa der Fläche der Vatikanstadt, die mit 44 Hektar als kleinster Staat der Welt gilt.
Wie das Statistisches Bundesamt (Destatis) mitteilt, ist der tägliche Zuwachs damit zwar leicht rückläufig, liegt aber weiterhin auf hohem Niveau.
Zum Vergleich:
- 2020–2023: 51 Hektar pro Tag
- 2019–2022: 49 Hektar pro Tag
Ziel der Bundesregierung: unter 30 Hektar bis 2030
Nach der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie soll der tägliche Flächenverbrauch im Vierjahresdurchschnitt bis 2030 auf unter 30 Hektar sinken.
Langfristig ist bis 2050 eine sogenannte Flächenkreislaufwirtschaft vorgesehen. Ziel ist es, keine zusätzlichen Flächen netto für Siedlung und Verkehr zu beanspruchen.
Aus landwirtschaftlicher Sicht bleibt dieses Ziel jedoch ambitioniert – solange der Flächendruck auf Acker- und Grünland anhält.
Siedlungsfläche ist nicht gleich versiegelte Fläche
Die Statistik unterscheidet klar zwischen Siedlungs- und Verkehrsfläche und versiegelter Fläche.
Zur Siedlungs- und Verkehrsfläche zählen auch unversiegelte Bereiche, darunter:
- Haus- und Vorgärten
- Parks und Grünanlagen
- Campingplätze
- Spielplätze und Friedhöfe
Dennoch geht mit der Ausweisung neuer Flächen häufig ein dauerhafter Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächeeinher.
Wohnbau und Gewerbe treiben den Flächenverbrauch
Der größte Teil des Flächenzuwachses entfällt auf:
- Wohnbauflächen
- Industrie- und Gewerbeflächen
- öffentliche Einrichtungen
Diese Flächen wuchsen im Zeitraum 2021–2024 um durchschnittlich 36 Hektar pro Tag.
Weitere 14 Hektar pro Tag entfielen auf:
- Sport- und Freizeitflächen
- Erholungsflächen
- Friedhöfe
Die Verkehrsflächen blieben dagegen nahezu unverändert.

14,6 Prozent der Fläche Deutschlands sind Siedlung und Verkehr
Im Jahr 2024 entfielen 14,6 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands auf Siedlungs- und Verkehrsflächen.
Das entspricht rund 5,2 Millionen Hektar.
Davon:
- 3,4 Millionen Hektar Siedlungsfläche
- 1,8 Millionen Hektar Verkehrsfläche
Die gesamte Bodenfläche Deutschlands umfasst 35,8 Millionen Hektar.
Landwirtschaft bleibt größter Flächennutzer
Mit 83,1 Prozent stellt die Vegetationsfläche weiterhin den größten Anteil der Landesfläche.
Sie setzt sich zusammen aus:
- Landwirtschaft: 50,2 % (18,0 Mio. Hektar)
- Wald: 29,9 % (10,7 Mio. Hektar)
Gewässer machen lediglich 2,3 Prozent der Fläche Deutschlands aus.

Bedeutung für die Landwirtschaft
Für Landwirte ist die Entwicklung besonders relevant:
- Jede neue Siedlungsfläche bedeutet weniger verfügbare Produktionsfläche
- Bodenpreise und Pachtkosten steigen weiter
- Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen erhöhen den Flächendruck zusätzlich
Gleichzeitig wächst der politische Anspruch an die Landwirtschaft, Natur-, Klima- und Artenschutz auf immer kleiner werdender Fläche zu leisten.
Datenbasis und Methodik
Der Indikator „Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche“ wird als gleitender Vierjahresdurchschnitt berechnet. Grundlage ist die amtliche Flächenstatistik aus dem ALKIS-System.
Methodische Anpassungen in den Bundesländern wurden statistisch herausgerechnet, um reale Flächenänderungen korrekt abzubilden.
Quelle: Destatis
Bildquelle: Moder ner Landwirt Archiv