Ungewöhnlich früh lassen die Rapspflanzen ihre gelben Blüten leuchten. Gegenüber dem Vorjahr startet die Rapsblüte in den meisten Orten knapp zwei Wochen früher und bereichert damit wie zuletzt vor zehn Jahren bereits ab Anfang April wieder die Feldflur optisch durch ein Blütenmeer. In früh gesäten Beständen und in günstigen Lagen zeigen sich bereits seit der vergangenen Woche die ersten gelben Farbtupfer der beginnenden Rapsblüte auf den niedersächsischen Ackerflächen.

Es dauert nicht mehr lange, dann leuchten die Rapsfelder wieder in ihrer vollen gelben Blütenpracht und werden für etwa vier Wochen das Landschaftsbild nachhaltig prägen. An der Küste und in den Höhenlagen wird sich dieses farbenfrohe Bild ein paar Tage später einstellen. Dies teilte die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) am Mittwoch (10. April) in Oldenburg mit.

Anbaufläche nach Rekord-Erlösen rückläufig

Nach dem Raps-Rekordjahr 2022 mit sehr guten Erträgen und einer insgesamt sehr guten Wertschöpfung dank gleichzeitig hoher Marktpreise hatte sich die Anbaufläche von Winterraps für das Erntejahr 2023 nochmals deutlich erhöht. Nur durchschnittliche Erträge und ein sich aufbauender Druck auf die Erzeugerpreise minderte die Anbaueuphorie des vergangenen Jahres allerdings und führte dazu, dass die Landwirtinnen und Landwirte ihre Rapsanbauplanung für das Erntejahr 2024 wieder spürbar zurückgefahren haben.

Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Landesamtes für Statistik Niedersachsen  auf 115.000 Hektar Raps angebaut (Daten aus der Agrarstrukturerhebung), das sind rund sechs Prozent der Ackerfläche in Niedersachsen. Der Durchschnittsertrag lag mit 35,4 Dezitonnen (Doppelzentner) je Hektar wieder auf dem Durchschnittsniveau der zurückliegenden Jahre und verfehlte damit die Spitzenerträge von 43,9 dt/ha aus dem Vorjahr deutlich. Trotz der Anbauausdehnung von etwa 10.000 Hektar wurde mit 407.100 Tonnen nicht die Erntemenge aus 2022 (420.000 t) erreicht.

Nässe macht stellenweise Umbruch nötig

Für das aktuelle Anbaujahr wird sich laut ersten Prognosen die Anbaufläche auf etwa 95.000 Hektar reduzieren und damit etwa auf das Niveau von 2022 zurückfallen. Unklar ist derzeit, wie hoch der Anteil der aufgrund der starken Vernässung bereits umgebrochenen beziehungsweise noch umzubrechenden Rapsbestände ausfallen wird.

Obwohl sich die wirtschaftliche Vorzüglichkeit des Rapses im vergangenen Jahr verschlechtert hat, schätzen viele Betriebe nach wie vor die zahlreichen pflanzenbaulichen Vorteile und positiven Fruchtfolgeeffekte – damit bleibt Raps auf vielen Flächen eine feste Größe in der Fruchtfolgegestaltung.

Aussaat: Wechselhafte Bedingungen

Die Aussaatbedingungen im Herbst 2023 waren regional recht unterschiedlich. Zum Teil konnte die Beerntung der Vorfrüchte, vornehmlich Winterweizen, aufgrund von feuchten Erntebedingungen nicht zeitgerecht abgeschlossen werden, so dass sich die Rapsaussaat entsprechend hinauszögerte. Vielfach dauerte es mit der Aussaat bis in die erste Septemberdekade hinein, zum Teil noch länger. Dank der milden Witterungsbedingungen im Herbst konnten sich jedoch auch die spät aufgelaufenen Bestände in der Regel vor dem Winter noch ausreichend entwickeln.

Die ungewohnt hohen Niederschläge ab Oktober, die bis in den Februar hinein anhielten, führten zu einer starken Wassersättigung der Böden, teilweise auch zu tagelangen Überschwemmungen, wovon auch Rapsflächen betroffen waren. Ein Umbruch einzelner betroffener Flächen, auf denen Rapspflanzen abgestorben sind, war beziehungsweise ist daher leider unvermeidbar.

Bislang kaum Frostschäden

Durch das insgesamt relativ milde und sehr feuchte Frühjahr konnten sich die Rapsbestände zügig und gleichmäßig weiterentwickeln. Kurzfristige Frostereignisse Ende November und Anfang Dezember sowie Mitte Januar hatten keine negativen Auswirkungen auf den Raps. Die hohen Niederschläge im Frühjahr ließen aufgrund mangelnder Befahrbarkeit der Böden teilweise eine rechtzeitige Düngung der Rapsbestände nicht zu.

Zu hoffen ist, dass auch in den nächsten Wochen keine Temperatureinbrüche zu Pflanzen- und vor allem zu Blütenschädigungen führen werden. Bei den derzeitigen Wetterprognosen steht wohl einer ungestörten und kontinuierlichen Blütenentwicklung nichts im Wege. Viele Bestände werden die Vollblüte in diesem Jahr bereits im Zeitraum Mitte bis Ende April erreicht haben.

Körner enthalten bis zu 46 Prozent Öl

Raps ist die wichtigste heimische Ölpflanze. Aus den gelben Blüten entwickeln sich nach der Bestäubung auch durch Insekten Schoten mit etwa zwei Millimeter dicken, schwarzen Körnern. Deren Ölgehalt liegt je nach Rapssorte zwischen 43 bis 46 Prozent. Daraus werden zum Beispiel Speiseöl, Margarine, aber auch biologisch abbaubare Schmier- und Treibstoffe wie Hydrauliköl oder Biodiesel hergestellt. Beliebt bei Verbrauchern ist auch der Rapshonig. Rund 40 Kilogramm sind es, die der Imker von einem Hektar Raps erntet.

An die ertraglich und vor allem auch ökonomisch herausragenden Ergebnisse des Jahres 2022 werden die Rapsanbauer*innen in diesem Jahr sicherlich nicht anknüpfen können, auch wenn die Ertragserwartungen zum derzeitigen Zeitpunkt insgesamt als gut einzuschätzen sind. Die aktuellen Marktnotierungen liegen weit unterhalb der Spitzenpreise aus 2022 und auch leicht schwächer als 2023.

Abgeschwächte Preise

Wie lukrativ der Rapsanbau für die Landwirte in diesem Jahr sein wird, hängt stark davon ab, ob sie bereits sehr frühzeitig günstige Vorkontrakte auf ihre Ernte abgeschlossen haben oder ob die in den zurückliegenden Wochen abgeschwächten Preise letztlich beim Verkauf zu Grunde gelegt werden müssen. Für den wirtschaftlichen Erfolg des Rapsanbaus wird sicherlich auch für dieses Jahr der Zeitpunkt des Einkaufs der Produktionsmittel Dünger und Pflanzenschutzpräparate eine wichtige Rolle spielen.

Aus pflanzenbaulicher Sicht präsentieren sich die Bestände zum jetzigen Zeitpunkt allgemein in einem guten Zustand und lassen aktuell gute Erträge erwarten. Regionale Unterschiede in der Rapsentwicklung, die zum Teil auch den Aussaat- und Düngungsbedingungen geschuldet sind, werden auch in diesem Jahr wieder auftreten. Hinzu kommt der Einfluss der Witterungsbedingungen im weiteren Verlauf des Anbaujahres.

Wie sich letztlich die Vermarktungsbedingungen – insbesondere vor dem Hintergrund der weiterhin politisch fragilen Situation – in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird, ist derzeit schwierig vorherzusagen.

Quelle: LWK Niedersachsen

Bildquelle: Ehrecke/Landwirtschaftskammer Niedersachsen


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