Seit Herbst 2025 gelten in der Europäischen Union neue Importkontingente für landwirtschaftliche Produkte aus der Ukraine. Zwar wurde die zuvor nahezu unbegrenzte Zollfreiheit beendet, gleichzeitig hat die EU die zollfreien Quoten im Vergleich zur Zeit vor 2022 jedoch massiv angehoben. Damit gelangen deutlich größere Mengen an Agrarprodukten auf den europäischen Markt – mit spürbaren Folgen für die heimische Landwirtschaft.
Der LSV Bayern stellt dabei ausdrücklich klar: Diese Kritik richtet sich nicht gegen die Ukraine. Unsere Kritik richtet sich ausschließlich gegen die Ausgestaltung der EU-Importregelungen und deren Auswirkungen auf den bayerischen und deutschen Agrarmarkt.
Politische Solidarität darf nicht dazu führen, dass heimische Betriebe dauerhaft wirtschaftlich geschwächt werden. Unterstützung muss so gestaltet sein, dass sie nicht einseitig zulasten der regionalen Landwirtschaft und der Ernährungssicherheit geht.
Im Kern bedeutet die aktuelle Regelung: Es gibt wieder Importgrenzen – diese liegen jedoch auf einem deutlich höheren Niveau als vor dem Krieg. Genau das verschärft den Preisdruck auf landwirtschaftliche Betriebe in Bayern und ganz Deutschland erheblich.
Folgende Produktkontingente wurden drastisch erhöht (Quelle: Raiffeisen Warendienst):
Die wichtigsten zollfreien Importkontingente im Überblick (jährlich):
- Weichweizen: von 1 Mio. t auf ca. 1,3 Mio. t
- Mais: von 650.000 t auf ca. 1,0 Mio. t
- Gerste: von 350.000 t auf ca. 450.000 t
- Zucker: von 20.000 t auf ca. 100.000 t
- Honig: von 6.000 t auf ca. 35.000 t
- Geflügelfleisch: von 90.000 t auf ca. 120.000 t
- Eier und Eiprodukte: von 6.000 t auf ca. 18.000 t
- Zusätzlich deutlich erhöhte Quoten für verschiedene Milchprodukte
Diese Mengen liegen teils ein Vielfaches über den vor dem Krieg geltenden Importkontingenten. Für viele Betriebe – insbesondere im Getreidebau, im Futterbau sowie im Zuckerrübenanbau – bedeutet das einen weiteren, erheblichen Preisdruck, zusätzlich zu den anstehenden, umstrittenen Freihandelsabkommen wie z. B. Mercosur.
Die heimischen landwirtschaftlichen Betriebe wirtschaften unter hohen Umwelt-, Tierwohl- und Sozialstandards. Gleichzeitig geraten sie zunehmend in Konkurrenz mit Importen, die diesen Anforderungen nicht in gleichem Maß unterliegen. Das ist weder fair noch nachhaltig.
Besonders kritisch ist aus Sicht des LSV Bayern die politische Schieflage: Während in der EU immer neue Auflagen für die heimische Landwirtschaft beschlossen werden, werden die Märkte gleichzeitig weiter für günstige Importe geöffnet. Das schwächt gezielt die regionale Erzeugung und entzieht vielen bäuerlichen Betrieben die wirtschaftliche Grundlage.
Diese Entwicklung gefährdet nicht nur einzelne Betriebe, sondern die Ernährungssicherheit insgesamt. Wer die heimische Produktion dauerhaft zurückdrängt, macht sich abhängig von Importen und internationalen Märkten. Deutschland verliert Schritt für Schritt die Fähigkeit, sich selbst zuverlässig zu versorgen. Die vergangenen Jahre haben deutlich gezeigt, wie anfällig globale Lieferketten sein können.
Eine stabile Eigenversorgung ist kein Luxus, sondern ein strategisches Grundbedürfnis.
Der LSV Bayern fordert daher:
- ein konsequentes Markt-Monitoring durch EU und Bund
- die sofortige Anwendung von Schutzklauseln bei Marktverwerfungen
- gleiche Produktions- und Qualitätsstandards für Importe und heimische Erzeugung
- eine verpflichtende, klare Herkunftskennzeichnung – auch für verarbeitete Lebensmittel
- eine klare politische Prioritätensetzung zugunsten von Versorgungssicherheit und regionaler Produktion
- Erkenntnisse der Monopolkommission in wirksame Maßnahmen umzusetzen
Die bayerische Landwirtschaft braucht Planungssicherheit, faire Wettbewerbsbedingungen und echte Wertschätzung. Wer regionale Erzeugung will, muss sie auch schützen!
Die aktuellen EU-Entscheidungen gehen in die falsche Richtung: Sie schwächen bäuerliche Betriebe, gefährden die Ernährungssicherheit und machen unser Land unnötig abhängig vom Ausland.
Jetzt ist es Zeit, gemeinsam zu handeln – für die heimische Landwirtschaft, die Lebensmittelversorgung und die Lebensmittelsicherheit für alle Bürger. Der LSV Bayern fordert die Politik auf, mit der Landwirtschaft ins Gespräch zu treten, um gemeinsam einen neuen, besseren Weg zu beschreiten.
Quelle: LsV Bayern
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