LSV Saar – Offener Brief an den LEH

    Gut zwei Wochen nach dem Scheitern eines staatlichen Tierwohllabels ist Aldi mit einer
    Meldung vorgeprescht, nach der das Unternehmen bis 2030 nur noch Frischfleisch aus
    den Haltungsstufen 3 bzw. 4 verkaufen will. Ebenso möchte Kaufland kein Frischfleisch
    der Haltungsstufe 1 mehr verkaufen.

    Verwunderlich ist die Tatsache, dass der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) in Verhandlungen mit
    den Landwirten nicht müde wird zu beteuern, dass kaum direkte Geschäftsbeziehungen
    zwischen Landwirtschaft und dem Lebensmitteleinzelhandel bestehen. Zumindest so der
    Anschein, wenn es darum geht, Preise zu verhandeln, die es der Landwirtschaft
    ermöglichen sollen, zukunftsorientiert ökonomisch und ökologisch wirtschaftlich zu sein.

    Es ist aus unserer Sicht unbegreiflich, wie Lebensmitteleinzelhändler ihre Marktmacht
    missbrauchen um Landwirten öffentlich vorzuschreiben, wie sie ihre Betriebe zu führen
    haben, es andererseits aber sträflich vernachlässigen, gemeinsam eine Strategie mit zu
    erarbeiten wie eben diese zukunftsorientierte Landwirtschaft bezahlt werden kann.
    Derzeit werden 5 % Frischfleisch aus der Haltungsstufe 3 und 4 verkauft. Eine Steigerung
    um 95 % bis 2030 ist sehr ambitioniert. Auch wenn es im Agrardialog hierzu schon einige
    Fortschritte gibt, fordern wir daher nochmals eindringlich gerade Aldi und Kaufland auf,
    zeitnah an einer Lösungsfindung zur Finanzierung der von Ihnen selbst gesteckten Ziele
    mitzuarbeiten.

    Aldi und Kaufland haben mit ihrer Ankündigung zum günstigen Einkaufsverhalten der
    Konzerne maßgeblich aufgezeigt, dass der Lebensmitteleinzelhandel sehr wohl eine
    indirekte Geschäftsbeziehung zur Landwirtschaft hat und muss sich nun auch der
    Verantwortung zur Finanzierung der Forderungen stellen.

    Von unserer Seite wurde den Lebensmitteleinzelhändlern ein Konzept in Form eines
    Fonds, ähnlich dem des EEG, zur Finanzierung der geforderten Standards bereits
    vorgelegt. Bislang weigert sich der Lebensmitteleinzelhandel einen solchen Fond zu
    unterstützen. Dabei wäre es durchaus sehr zeitnah möglich , durch die Umsetzung dieses
    Konzeptes, den bevorstehenden Strukturbruch zu verhindern.

    Quelle: LSV Saar

    Bildquelle: ML-Archiv

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