Leserbrief – Die Quelle unseres Wohlstandes ist in großer Gefahr

    Uns wurde ein Leserbrief zugesendet wo die Quelle unseres heutigen Wohlstandes wirklich herkommt.

    Fragt man, woher unser heutiger Wohlstand kommt, denkt man sofort an Automobilindustrie, Maschinenbau, Welthandel, Dienstleistung und Börse. Die wenigsten würden an andere Bereiche unseres Lebens denken.

    Schon gar nicht an die Landwirtschaft.

    Doch diese ist es, ja gerade die moderne Landwirtschaft, die es uns ermöglicht immer genug Nahrung zu erschwinglichen Preisen zu haben.

    Benötigte man im Jahre 1800 drei Bauern um einen nicht Landwirt zu ernähren, war es um 1900 so, dass ein Landwirt schon 3 Personen ernährte. 1950 stieg die Zahl auf 11 Personen und heute sind es weit über 160 Menschen die ein Landwirt in Deutschland ernährt.

    Diese enorme Effektivitätssteigerung setzt Arbeitskraft auf dem Land frei, die nun für Handwerk, Industrie und Dienstleistungen zur Verfügung stehen. Lebensmittel wurden immer besser verfügbar und seit 70 Jahren ist Hunger in Deutschland unbekannt.

    Im Gegenteil, Lebensmittel sind zu einer Selbstverständlichkeit und zum Discountprodukt geworden, die nur noch 11% des Durchschnittseinkommens kosten.

    Nun stehen 89% des Einkommens für Wohnen und freien Konsum zur Verfügung. Gerade in Mitteleuropa, in dem die besten Bedingungen für den Ackerbau herrschen und großflächig Naturkatastrophen die absoluten Ausnahmen sind, war die Keimzelle der industriellen Revolution. Auch im Umkehrschluss ist es heute noch so, wo schlechte Bedingungen für den Ackerbau herrschen, ist die Armut groß.  

    Diese Selbstverständlichkeit, dass Lebensmittel immer verfügbar sind, bedroht nun aber gerade unseren Wohlstand.

    Grüne Ideologien, die gerade versuchen die moderne Landwirtschaft in Misskredit zu bringen, bedrohen unsere Versorgungssicherheit. Kaum jemand kann

    „Unser tägliches Brot gib uns heute“ noch nachvollziehen, dafür werden Ersatzreligionen wie „Vegan“ oder „Bio“ implementiert.

    Natürlich müssen Auswüchse moderner Technologie eingefangen werden und es gilt Fehlentwicklungen zu korrigieren. Was aber derzeit passiert, ist weder faktenbasiert, noch hat es etwas mit der Wirklichkeit zu tun.

    Horrorbilder über „Massentierhaltung“, Nitrat, oder Pflanzenschutzmittel werden gezielt durch die Medien geschickt, haben aber nichts mit der Wirklichkeit in Deutschland zu tun.

    Die moderne Tierhaltung bringt mehr Tierwohl, moderner Ackerbau mehr Bodenfruchtbarkeit, als es noch vor 50 Jahren der Fall war. Die Zwangsläufigkeit, dass groß schlechter ist, stimmt einfach nicht.

    Welcher Landwirt (Unternehmer) würde ein Tier quälen, wenn er eine hohe Leistung von ihm möchte. Nein, er sorgt für bestes Futter, ausgewogene Ernährung, gutes Stallklima und gesunde Haltung. Oder welcher Landwirt (Unternehmer) würde über Bedarf Dünger und Pflanzenschutzmittel aufs Feld bringen, das verursacht  nur unnötige Kosten und hat keinerlei Effekte.

    Die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit und nachhaltige Fruchtfolgen, sind im eigenen Interesse. Das was von Grünen Ideologen der Gesellschaft zur Aufrechterhaltung ihres Geschäftsmodells erzählt wird und die Wirklichkeit  klaffen weit auseinander. Der Gesellschaft wird ein Bienensterben vorgegaukelt, dabei haben wir heute so viele

    Bienenvölker wie nie zuvor. Ökologische Landwirtschaft ist nicht zwingend besser, nein im Gegenteil, ihr Flächenverbrauch ist durch die geringere Ertragskraft sogar dreimal höher.

    Pilzgifte in biologisch erzeugten Ernteprodukten sind deutlich höher, als in konventionell erzeugten, da dort gegen Schadpilze nicht vorgegangen werden kann.  

    Diese Aflatoxine sind in ihrer Toxizität deutlich höher, als die zugelassenen Fungizide selbst. Dies alles wird aber beim Grünen Framing nie erwähnt.

    Das grüne Framing behauptet sogar, dass der moderne Ackerbau an seine Grenzen gekommen ist und eine Kehrtwende machen soll, doch war unsere Versorgung in der 6000 jährigen Geschichte des Ackerbaus noch nie so erfolgreich.

    6000 Jahre „Bioanbau“ haben nur Hungersnöte, Leid und Auswanderungswellen gebracht.

    Die ersten Bauernproteste haben im September 2019 mit den Grünenkreuzen begonnen. Begleitet von vielen bundesweiten Demonstrationen von Bonn bis Berlin. Als im November 2019 nach Polizeiangaben mehr als 40.000 Bauern mit 12.000 Traktoren aus ganz Deutschland nach Berlin kamen und das sogar per Traktor vom Bodensee aus, um auf die Missstände der Agrarpolitik hinzuweisen, wurden erstmal die Zahlen der Demoteilnehmer in den öffentlichen Medien halbiert und nur am Rande kommentiert.

    Die Forderungen der Landwirte wurden öffentlichkeitswirksam darauf reduziert, dass sie demonstrieren würden, damit sie weiterhin ungehindert Gülle und Glyphosat ausbringen dürfen. Das die Forderungen viel weitreichender sind und waren, fand keinen Anklang  bei der Öffentlichkeit.

    Es wurde zur Beruhigung der Landwirte zwar ein großer Gipfel von Kanzlerin Merkel einberufen, aber alle vorher geplanten Maßnahmen wurden ohne jegliche Änderung durchgedrückt.

    In den Medien wird von belasteten Grundwasser berichtet, was den Tatsachen nicht entspricht.

    Fakt ist, dass Deutschland nur die Brunnen mit schlechten Nitratwerten nach Brüssel gemeldet hat und so ein Sanktionsverfahren gegen Deutschland provoziert hat.

    Alle anderen EU Staaten haben Durchschnittswerte aller ihrer Brunnen gemeldet. Auch sind die Grenzwerte von Nitrat, genauso willkürlich gewählt wie die von Stickoxiden in der Luft.

    Lag der Grenzwert Ende der 80er Jahre noch bei 120mg Nitrat pro Liter Trinkwasser, liegt er heute bei 50mg/l.

    Wenn man dann noch bedenkt, dass in einem großen Salatteller 750mg Nitrat enthalten sind, erkennt man, was ein Grenzwert aussagt.

    Nach nun zahlreichen Änderungen der Düngeverordung der letzten Jahre, die letzte ist noch keine zwei Jahre her, die noch keine Wirkungen zeigen konnten, da Grundwasserbildung Jahrzehnte benötigt, wurde nun der Gipfel der Unvernunft erreicht.

    In der neusten Fassung der Düngeverordnung muss nun 20% unter dem Bedarf der Pflanzen gedüngt werden. Das versteht nun auch der größte Leihe, dass sowas nicht funktionieren kann. Mit solchen Maßnahmen laugt man den Boden aus und zerstört die Bodenfruchtbarkeit. Hier offenbart sich der fehlende Sachverstand, bzw. der Irrglaube an grüne Ideologien.

    Hunderte von Protesten und Demonstrationen gab es seitdem mit zweimonatiger Mahnwache in Berlin, welche aber kaum Beachtung in den Medien fanden oder auch fanden sollten. Es scheint so, dass auf der politischen Agenda ein Feldzug gegen die europäische Landwirtschaft geplant ist.

    Ob Green Deal, Farm to Fork, oder das Insektenschutzgesetz, alles zielt gut gesteuert daraufhin, den Agrarsektor in Europa zu schädigen.

    Oder warum zielt das Insektenschutzgesetz nur auf die Landwirtschaft ab und lässt folgen der Lichtverschmutzung, Elektrosmog, Zersiedlung und andere Zivilisationsprobleme außen vor?

    Geht es wirklich um das Wohl der Insekten, müsste auch dort dringend gehandelt werden.

    In der EU plant man beim Green Deal, 10 Milliarden Bäume in Europa zu pflanzen, um den Klimaschutz zu fördern. Die Verantwortlichen vergessen aber ganz, dass wenn wir in Europa unser besonders fruchtbares Ackerland mit 10 Milliarden Bäumen bepflanzen, wir unsere Lebensmittel von zum Beispiel Südamerika her bekommen.

    Dort muss man aber dann 20 Milliarden Bäume fällen, oder verbrennen, da dort die Effizienz des Anbaus viel schlechter ist. 

    Ein schlechter Deal für Umwelt, Klima und Europa. Gleiches Bild zeigt sich in der Kampagne gegen Glyphosat. Nachdem das Argument der Krebserregung von Glyphosat sich relativierte, weil Glyphosat in  der gleichen Kategorie von wahrscheinlich krebserregenden Stoffen eingeteilt wurde wie heißer Mate Tee, oder rotes Fleisch, wurde die Strategie geändert.

    Plötzlich war es nicht mehr gut für die Bienen, da sie ja nichts mehr auf einer Fläche die mit Glyphosat behandelt wurde finden würden. Ja das stimmt, aber wenn kein Glyphosat eingesetzt wird, wird stattdessen alles umgepflügt und dann steht da auch nichts mehr.

    Beim Pflügen braucht man aber 20l Diesel mehr und es wird auch noch Humus abgebaut der dann als CO² in die Luft geht. Auch hier wird der Umwelt ein Bärendienst erwiesen.

    Die Landwirte bekommen Ratschläge von Menschen, die offensichtlich der Meinung sind, sie wüssten, wie Landwirte es richtig machen sollten. Meist von Menschen, die mit praktischer Landwirtschaft nichts am Hut haben.

    Diese Ratschläge bekommen wir auch laufend von Redakteuren, Politikern und Vertretern spezieller Organisationen.

    Wir werden ständig in Talk-Runden von sogenannten „Experten“ so dargestellt, als wären wir unfähig, mit unserem Boden, den Pflanzen und unseren Tieren anständig umzugehen. War unsere mehrjährige Ausbildung also überflüssig?

    Reicht es heute schon eine Ahnung von Dingen zu haben, die man nicht gelernt hat? Scheinbar reichen Ideologien und Traumvorstellungen aus, um das Geschäftsmodell NGO am Laufen zu halten.  

    Trotz all dieser Angriffe auf die Landwirtschaft, bin ich fest davon überzeugt, dass die Landwirtschaft nicht bedroht ist. Ob Hitzewellen, Starkregen, Hagel, oder Pandemien, die Landwirtschaft hat gezeigt, dass sie auf Extremsituationen schon seit Jahren stabil reagiert. Ja, es gibt einen Strukturwandel, aber die Branche wird nie verschwinden.

    Vielleicht ist die Grüne Attacke sogar eine Chance. Schon jetzt zeigt sich, dass die Rohstoffmärkte stark steigend sind.

    Der Hunger Chinas zieht die Weizen-, Mais- und Sojapreise stark in die Höhe. Wird nun die Produktion durch z.B. „Green deal“ oder ähnliches beschränkt, werden diese Preise weiter steigen, da das Angebot sinken wird. Unser Selbstversorgungsgrad mit Lebensmittel fällt seit Jahren kontinuierlich und ist derzeit bei 87% angekommen.

    Im Zeitalter von Bigtec bleibt die Ernährung immer Grundlage des menschlichen  Lebens. Jeder Mensch braucht immer Lebensmittel, sonst kann er nicht überleben.

    Andreas Damm

    Andreas Damm ist Landwirt und staatl. geprüfter Agrarbetriebswirt. Er bewirtschaftet mit seiner Frau und vier Kindern am Stadtrand von Frankfurt am Main in der südlichen Wetterau einen landwirtschaftlichen Betrieb

    Lesermeinungen sind die persönliche Meinung der Schreiber und entsprechen nicht unbedingt der Auffassung der Redaktion.

    Bildquelle: ML-Archiv / Andreas Damm

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