Die Bayerische Jungbauernschaft stellt sich im Positionspapier den Herausforderungen des Klimaschutzes in der Landwirtschaft. Gesamtfazit ist, dass die Landwirtschaft einen gewissen Teil zum Klimaschutz beitragen kann, eine komplette Eliminierung in diesem Sektor aber nicht realisierbar ist. Der Weg zu mehr Klimaneutralität ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag und somit die Aufgabe sowie Zusammenarbeit aller Sektoren. 

Mit Beginn der industriellen Revolution vor knapp 200 Jahren setzte auch der menschengemachte Klimawandel ein. Auch wenn die bayerische Landwirtschaft als eine von vielen Branchen nur einen eher geringen Teil dazu beitrug, sind die Herausforderungen, denen wir als Bayerische Jungbauernschaft entgegensehen, die größten unserer Zeit. Es werden längere Trockenperioden, mehr Extremwetterereignisse und damit auch eine zunehmende Erosionsgefahr erwartet. Die Veränderungen des Klimas sind in der Landwirtschaft schon jetzt zu spüren. Um sich in diesem Bereich für die Folgen des Klimawandels gut aufzustellen, erfordert dies einen gemeinsamen Willen, Anstrengungen und Maßnahmen seitens der Politik, der Landwirtschaft und am Ende auch des Verbrauchers.

Dabei stellt sich für die Landwirtschaft die Frage, welche Chancen, aber natürlich auch welche Anforderungen, auf sie zukommen.

1. Gesamtbetriebliche Herausforderungen

Die Klimapolitik entwickelt sich stets weiter. Dabei stellt sich für die Landwirtschaft die Frage, welche Chancen, aber natürlich auch welche Anforderungen auf sie zukommen. Aufgrund dessen fordern wir schon jetzt für die Landwirte einen Zugang zu einer flächendeckenden Klimaberatung hinsichtlich betriebsspezifischer Minderungsmöglichkeiten. Dabei muss das Ziel sein, die Landwirte zu unterstützen auf ihrem Betrieb sinnvoll CO2 einzusparen. Das Resultat ist ein gemeinsamer Weg der Landwirtschaft und Klima – und Umweltschutz, um die Emissionen in der Agrarwirtschaft zu mindern. Als Bayerische Jungbauernschaft treten wir für eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Klimabilanz ein, sofern die ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit auf dem landwirtschaftlichen Betrieb gewahrt bleibt.

2. Tierhaltung

Zur Reduktion klimarelevanter Gase, die in der Tierhaltung zwangsläufig entstehen, fordern wir die Forschung in diesem Bereich weiter voranzutreiben und zu intensivieren. Dabei ist auf der einen Seite die Praxistauglichkeit und auf der anderen Seite die wirtschaftliche Umsetzbarkeit essenziell. Ein Beispiel aus der Praxis ist der häufig vorhandene Zielkonflikt zwischen Tierwohl und Klimaschutz. Um diesen aufzulösen, müssen Forschungseinrichtungen und vor allem auch Politik sinnvolle Ideen und Umsetzungsvorschläge präsentieren, die diese beiden Aspekte vereinen.

Wir sind überzeugt, dass mit Weiterentwicklung der Technologie Landwirte bei der Einsparung von Emissionen unterstützt werden können. Ein schon nutzbarer Lösungsansatz ist die Nutzung von Wirtschaftsdünger in Biogasanlagen. Dies reduziert effektiv die freiwerdenden Emissionen und stellt mit einen der größten Hebel in der landwirtschaftlichen Emissionsminderung dar. Dies muss weiterhin von Seiten der Politik gewollt und unterstützt werden!

3. Pflanzenbau

Die Landwirtschaft ist immer häufiger Wetterextremen ausgesetzt. Aufgrund dessen sind wir von der Bayerischen Jungbauernschaft der Auffassung, dass die Landwirtschaft auch im Pflanzenbau fit für den Klimawandel gemacht werden muss. Dazu zählen neue Züchtungen, die trockentolerant sind, mehr des verfügbaren Stickstoffes ausnutzen können oder auch gegen neue Krankheiten tolerant sind. Daneben muss auch zu neue Anbaumethoden, wie zum Beispiel der Streifensaat, geforscht werden. Wir sind der Meinung, es sollten in Zukunft noch mehr Anstrengungen und Ressourcen für einen, hinsichtlich des Klimawandels, resilienteren Ackerbau investiert werden.

Des Weiteren muss in Zukunft die Wasserverwendung noch effizienter gestaltet werden. Hierbei ist beispielsweise der Bau von Auffangbecken zu nennen, die unter anderem den Winterniederschlag, für den Bedarf anspruchsvoller Pflanzen, für das Sommerhalbjahr speichern. Unser Ziel ist dabei, dass die Landwirtschaft auch in Zukunft noch nachhaltig mit der Ressource Wasser, gesunde und hochwertige Nahrungsmittel produzieren kann!

Ein Bestandteil des klimaangepassten Ackerbaus ist der Humusaufbau. Wir als Landjugend erkennen den Humusaufbau als wichtig und richtig an. Der Humusgehalt kann jedoch nicht bis ins Unendliche erhöht werden und es ist wichtig zu wissen, dass der optimale Humusgehalt auch bodenabhängig ist. Der Aufbau ist deshalb vor allem bei humusverarmten Böden effektiv zu gestalten. Aufgrund dieser Erkenntnis müssen auch Maßnahmen zum Erhalt des ortstypischen Humusgehalts gefördert werden! Die aktuelle Handhabe mit CO2-Zertifikaten sehen wir als noch nicht ganz durchdacht und somit nicht praxistauglich an. Hier ist eine rechtssichere Ausarbeitung nötig.

4. Moore

Die Bewirtschaftung auf Moorböden ist für ca. 20 Prozent der klimarelevanten Gase in der Landwirtschaft verantwortlich. Es ist uns bewusst, dass hier ein Einsparungspotenzial vorliegt. Allerdings sehen wir eine regionale Wiedervernässung des Moores als große Herausforderung an. Viele landwirtschaftliche Betriebe haben dort ihre Wirtschaftsgrundlage. Regional sind komplette Betriebe im Moor, welchen nicht die Existenzgrundlage entzogen werden darf! Das Eigentum bäuerlicher Familienbetriebe muss geschützt bleiben!

Die Moore müssten, sollen sie einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz bringen, zumindest teilweise periodisch wieder vernässt werden. Dies ist nur im Flächenverbund möglich. Deswegen plädieren wir für sinnvolle Anreize auf freiwilliger Basis. Der Anreiz, beispielsweise durch Verkauf von CO2 Zertifikaten oder einer finanziellen Unterstützung, muss dabei so hoch sein, dass eine klimarelevante Leistung den fehlenden Deckungsbeitrag ausgleicht. Wichtig ist jedoch, dass dieses Einkommen auch der Landwirtschaft zugutekommt und nicht aus ihr herausgezogen wird.

Werden Moore wieder vernässt, muss unserer Ansicht nach eine sinnvolle Bewirtschaftungsalternative gefunden werden. Eine Möglichkeit könnten dabei Paludikulturen darstellen. Für die daraus gewonnene Biomasse müssen, je nach Art dieser, noch Absatzwege entstehen. In diese Richtung besteht noch weiterer Forschungsbedarf und es müssen gesetzliche Rahmenbedingungen an die Moore angepasst werden. Im Beispiel der moortauglichen Kulturen hätte der Gesetzgeber zudem die Pflicht eine rechtliche Grundlage für den Anbau auf bestehendes Dauergrünland zu schaffen.

5. Erneuerbare Energieträger

Großes Potenzial zur Reduktion von Treibhausgasemissionen bieten erneuerbare Energieträger. Ihren Ausbau sollte die Politik gleichermaßen in Strom- und Wärmeversorgung konsequent vorantreiben. Erneuerbare Energieträger müssen im Einklang mit der landwirtschaftlichen Produktion weiterentwickelt und in der Forschung forciert werden. Dabei ist regional produzierte Energie zu bevorzugen. Zudem muss sichergestellt werden, dass Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energie langfristig sinnvoll und rentabel betrieben werden können. Um die Energie möglichst effizient einzusetzen, sollte außerdem verstärkt auf Kraft-Wärme-Kopplung gesetzt werden.

6. Klimafreundliche Wertschöpfungsketten

Ein mögliches Hindernis auf dem Weg zu einem nachhaltigen Konsum ist die Verfügbarkeit entsprechender Produkte. Wir fordern daher, dass die Ansiedlung klimafreundlicher Unternehmen im ländlichen Raum gefördert wird. Besonders junge Gründer sollten dabei unterstützt werden.

Es reicht jedoch nicht, klimafreundliche Produkte und Dienstleistungen nur zu produzieren, sondern sie müssen vom Verbraucher auch angenommen werden. Häufig klafft eine große Lücke zwischen Anspruch und tatsächlicher Kaufentscheidung. Deswegen müssen neue Absatzwege für nachhaltige Waren geschaffen werden. Außerdem müssen Verbraucher Anreize haben, ihre Konsummuster zu verändern, z.B. durch bessere Erkennbarkeit klimafreundlicher Produktionsweisen oder indem die Produkte ihnen einen Mehrwert bieten. Bei öffentlichen Ausschreibungen muss der Staat seine Vorbildfunktion wahrnehmen und konsequent klimafreundliche und regionale Unternehmen bei der Vergabe von Aufträgen bevorzugen.

7. Forderungen an die Gesetzgebung

Klimaschutz geht nur mit der Landwirtschaft, nicht gegen sie. Bei der Ausarbeitung von Klimaschutzmaßnahmen muss daher die Landwirtschaft konsequent mit einbezogen werden. Nur so können die Klimaschutzziele erreicht werden.

Durch unterschiedlich hohe Nachhaltigkeitsstandards kommt es zu starken Wettbewerbsverzerrungen. Dadurch wird der Selbstversorgungsgrad gefährdet und es entsteht eine Abhängigkeit von nicht nachhaltig produzierten Importwaren. Damit die Produktion nicht einfach in Länder mit niedrigeren Standards abwandert, müssen die Anforderungen an die Nachhaltigkeit angeglichen werden. Dies gilt insbesondere für den Binnenmarkt der EU. Auch umweltschädliche Aktivitäten in Drittländern haben nicht nur lokale Auswirkungen, sondern wirken sich letztendlich auf der ganzen Welt aus. Wir fordern daher, dass nicht nachhaltig produzierte Produkte nicht in die EU importiert werden dürfen.

8. Forderungen an andere Sektoren

Die Landwirte leiden stark unter den Auswirkungen des Klimawandels. Die Folgen bekommen jedoch nicht ausschließlich Landwirte zu spüren, sondern alle Menschen. Insbesondere wir als Jugendliche und junge Erwachsene werden uns noch lange mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen müssen. Um die Erderwärmung zu begrenzen sind gesamtgesellschaftliche Anstrengungen notwendig. In den biologischen Prozessen, die der Landwirtschaft zugrunde liegen, ist jedoch keine komplette Eliminierung des Ausstoßes von Treibhausgasen möglich. Daher fordern wir insbesondere die Industrie auf, sich ambitionierte Klimaschutzziele zu setzen und diese konsequent zu verfolgen, um die Zukunft der Junglandwirte und der gesamten jungen Generation zu sichern.

Quelle: Bayerische Jungbauernschaft

Bildquelle: ML-Archiv


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