Interview mit einer Brüterei – Wie geht es jetzt nach dem Verbot des Kükentötens in Deutschland weiter? 

    Wir durften mit Markus Brormann, einen Inhaber einer Brüterei aus Ostwestfalen, ein Interview führen, wie es nach dem „Verbot des Kükentötens“ in Deutschland weitergeht?

    Herr Brormann, durch das Gesetz von Frau Klöckner wird ja nun für ein deutsches Ei kein Küken mehr getötet…..

    Die richtige Wortwahl wäre wohl, durch das Gesetz wird kein Küken weniger getötet.

    Wie, erklären Sie das?

    Egal auf welche alternativen man ausweicht, ob Hahnenaufzucht oder in Ei-Erkennung, man kommt auf Kosten von 3 bis 4 Euro pro Küken. Dieser muss auf das Hennenküken aufgeschlagen werden. Für ein Küken das eigentlich einen Marktwert von 60 oder 70 Cent hat. Den Mehrpreis bekommt man natürlich nur dort, wo irgendwo in der Lieferkette ein Küken ohne töten der Brüder verlangt wird.  Das ist zum Beispiel im Bio-Bereich, oder bei großen Einzelhandelsketten. Dort würden aber auch ohne das Gesetz andere Wege gesucht. Überall wo das nicht so ist, bleibt gar keine andere Wahl als ins Ausland auszuweichen. Das Gesetz greift also nirgendwo.

    Wie ist das denn in Ihrem Geschäftsbereich?

    Ich brüte hier Küken verschiedenster Farben, bestimmt für Hobbyhalter und Kleinhalter. Für Mobilställe in kleinen Einheiten. Die meisten der Endkunden halten die Tiere aus Freude an den Hühnern. Die Tiere werden aber über mehrere Stationen vom Aufzüchter über Händler und Wiederverkäufer zum Endkunden abgegeben. Die erwähnten 4 Euro Mehrkosten pro Küken  bezahlt mir da doch niemand.

    Die Politik sagt doch aber, den Brütereien seien alternativen an die Hand gegeben worden?

    Ja genau. Ich bekomme als Antwort, wie stolz man doch ist, dass man es geschafft hat, dass die in Ovo Geschlechtsbestimmung auch kleinen Brütereien als Dienstleistung zur Verfügung steht. Man denkt, dass der Dienstleister, in unseren Brütereien für uns die Erkennung durchführen. Es ist aber so, dass wir die Bruteier nach Holland bringen müssten. Dort werden Sie gebrütet, während unsere Anlagen leer sind. Ich bekomme die Eier dann entweder kurz vorm Schlupf zurück, oder aber gleich als fertiges Küken. Die Kosten werden dann über eine Lizenzgebühr  für die Logonutzung „ohne Kükentöten“ beim Eierverkauf refinanziert. Denn es aber,  wie erwähnt in unserem Bereich gar nicht gibt.

    Aber es wird kein Küken mehr getötet.

    Naja, aber ein halb fertig entwickeltes Küken. Was aber meistens völlig verschwiegen wird, 20 % mehr Bruteier muss man einlegen, um auf die gleiche Menge Hennenküken zu kommen. Es überleben 8 bis 10 % der Hennenküken den Eingriff faktisch nicht. Fehlerkennung, absterben nach dem Eingriff,  erhöhte  frühsterblichkeit.  So müssen für diese Alternative auch 20 Prozent mehr Elterntiere gehalten werden.  Die einen Stall brauchen, die Futter brauchen. Die Kot und Emmmissionen abgeben. Ist das jetzt ethisch wirklich besser? Es gibt da übrigens auch noch eine spätere Erkennung über die Gefiederfarbe. Bei den braunen Hühnern ist das weibliche braun, das männliche gelb.  Es wird bei der Methode in das Ei gescannt ob die Federn hell oder dunkel sind. Man entnimmt ein Embryo was sogar schon Federn  gebildet hat. Und das Ei der Schwester wird später als ohne Kükentöten verkauft.

    Und der Bruderhahn?

    Das ist ja in einem kleinen Rahmen eine tolle Sache. Da gibt es ja tolle Konzepte. Betriebe die Ihre paar hundert Hennen halten, ebenfalls die Brüder aufziehen. Sowohl das Ei als auch das Fleisch des Bruders im Hofladen vermarkten. Um die deutsche Bevölkerung mit Eiern zu versorgen benötigen wir aber jedes Jahr in hoher 2 stelligen Millionenzahl Hennenküken. Wenn mehrere 10 tausend Hähne in einem Stall aufgezogen werden hat das mit einer tierfreundlichen Aufzucht überhaupt nichts mehr zu tun. Das wird übrigens auch von Tierschützern so gesehen. Das ganze wird dann noch zum großen Teil in Osteuropa stattfinden. Wer wird denn diese Aufzuchten kontrollieren? Und wenn da 3,50 Euro pro Küken nur für die Aufzuchtbescheinigung bezahlt wird, man kann sich ja denken was dann passiert.

    Was meinen sie damit?

    Man hat doch bei den falschen Abrechnungen von Coronatests gesehen was passiert, wenn man etwas nicht kontrollieren kann. Und da ging es um wenige Euro pro Test. wenn hier 100 tausend Küken zur Aufzucht  und Schlachtung nach Polen gefahren werden, dann stehen da 350 tausend Euro nur für die Aufzuchtbescheinigung im Raum.

    Gibt es eigentlich einen Markt für das Produkt Bruderhahnfleisch?

    Gehen Sie mal in den Supermarkt der mit der Initiative Bruderhahn wirbt. Wieviel Bruderhähne verkauft denn dieses Geschäft? Üblicherweise gar nichts. Hier wird mit viel Einsatz von Futter, noch dazu mit Soja aus Südamerika ein bisschen Fleisch erzeugt, was dann nicht mal jemand kaufen möchte. Am Ende landet es irgendwo in Afrika und bringt dort noch den Markt durcheinander. Wo wird jetzt ohne Grund getötet? Bei dem, der gleich das Küken tötet und als benötigte Futterquelle an Greifvögel abgegeben wird oder bei einer Schlachtung des Bruderhahnes, für den überhaupt kein Markt vorhanden ist.

    Haben Sie wirklich alle männlichen Küken als Futtertiere abgegeben?

    Ja! Ausnahmslos. Es sind im letzten Jahr auch insgesamt in Deutschland mehr Küken als Futter verwendet worden, als überhaupt männliche Küken geschlüpft sind.

    Nun soll das Gesetz als Vorbildfunktion für andere Länder dienen, wenn diese mitziehen würden, hätten die Brüter in Deutschland Chancengleichheit im Wettbewerb. Erwarten Sie das die anderen Länder in Europa das auch umsetzen?

    Es wird doch genau auf die Konsequenzen geschaut, die wir in Deutschland haben. Fast die komplette Versorgung mit Hennenküken wird doch in Zukunft aus den Nachbarländern erfolgen. Das Gesetz in dieser Form dient eher als  abschreckendes Beispiel wie man es nicht machen sollte. In Österreich haben sich alle beteiligten zusammengesetzt. Von Brütereien, Tierärzte, Tierschutz und Abnehmer der Futterküken.  Es ist dort jetzt untersagt die getötete Küken zur Entsorgung abzugeben. So können alternativen dort genutzt werden, wo Sie sinnvoll sind. Warum noch Küken getötet werden müssen, kann man trotzdem sogar dem Tierschutz vermitteln. Da ja immer eine sinnvolle Verwendung gewährleistet ist.

    Hat denn nicht Frankreich das Verbot des Kükentötens ebenfalls umgesetzt?

    Ja, das hat man. Allerdings darf dort weiterhin ein Küken getötet werden, wenn ein Abnahmevertrag als Futterküken  vorgelegt wird. Brütereien aus Frankreich haben meinen Kunden, Küken zum Preis mit Kükentöten angeboten. Frau Klöckner besitzt dann noch die Dreistigkeit, sich für diesen Meilenstein im Tierschutz vom Französischen Landwirtschaftsminister eine Medaille umhängen zu lassen

    Jetzt haben wir ja einen neuen Mann im Landwirtschaftsministerium. Hat sich Herr Özdemir hierzu mal geäußert?

    Zum Thema Kükentöten oder den Problemen der alternativen dazu, habe Ich von ihm noch nichts gehört. Aber zu der Hochleistungszucht und den Problemen die dadurch entstehen, hat er sich ja in den letzten Wochen umfassend ausgelassen. Brustbeinbrüche , dadurch dass das Huhn nur auf Eierlegen gezüchtet ist. Da spricht er von robusten kräftigen Hühnern die wir stattdessen züchten müssen. Ja Mensch, das sind doch die Tiere die wir hier ausbrüten.

    Welche Konsequenzen hat das jetzt für Sie?

    Das ist ganz schnell erklärt. Wir hören sowohl mit dem brüten der Küken, als auch mit der Tierzucht auf. Es macht keinen Sinn hier die Elterntiere für die Bruteier zu halten, wenn es nicht möglich ist diese hier auszubrüten. Die Nachbarländer springen da gerne ein. Dann wird halt die Vielfalt etwas geringer und die Wege weiter. Das gilt übrigens nicht nur für mich, sondern für nahezu alle Berufskollegen. Eine Konsequenz die für Mensch, Tier und Umwelt eigentlich katastrophal ist und mit etwas mehr Dialog überhaupt nicht nötig gewesen wäre.

    Vielen Dank fürs Interview!

    Quelle: ML

    Bildquelle: ML-Archiv

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