Ein Milchpreis von 50 Cent pro Liter ist ein absolutes Muss für eine gerechte Entlohnung der Erzeuger 

    Heute werden die Preisverhandlungen zwischen den Lieferanten und ihren Abnehmern abgeschlossen und das Ergebnis erfüllt nicht die Erwartungen der Erzeuger. Tatsächlich liegen die angekündigten Preise deutlich unter den Produktionskosten und das „Gesetz über das Gleichgewicht der Handelsbeziehungen im Agrarsektor und eine gesunde und nachhaltige Ernährung“ (kurz EGALim) beweist einmal mehr seine Wirkungslosigkeit! Trotzdem rühmen sich die Verarbeiter und Einzelhändler mit einer spürbaren Preiserhöhung und vergessen dabei zu erwähnen, dass die Kosten seit über einem Jahr dramatisch steigen, was die ErzeugerInnen unmittelbar trifft. Laut der Branchenorganisation für Westfrankreich (CILOUEST) sind die Kosten gegenüber Oktober 2020 um 3,35 Cent pro Liter gestiegen!

    Angesichts dieser Situation fordern das European Milk Board (EMB) und seine beiden französischen Mitgliedsorganisationen Association des Producteurs de Lait Indépendants (APLI) und Coordination Rurale (CR) einen Preis von 50 Cent pro Liter Milch in Frankreich, der unabdingbar ist, um alle Kosten zu decken und eine würdige Entlohnung der ErzeugerInnen zu gewährleisten. Und auch für die Kollegen der anderen EU-Länder, die sich in einer ähnlich schwierigen Situation befinden, müssen sich die Preise endlich auf einem kostendeckenden Niveau bewegen.

    Milchviehwirtschaft in Frankreich befindet sich im Niedergang

    Seit mehreren Jahren schlagen das European Milk Board und seine Mitgliedsorganisationen Alarm, um auf die Lage der Milchviehhaltung in Europa und hier auch in Frankreich hinzuweisen. Tatsächlich ist die Situation in Frankreich besonders kritisch: Die Anzahl der Milchviehbetriebe sinkt kontinuierlich und ist im letzten Jahrzehnt einer Agrarerhebung zufolge um ein Viertel geschrumpft. Gleichzeitig beschleunigt sich der Herdenrückgang: Zwischen 2015 und 2020 hat Frankreich 8,2% seiner Milchherde verloren, und glaubt man dem Viehhaltungsinstitut IDELE, könnten es bis 2030 noch einmal 441.000 Milchkühe weniger werden. Die mangelnden Perspektiven und das steigende Durchschnittsalter der MilcherzeugerInnen sind schlechte Voraussetzungen für die Zukunft des Sektors.

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    Ein höherer Milchpreis ermutigt junge Menschen zur Betriebsgründung
    Trotz des Status als Betriebsleiter haben die meisten MilchviehhalterInnen Mühe, sich ein angemessenes Einkommen aus ihrem Betrieb zu zahlen – und das bei einer mittleren wöchentlichen Arbeitszeit zwischen 44 und 58 Stunden. Laut einer aktuellen Studie des EMB lag das durchschnittliche Einkommen der französischen MilcherzeugerInnen zwischen 2015 und 2019 bei 1,24 Euro pro geleisteter Arbeitsstunde, während im gleichen Zeitraum der mittlere faire Stundenlohn in Frankreich 26,66 Euro betrug. Unter solchen Bedingungen ist es schwierig, die Milcherzeugung für die junge Generation attraktiv zu machen. Das zeigt sich daran, dass nur jeder dritte Milchviehbetrieb übernommen wird und sich die Anzahl der Betriebsgründungen durch junge Menschen seit Ende der 1990er Jahre halbiert hat.

    Es ist allerhöchste Zeit, dass die Betriebe für ihre Arbeit wieder angemessen entlohnt werden und wir unsere Produktionsmittel langfristig sichern – und das gelingt nur mit einem Preis von 50 Cent pro Liter. Davon hängt die Zukunft der Milchviehhaltung in Frankreich ab!

    Quelle: European Milk Board (EMB)

    Bildquelle: European Milk Board (EMB)

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