Agrarlogistik in der Krise – Agrarhandel fordert 44 Tonnen Gesamtgewicht

    Die Agrarlogistik steht angesichts der laufenden Erntesaison vor immensen logistischen Herausforderungen. Aufgrund der anhaltenden Hitze musste die Ernte in vielen Regionen Deutschlands vorgezogen werden. Neben Lagerungsengpässen entstehen erhöhte Anforderungen an die Agrarlogistik, verglichen mit anderen Jahren, in denen sich die Erntesaison über einen längeren Zeitraum erstreckt. Agrarhandelsunternehmen müssen in kürzester Zeit hohe Warenmengen annehmen und weitertransportieren, damit die Lieferketten nicht abreißen und die Rohstoffe schnellstmöglich verwertet werden. Zu dem bekannten Mangel zigtausender LKW-Fahrer in Deutschland, den Personalausfällen durch die Pandemie und dem Krieg in der Ukraine, kommen nun noch kaum mehr befahrbare Wasserstraßen auf Rhein und Donau. Besonders im Fokus steht der Rhein, einer der wichtigsten Transportwege in Deutschland. Schiffe können bereits nur noch in der Fahrrinne fahren und müssen die Ladung so stark reduzieren, dass die Ladung eines Schiffes auf drei Schiffe verteilt werden muss. Das erhöht nicht nur die Transportkosten, sondern bindet bereits enorm knappe Ressourcen der Binnenschifffahrt. Der Pegelstand an einem der wichtigsten Messstandorte Kalb ist aktuell auf 47 cm gesunken. Ab 40 cm ist der Rhein für die Binnenschifffahrt nicht mehr befahrbar. Wenn der Schiffverkehr in Deutschland aufgrund sinkender Pegelstände zunehmend eingeschränkt wird, müssen alternative Logistikwege gefunden werden, damit der Handel mit Getreide und Ölsaaten nicht einbricht oder gar zum Erliegen kommt.

    Vor diesem Hintergrund bekräftigt DER AGRARHANDEL e.V. erneut seine Forderung LKW-Fahrten mit 44 Tonnen Gesamtgewicht für Agrartransporte freizugeben, um die Effizienz der Agrarlogistik zu erhöhen.

    „Durch die Anhebung um 4 Tonnen Gesamtgewicht könnte jede siebte LKW-Fahrt eingespart werden und kurzfristig, auf unbürokratische Weise ein Beitrag zum Ausgleich der akuten Knappheit im Logistiksektor geleistet werden“, betont Martin Courbier. Der Transport mit 44 Tonnen ist im Kombinierten Verkehr auf deutschen Straßen bewährt und stellt keine neue infrastrukturelle Hürde dar. Auch bei Sturmschäden werden regelmäßig Ausnahmegenehmigungen für Rundholztransporte mit 44 Tonnen erteilt, damit die Schäden schnell beseitigt werden können.

    „Insbesondere in Anbetracht der dringend benötigten Kapazitäten zur Getreideausfuhr aus der Ukraine, wäre eine temporäre Erhöhung des zulässigen Gesamtgewichts der LKWs von 40 auf 44 Tonnen eine effektive Entlastung für die Agrarlogistik“, merkt Christof Buchholz an. Da die Exporte über den Seeweg aufgrund vieler organisatorischer Hürden bisher nicht die Getreidemengen bewegen, die man sich von der „Getreidebrücke“ erhofft hat, bleibt der Transport über den Landweg nach wie vor ein essenzielles Puzzlestück der Agrarlogistik, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

    Quelle: AGRARHANDEL e.V.

    Bildquelle: ML-Archiv

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