REGENWÜRMER LIEBEN LAUB- UND MISCHWÄLDER – FORSTGEWERKSCHAFT FORDERT NEUEN BLICK AUF BODENLEBEWESEN

    Zum Tag der Biodiversität am 22. Mai:

    Der Boden unter unseren Füßen ist belebt. Das trifft für die Waldfachleute im Bund Deutscher Forstleute (BDF) besonders auf den Waldboden zu. „Wir betrachten den Waldboden oft eindimensional, als Wasserspeicher, als Nährstofflieferanten oder mit Blick auf die Bodenzusammensetzung“, so Bundesvorsitzender Ulrich Dohle. .

    “Dabei leben in gesunden, humusreichen Waldböden unzählige Pilze, Bakterien, Einzeller und Tiere. Sie halten den Stoffkreislauf des Bodes in Gang, lockern den Boden und schaffen Hohlräume für die Zirkulation von Luft und Wasser.“ Erstmals hat nun die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) im Rahmen eines Sonderprogrammes zur Stärkung der biologischen Vielfalt die Bodenlebewesen im Wald erfasst. Repräsentativ wurden Hornmilben, Springschwänze, Laufkäfer und Regenwürmer in über einhundert Wäldern untersucht. „Die für jeden intakten Boden so wichtigen Regenwürmer kamen im Mischwald doppelt so häufig vor, wie im reinen Nadelwald und im Laubwald sogar dreimal so viel – das zeigt wo die Entwicklung zu gesunden Wäldern hingehen muss“, ist sich Ulrich Dohle sicher. „Den höchsten Artenreichtum aller untersuchten Bodentiere wiesen dabei die untersuchten Mischwälder auf.“

    Der BDF hält es für erforderlich, das Waldbodenmonitoring zu verstetigen und auf alle Bundesländer auszuweiten. Der Verband fordert daher mehr Anstrengungen, die Bodenlebewesen als Indikator für den Waldzustand regelmäßig unter die Lupe zu nehmen: „Vierzig Prozent der landlebenden Organismen auf unserem Planeten leben mehr oder weniger unter der Erde, wir wissen aber viel zu wenig über die Welt unter unseren Füßen.“

    Hintergrund

    • Der unterirdische Wald

    Im unterirdischen Wald, dem Boden, gibt es eine ungeheure Zahl und Menge an Arten. Sie stehen in vielfältigen Wechselwirkungen -oft über die Wurzeln- mit den Waldbäumen und bestimmen deren Vitalität mit. Die früher vorherrschende rein physikalische Betrachtung des Waldbodens ist zu erweitern auf den Lebensraum Boden, dessen regelmäßige Beobachtung (Monitoring) auch Rückschlüsse auf die Waldbewirtschaftung und Einflüsse des Klimawandels zulassen. So stellten die Freiburger Forscher der FVA fest, dass nach Bodenschutzkalkungen sich die Menge an Regenwürmern im Vergleich zu ungekalkten Wäldern verdreifachte.

    • Waldboden ist naturnah

    Waldboden ist im Vergleich zu anderen bewirtschafteten Landflächen vergleichsweise natürlich aufgebaut. Ein Merkblatt der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL liefert eine gute Definition der ungeheuren Dynamik, die sich unter der Erde abspielt. „Waldboden ist keine kompakte Masse, sondern ein offenes und poröses System aus organischen und mineralischen Partikeln, Bodenlebewesen* Wurzeln, Luft und Wasser (Abb. 1). Er ist eine Dauerbaustelle, wo rund um die Uhr Material abgebaut, umgebaut und Neues geschaffen wird. Der Waldboden ist zudem mit seinem Reservoir von Nährstoffen und Wasser ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere sowie ein Filter und Puffer für zahlreiche Substanzen.“ https://www.waldwissen.net/de/lebensraum-wald/waldboden/der-waldboden-lebt

    • Waldbodenmonitoring in Baden-Württemberg

    Die Ergebnisse des Waldbodenmonitorings der FVA in Freiburg sind im Waldzustandsbericht 2021 für Baden-Württemberg veröffentlicht. https://www.fva-bw.de/aktuelles/artikel/waldzustandsbericht-2021-so-steht-es-um-den-wald-in-baden-wuerttemberg

    Erstmals wurden mit dem Projekt „Biodiversität von Waldböden:Bodenfauna“ 129 Probenpunkte in den baden-württembergischen Wäldern auf das Vorkommen von Regenwürmern, Laufkäfer, Hornmilben und Springschwänze untersucht. Das Projekt ist eingebettet in ein Sonderprogramm des Landes zur Stärkung der biologischen Vielfalt und soll den Grundstein für ein langfristiges Monitoring der Bodentiere in den Wäldern des Bundeslandes legen. Rund 95.000 Tausend der winzigen Individuen, die sich auf 365 verschiedene Arten verteilten, wurden erfasst und ausgewertet. Drei Arten konnten erstmals in Deutschland nachgewiesen werden.

    https://www.fva-bw.de/top-meta-navigation/fachabteilungen/boden-umwelt/bodenfauna

    • Das BDF-Waldprogramm

    In seinem aktuellen Waldprogramm fordert der BDF mit Blick auf die Waldböden

    • Luftschadstoffe und deren schädliche Auswirkungen auf den Boden sind zu reduzieren.
    • Die Bodenbefahrung im Wald ist zu reduzieren. Es hat eine konsequente Konzentration auf vorher festgelegte Fahrlinien, so genannte Rückegassen und Rückewege, zu erfolgen, um das Bodengefüge zu erhalten und die Bodenfruchtbarkeit zu bewahren. Die notwendige Befahrung hat pfleglich und nur mit geeigneten Maschinen zum geeigneten Zeitpunkt zu erfolgen. Der Schutz des Bodens hat Vorrang vor der Gewinnerzielung.
    • Die Nutzungsintensität des Waldes ist an die Leistungsfähigkeit des Bodens anzupassen. Eine Nutzung von ganzen Bäumen inklusive Wurzeln, kleiner Äste und Feinreisig hat zu unterbleiben, da den Böden auf diese Weise zu viele Nährstoffe entzogen würden. Eine Düngung der Waldböden (wie in der Landwirtschaft üblich) würde deren natürliches Gefüge mit negativen Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem Wald verfälschen und ist zu unterlassen.

    Für die künftigen Herausforderungen in den bundesdeutschen Wäldern fordert der BDF zehntausend neue Stellen. „Dazu gehören für den Bund Deutscher Forstleute unverzichtbar auch die Forscher und Forscherinnen an den forstlichen Forschungsanstalten, die mit ihren Untersuchungsergebnissen und ihrem wissenschaftlichen Netzwerk für den Austausch mit den Forstfachleuten in der Praxis unerlässlich sind“, bezieht BDF-Bundesvorsitzender Ulrich Dohle die Waldforschung in diese Forderung ausdrücklich mit ein.

    Quelle: BDF

    Bildquelle: BDF / RStäding

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