Bayern beschließt Eckpunkte für neues Jagdgesetz – mehr Eigenverantwortung, weniger Bürokratie

Bayern beschließt Eckpunkte für neues Jagdgesetz – mehr Eigenverantwortung, weniger Bürokratie

Die Bayerische Staatsregierung hat am Montag die Eckpunkte zur Reform des Bayerischen Jagdgesetzes beschlossen. Im Zentrum stehen ein stärkerer Fokus auf Eigenverantwortung bei der Abschussplanung, eine Anpassung der Jagdzeiten an den Klimawandel sowie neue Regelungen zum Umgang mit dem Wolf.

„Unser Wald ist mehr als nur Bäume – er ist unsere grüne Lunge, unser Schutzschild gegen den Klimawandel und die Heimat vieler Tiere. Darum ist es unsere Pflicht, ihn widerstandsfähig und stark zu machen“, sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) bei der Vorstellung der Pläne in München. Ziel sei es, Bürokratie abzubauen und gleichzeitig die Verantwortung von Waldbesitzern und Jägern zu stärken.

Forstliches Gutachten wird zur Messlatte

Ein zentraler Baustein der Reform ist das „Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung“. Es wird alle drei Jahre erstellt und zeigt wissenschaftlich fundiert, wie gut die Naturverjüngung in Bayerns Wäldern gelingt. Dieses Gutachten soll künftig entscheidend dafür sein, ob Reviere mehr Freiheiten erhalten oder striktere Vorgaben erfüllen müssen.

In Gebieten, die als „grün“ eingestuft werden, sollen Waldbesitzer und Jäger künftig weitgehend eigenständig agieren können. Anders sieht es in den sogenannten „roten“ Gebieten aus: Dort sollen verpflichtende Waldbegänge, ein verbindliches Jagdkonzept und erstmals auch ein gesetzlich verankerter Abschussnachweis greifen. „Das ist die Messlatte dafür, ob mehr Eigenverantwortung möglich ist oder Vorgaben notwendig bleiben“, betonte Kaniber.

Das nächste forstliche Gutachten wird 2027 erwartet. Bayern sei mit diesem System bundesweit Vorreiter, so die Ministerin: „Ganz Deutschland beneidet uns darum – und zu Recht.“

Jagdzeiten starten früher

Auch bei den Jagdzeiten gibt es Änderungen. Künftig beginnt die Jagdsaison auf Rehwild bereits am 16. April, zwei Wochen früher als bisher. Hintergrund sind die veränderten Vegetations- und Klimabedingungen. „Die Vegetation ist immer früher dran, das muss auch jagdlich berücksichtigt werden können“, erklärte Kaniber.

Die Ministerin betonte zugleich die Rolle der Eigenverantwortung: „Unsere Jäger können am besten selbst entscheiden, wann sie effizient jagen. Wichtig ist, dass auch Zeiten der Ruhe für das Wild eingehalten werden.“

Der Wolf im Jagdrecht – Symbolpolitik oder Signal?

Ein weiteres Thema ist der Umgang mit dem Wolf. Bayern will den großen Beutegreifer ins Landesjagdrecht aufnehmen. Da das Bundesrecht jedoch Vorrang hat, ist der Schritt in erster Linie symbolischer Natur. „Seit Beginn meiner Amtszeit kämpfe ich dafür, dass der Wolf ins Jagdrecht kommt. Klar ist aber auch: Bayern kann das Problem nicht alleine lösen. Der Bund muss jetzt liefern und ein aktives Bestandsmanagement ermöglichen“, forderte Kaniber.

Modernes Jagdgesetz als Ziel

Mit den Eckpunkten ist nun der Weg frei für den konkreten Gesetzentwurf, der im Wirtschaftsministerium ausgearbeitet wird. Das neue Jagdgesetz soll Waldbesitzer, Jäger und die Gesellschaft gleichermaßen stärken – und dabei die Balance zwischen Nutzung und Schutz der Wälder finden.

„Wir geben den Eigentümern mehr Verantwortung – und ich erwarte, dass sie diese ernst nehmen und sich für ihren Wald einsetzen“, sagte Kaniber. „Nicht nur Eigentum, auch Verantwortung verpflichtet.“

Mit der Reform will Bayern die Jagd fit für die Zukunft machen – und gleichzeitig die Basis für klimastabile Wälder legen.

Quelle: StMELF

Bildquelle: Moderner Landwirt-Archiv

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