Tierfreie Landwirtschaft? PETA-Auftritt sorgt für Diskussionen auf den DLG-Feldtagen
Der Auftritt der Tierschutzorganisation PETA auf den DLG-Feldtagen 2026 in Bernburg sorgt in Teilen der Landwirtschaft für erhebliche Kritik. Während die Organisation an ihrem Messestand für eine bio-vegane beziehungsweise tierfreie Landwirtschaft wirbt, sehen viele Landwirte darin einen Widerspruch zum Selbstverständnis einer der wichtigsten Fachmessen für die Landwirtschaft.
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Die DLG-Feldtage gelten als Schaufenster für moderne Pflanzenproduktion, Landtechnik und landwirtschaftliche Innovationen. Alle zwei Jahre treffen sich dort tausende Praktiker, Berater, Wissenschaftler und Unternehmen, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen. Umso größer ist bei manchen Besuchern das Unverständnis darüber, dass ausgerechnet eine Organisation vertreten ist, die seit Jahren die Nutztierhaltung grundsätzlich infrage stellt.
PETA nutzt den Messeauftritt, um für eine Landwirtschaft ohne Nutztiere zu werben. Julia Weibel, Fachreferentin der Organisation, erklärte laut Pressemitteilung, eine tierfreie Landwirtschaft könne Ressourcen schonen und Millionen von Tieren vor Ausbeutung und Tod bewahren.
Kritik: „Feind im Bett“
Besonders scharf fällt die Reaktion der FREIEN BAUERN aus. Christian Lohmeyer bezeichnet die Situation als „Feind im Bett“ und kritisiert, dass eine Organisation, die regelmäßig gegen die Nutztierhaltung argumentiert, auf einer landwirtschaftlichen Fachmesse eine Bühne erhält.
Aus Sicht vieler Tierhalter geht es dabei nicht nur um unterschiedliche Meinungen. Vielmehr wird kritisiert, dass PETA zahlreiche Haltungsformen grundsätzlich ablehnt und in der Vergangenheit immer wieder Kampagnen gegen die Nutztierhaltung, Schlachtung und Tiernutzung gestartet hat. Für viele Betriebe entsteht dadurch der Eindruck, dass eine Organisation unterstützt wird, deren langfristiges Ziel letztlich das Ende der Tierhaltung ist.
Warum das Thema Landwirte besonders betrifft
Für viele Betriebe gehört die Tierhaltung zum Kern ihres Geschäftsmodells. Milchvieh-, Schweine-, Geflügel- oder Mutterkuhbetriebe erwirtschaften einen wesentlichen Teil ihrer Einkommen mit tierischen Produkten. Gleichzeitig entstehen durch die Tierhaltung Wirtschaftsdünger, der wiederum ein wichtiger Bestandteil vieler Ackerbausysteme ist.
Kritiker des PETA-Auftritts argumentieren deshalb, dass eine vollständig tierfreie Landwirtschaft in vielen Regionen Deutschlands erhebliche Auswirkungen auf bestehende Betriebsstrukturen hätte. Besonders in Grünlandregionen wäre eine Nutzung vieler Flächen ohne Wiederkäuer nur eingeschränkt möglich. Auch die Verwertung von Nebenprodukten aus der Lebensmittelproduktion würde sich verändern.
Diskussion über die Rolle der DLG
Die eigentliche Debatte richtet sich deshalb inzwischen weniger gegen den Messestand selbst als gegen die Frage, welche Rolle die DLG als Veranstalter einnehmen möchte.
Befürworter des Auftritts argumentieren, dass eine Fachmesse Raum für unterschiedliche Sichtweisen und Zukunftskonzepte bieten müsse. Kritiker halten dagegen, dass eine Landwirtschaftsmesse in erster Linie die Interessen und Herausforderungen der landwirtschaftlichen Praxis abbilden sollte. Sie sehen die Gefahr, dass Positionen gefördert werden, die sich gegen wesentliche Teile der heutigen Landwirtschaft richten.
Die FREIEN BAUERN erinnern in diesem Zusammenhang daran, dass sie bereits auf der EuroTier 2024 bestimmte Entwicklungen kritisch bewertet hatten. Damals bemängelte der Verband eine aus seiner Sicht zu starke Präsenz von Themen wie Laborfleisch oder alternativen Produktionssystemen.
Die DLG hatte nach Kritik aus der Branche erklärt, die Positionen von PETA nicht zu teilen. Künftig sollen Kampagnenorganisationen wie PETA auf DLG-Veranstaltungen nicht mehr als Aussteller zugelassen werden.
Einordnung für die Praxis
PETA nutzte die DLG-Feldtage 2026, um erneut für eine „tierfreie Landwirtschaft“ zu werben. Die Organisation fordert langfristig den vollständigen Ausstieg aus der Nutztierhaltung und setzt stattdessen auf eine rein pflanzliche Landwirtschaft.
Zu den zentralen Forderungen zählen unter anderem:
- Abschaffung der Haltung von Rindern, Schweinen und Geflügel zur Lebensmittelproduktion
- Ende der Milch-, Fleisch- und Eiererzeugung
- Verzicht auf die Nutzung von Tieren in der Landwirtschaft
- Umstellung auf eine vollständig pflanzliche Lebensmittelproduktion
- Langfristiger Ausstieg aus der Nutztierzucht
Für viele Landwirte dürften diese Vorstellungen weit von der betrieblichen Realität entfernt sein. In zahlreichen Regionen Deutschlands prägen Grünland, Milchvieh- und Mutterkuhhaltung die Landwirtschaft. Gerade auf Standorten mit hohem Grünlandanteil lassen sich Flächen oft nur durch Wiederkäuer sinnvoll nutzen.
Auch die Bedeutung organischer Dünger bleibt in der Debatte häufig unberücksichtigt. Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung spielen auf vielen Betrieben weiterhin eine wichtige Rolle für die Nährstoffversorgung der Kulturen und die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit.
Hinzu kommt, dass große Teile der Wertschöpfung im ländlichen Raum direkt oder indirekt mit der Tierhaltung verbunden sind – von Futtermittelherstellern über Stallbauer und Landtechnikunternehmen bis hin zu Molkereien, Schlachthöfen und Vermarktungsorganisationen.
Die von PETA geforderte tierfreie Landwirtschaft würde daher nicht nur einzelne Betriebszweige betreffen, sondern einen grundlegenden Umbau weiter Teile des heutigen Agrarsystems bedeuten. Entsprechend kontrovers werden die Forderungen innerhalb der Branche diskutiert.
Die Diskussion zeigt ein grundsätzliches Spannungsfeld: Einerseits stehen Landwirte zunehmend im Fokus gesellschaftlicher Debatten über Tierwohl, Klima- und Umweltschutz. Andererseits erwarten viele Praktiker von Agrarmessen vor allem Lösungen für die tägliche Arbeit auf ihren Betrieben.
Gerade Tierhalter dürften den PETA-Auftritt daher als Signal wahrnehmen, dass die gesellschaftliche Diskussion über die Zukunft der Nutztierhaltung längst auch die großen Branchenveranstaltungen erreicht hat. Unabhängig davon, wie man die Positionen von PETA bewertet, verdeutlicht der Fall, dass die Frage nach der zukünftigen Rolle der Tierhaltung in Deutschland weiterhin eines der emotionalsten und umstrittensten Themen der Agrarbranche bleibt.
Kritiker verweisen darauf, dass viele Grünlandstandorte ohne Wiederkäuer kaum sinnvoll genutzt werden können und zahlreiche Betriebe auf die Tierhaltung als wichtigen Betriebszweig angewiesen sind.
Quelle: Pressemitteilung FREIE BAUERN vom 17.06.2026.
Bildquelle: Joachim Diesner
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