LsV Deutschland fordert klares Bekenntnis zum Agrardialog

    Pressemitteilung von LsV Deutschland zu den von dem Handel beendeten Agrardialog hier im Wortlaut:

    Mit großer Verwunderung erreichten den LSV Deutschland gestern mehrere Pressemeldungen, dass der BVLH und damit die 4 großen Lebensmitteleinzelhändler den Agrardialog und somit die Gespräche auf Augenhöhe mit den Landwirten beenden werden. Noch verwunderlicher ist dieser Alleingang des Handels, da dieses Vorgehen allein über die Presse kommuniziert wurde und die aktiven Landwirte vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

    Aus den Protesten vor den Lagern des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) im vergangen Herbst und Winter ist im Februar 2021 ein neues Gesprächsformat hervorgegangen welches es in dieser Form in Deutschland noch nicht gegeben hat, der so genannte „Agrardialog“.

    Die Idee: Aktive Landwirte und Vertreter der großen Lebensmitteleinzelhändler müssen an einen Tisch, um die existenzbedrohende Lage der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland nachhaltig und dauerhaft zu verbessern. Auch andere Akteure, wie beispielsweise aus dem Bereich der Verarbeitung sowie beratende Juristen sind immer wieder an Gesprächen beteiligt worden, auch Wissenschaftler werden gehört und ebenso findet mit der Politik ein Austausch statt. Zur Unterstützung und Moderation konnte die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) gewonnen werden.

    Aufgeteilt wurde der Agrardialog in drei Arbeitsgemeinschaften (Rind/Milch, Schwein und

    Herkunftskennzeichnung) sowie eine übergeordnete Lenkungsgruppe. Von Seiten des Handels sind ALDI Nord, ALDI Süd, EDEKA, LIDL (Schwarz Gruppe) und Rewe vertreten, außerdem der Bundesverband Lebensmitteleinzelhandel (BVLH).

    Für die Landwirtschaft sprechen neben LsV Deutschland, der Milchdialog/Bund deutscher

    Milchviehalter (BDM), die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die Freien Bauern, die IG Schweinehalter Deutschlands sowie LsV Original.

    An dieser Stelle sei ausdrücklich zu erwähnen, dass der Deutsche Bauernverband (DBV) seine ihm mehrfach ausgesprochenen Einladungen bisher nicht annahm und keinerlei Interesse sah auf Augenhöhe die Probleme der Landwirte zu lösen.


    Allein die Landwirte haben es geschafft, dieses zukunftsfähige Gesprächsformat überhaupt zu etablieren. Keine Politik, keine Industrie, kein anderer Verband hat in den letzten Jahren auch nur annähernd eine vergleichbare Gesprächsgrundlage schaffen können, bei der nicht nur über die Landwirtschaft gesprochen wird, sondern die Landwirte selbst auf Augenhöhe mit anderen Gesprächspartnern aktiv an zukunftsfähigen Lösungen mitarbeiten können.

    Und auch der Handel selbst zeigte sich immer wieder beeindruckt, wie professionell und engagiert die landwirtschaftlichen Vertreter ihre Beiträge geleistet haben und welcher Zusammenhalt unter den Landwirten zu spüren ist. In vielen hundert ehrenamtlichen Stunden wurden in den letzten Monaten klare Leitbilder und Zukunftsvorstellungen ausgearbeitet und in den vergangenen Wochen auch ganz klar konkretisiert. Immer mit dem unbeirrten Ziel, möglichst zeitnah finanzielle und strukturelle Verbesserungen für die einheimische Landwirtschaft zu schaffen.

    Agrardialog wird fortgesetzt

    An dieser strukturierten Arbeit wird der LSV Deutschland auch zukünftig festhalten und das Gesprächsformat im Zweifel auch ohne Beteiligung des Handels fortführen und ausbauen. Ebenso richten wir auch einen eindringlichen Appell an die beteiligten Lebensmitteleinzelhändler sowie den BVLH, die ausgearbeiteten Ergebnisse nicht über Bord zu werfen und zeitnah die deutsche Landwirtschaft zu unterstützen.

    Die ersten Aktionen einzelner Gruppierungen in den letzten Tagen sollten deutlich zeigen, wie desaströs die Lage aktuell in der deutschen Landwirtschaft mit Tierhaltung ist. Die Landwirte sind schlichtweg verzweifelt und erwarten klare Reaktionen! Ein Davonlaufen des Handels setzt zum jetzigen Zeitpunkt ein fatales Signal an die Bäuerinnen und Bauern!

    Gründung der ZKHL – eine Parallelveranstaltung!

    Bereits am 3. März 2021 kündigten der Handelsverband Deutschland (HDE), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) und der DBV die Einrichtung einer „Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft“ an, „zur grundlegenden Verbesserung der Zusammenarbeit in der Lieferkette“ – eine Parallelveranstaltung! Während sich die im Agrardialog nebenberuflich und ehrenamtlich organisierten Landwirte hunderte Stunden in Videokonferenzen für die Zukunft der Betriebe eingesetzt haben und um Lösungen mit den Handelsriesen ringen, wurde zwischenzeitlich der neue Verein gegründet. Den Vorstand besetzen qua Amtes die Präsidenten des HDE, des DBV und der DRV.

    Die Teilnehmer des Agrardialoges bekamen letzte Woche eine Einladung durch den Geschäftsführer der Koordinierungszentrale Handel Landwirtschaft (ZKHL) Dr. Nienhoff zu einem Informationsgespräch am kommenden Dienstag.

    Aus Sicht des LSV Deutschland ist dies eine reine Informations- und Werbeveranstaltung durch die ZKHL welche in ihrer aktuellen Struktur und Zusammensetzung kein vergleichbares Format zum Agrardialog bietet.

    Die deutsche Landwirtschaft und mit ihr sämtliche Bäuerinnen und Bauern haben ein Gesprächs- und Arbeitsformat auf Augenhöhe verdient. Ein „weiter so“ wie in den letzten Jahren darf es nicht mehr geben. Es hat zu viele Existenzen zerstört!

    !! ES IST ZEIT ZU HANDELN !!

    Mit freundlichen Grüßen


    Marc Bernhardt     Marc Berger      Claus Hochrein      Stefan Wendtland      Roland Straßberger


    Wir kämpfen für die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland,
    für unsere Höfe, unsere Familien, unsere Existenzen.
    LsV Deutschland – wir denken in Generationen!

    Quelle: LsV Deutschland

    Bildquelle: ML-Archiv

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