Lebensmittelpreise steigen stark – viele Landwirte verdienen trotzdem zu wenig
Die Lebensmittelpreise sind in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Nach Ansicht der Interessenvertretung „Freie Bauern“ profitieren landwirtschaftliche Betriebe davon jedoch nur eingeschränkt. In einer aktuellen Pressemitteilung kritisiert der Verband insbesondere die Marktmacht großer Agrarkonzerne sowie zunehmende Spekulationen an Rohstoffbörsen.
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Weizenpreis laut Verband auf Niveau von 1950
Die Freien Bauern verweisen darauf, dass sich Brotpreise in Deutschland seit den 1970er Jahren deutlich erhöht hätten. Während Verbraucher heute für ein Kilogramm Brot laut Verband etwa 3 bis 5 Euro zahlen, liege der Weizenerzeugerpreis aktuell nach Angaben der Organisation auf dem Niveau von 1950.
Auch bei Milch sieht der Verband eine deutliche Diskrepanz:
Während Joghurt im Handel seit 1976 deutlich teurer geworden sei, habe sich der Auszahlungspreis für Milch an Landwirte nur vergleichsweise moderat entwickelt.
Kritik an Konzentration im Lebensmittelmarkt
Die Freien Bauern machen unter anderem die starke Konzentration im internationalen Agrarhandel für diese Entwicklung verantwortlich.
Nach Angaben des Verbandes dominieren vor allem vier große Agrarkonzerne den globalen Handel:
- Archer Daniels Midland (ADM)
- Bunge
- Cargill
- Louis Dreyfus
Diese sogenannten „ABCD-Konzerne“ verfügten laut der Organisation über erheblichen Einfluss auf internationale Agrarmärkte und Preisverhandlungen.
Verband kritisiert Spekulation mit Agrarrohstoffen
Zusätzlich kritisieren die Freien Bauern den zunehmenden Einfluss von Finanzakteuren auf Agrarrohstoffe.
Nach Ansicht des Verbandes würden Nahrungsmittel an Rohstoffbörsen zunehmend als Spekulationsobjekte behandelt. Geopolitische Krisen und Kriege wirkten dabei häufig als Verstärker bestehender Marktbewegungen.
Die Freien Bauern fordern deshalb:
- stärkere Begrenzung von Marktkonzentrationen
- mehr Transparenz im Rohstoffhandel
- strengere Kontrolle spekulativer Finanzgeschäfte
Diskussion um MiFID-II-Regeln
Der Verband verweist zudem auf die seit 2018 geltenden MiFID-II-Regeln innerhalb der EU. Diese sollen Marktmissbrauch verhindern und für eine geordnete Preisbildung sorgen.
Nach Einschätzung der Freien Bauern reichen die bisherigen Regelungen jedoch nicht aus, da Rohstoffmärkte international organisiert seien und Handelsaktivitäten bei strengeren Regeln in andere Länder ausweichen könnten.
Warum das Thema viele Landwirte beschäftigt
Die Diskussion um Preisbildung, Handelsstrukturen und Marktmacht wird in der Landwirtschaft seit Jahren intensiv geführt.
Viele Betriebe kritisieren:
- hohe Produktionskosten
- starke Preisschwankungen
- geringe Einflussmöglichkeiten auf Erzeugerpreise
- zunehmende Abhängigkeit von globalen Märkten
Gleichzeitig stehen Verbraucherpreise und landwirtschaftliche Erzeugerpreise häufig in keinem direkten Verhältnis.
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Fazit
Die Freien Bauern sehen die Ursachen steigender Lebensmittelpreise nicht allein bei landwirtschaftlichen Betrieben, sondern vor allem in internationalen Marktstrukturen und der zunehmenden Finanzialisierung des Agrarsektors.
Ob strengere Regulierung von Rohstoffmärkten oder Begrenzungen großer Handelskonzerne tatsächlich Einfluss auf Verbraucher- und Erzeugerpreise hätten, bleibt jedoch weiterhin Gegenstand politischer und wirtschaftlicher Debatten.
Quelle: Freie Bauern e. V. / Pressemitteilung vom 09.05.2026
Bildquelle: MLA
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