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25 Jahre BÖL: Viel Forschung – aber was kommt wirklich auf dem Hof an?

Seit 25 Jahren begleitet das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) den Ausbau des Ökolandbaus in Deutschland. Politisch wird das Programm als Erfolgsgeschichte dargestellt. In Gesprächen mit Praktikern wird jedoch immer wieder die Frage aufgeworfen, wie viel der geförderten Projekte und Programme im betrieblichen Alltag tatsächlich ankommt. Zwischen Zielsetzungen auf Programmebene und der Realität auf den Höfen wird von vielen Landwirten ein spürbarer Abstand wahrgenommen.

🎓 Forschung als Fundament – mit begrenzter Wirkung im Alltag

Die hohe Zahl an Forschungs- und Innovationsprojekten zeigt den Anspruch des Programms. In Rückmeldungen aus der Praxis wird jedoch häufig darauf hingewiesen, dass:

  • Ergebnisse teils nur eingeschränkt auf einzelne Betriebe übertragbar sind
  • die Umsetzungsempfehlungen oft zu allgemein bleiben
  • Versuchsanordnungen nicht immer die wirtschaftlichen und zeitlichen Zwänge des Alltags abbilden
  • der Nutzen für den eigenen Betrieb nicht immer unmittelbar erkennbar ist

Viele Betriebe bewerten Forschungsarbeit grundsätzlich positiv, verbinden damit jedoch die Erwartung, dass Ergebnisse schneller und konkreter in praxistaugliche Lösungen übersetzt werden.

🔁 Wissenstransfer: Angebot groß – Nutzung im Alltag begrenzt

Das BÖL fördert zahlreiche Veranstaltungen und Vernetzungsangebote. In der Praxis berichten Betriebe jedoch regelmäßig von Hürden bei der Teilnahme:

  • begrenzte zeitliche Spielräume im Betriebsalltag
  • Entfernungen zu Veranstaltungen
  • Inhalte, die als zu theoretisch wahrgenommen werden
  • begrenzte Umsetzbarkeit der vorgestellten Maßnahmen

In Rückmeldungen aus der Praxis wird häufig betont, dass weniger Formate und dafür stärker betriebsnahe, vor Ort umsetzbare Lösungen als hilfreicher empfunden würden.

🥕 Bio-Wertschöpfung: Wachstum am Markt – Druck auf Erzeugerebene

Der Bio-Markt ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Gleichzeitig berichten viele Erzeuger, dass:

  • Preisentwicklungen im Handel nicht im gleichen Maße auf Betriebsebene ankommen
  • Dokumentations- und Zertifizierungsanforderungen zunehmen
  • sich die Marktmacht zunehmend auf Verarbeitung und Handel konzentriert
  • Importe aus dem Ausland den Preisdruck auch im Bio-Segment erhöhen

Der Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten wird von vielen Betrieben als sinnvoller Ansatz bewertet. In der Praxis fehlt es jedoch häufig an langfristig verlässlichen Abnahmebeziehungen und planbaren Erlösen, die Investitionen absichern.

📈 Wachstum im Bio-Sektor – nicht für jeden Betrieb ein Vorteil

Die Entwicklung von Fläche, Umsatz und Beschäftigung zeigt die Bedeutung des Bio-Sektors für den ländlichen Raum. Aus Sicht einzelner Betriebe wird jedoch darauf hingewiesen, dass:

  • der Wettbewerbsdruck auch innerhalb des Bio-Segments steigt
  • Förder- und Kontrollsysteme mit wachsendem Verwaltungsaufwand verbunden sind
  • gesellschaftliche Erwartungen an Bio-Betriebe zunehmen
  • wirtschaftliche Risiken bei Umstellungen weitgehend bei den Betrieben verbleiben

Bio-Landwirtschaft wird von vielen Praktikern nicht als grundsätzlich einfacher, sondern als anders komplex beschrieben.

📌 Praxisrückmeldungen zum BÖL

Aus Gesprächen mit Betrieben wird häufig genannt:

  • begrenzte Übertragbarkeit von Projektergebnissen
  • hoher Zeit- und Verwaltungsaufwand
  • wirtschaftliche Risiken auf Betriebsebene
  • Bedarf an konkreteren, betriebsnahen Lösungen
  • Wunsch nach verlässlicheren Marktbedingungen

🌾 Fazit: Mehr Wirkung auf dem Hof als Maßstab

Das Bundesprogramm Ökologischer Landbau hat Strukturen aufgebaut, Forschung ermöglicht und Bio-Landwirtschaft sichtbarer gemacht. In der landwirtschaftlichen Praxis wird jedoch vielfach der Wunsch geäußert, dass sich der Nutzen der Programme stärker im betrieblichen Alltag niederschlägt.

Aus Sicht vieler Landwirte wären wünschenswert:

  • stärker praxisorientierte Forschungsansätze
  • weniger administrative Hürden
  • verlässlichere Markt- und Abnahmebedingungen
  • wirtschaftlich belastbare Rahmenbedingungen für Investitionen

Nur wenn Programme messbar zur Stabilisierung der Betriebe beitragen, können sie langfristig als Erfolg wahrgenommen werden.

Quelle: BMEL / ML

Bildquelle: BLE


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