Leserbrief: Wir tragen Verantwortung – doch die Politik hört uns nicht zu
Landwirte leben und arbeiten im direkten Einklang mit der Natur. Sie tragen Tag für Tag Verantwortung für Tiere, Böden und die Ernährung der Menschen. Umso schmerzhafter ist es, wenn politische Entscheidungen als unglaubwürdig, realitätsfern oder gleichgültig gegenüber der bäuerlichen Praxis empfunden werden.
Klaus Weber aus Lohmar bringt in seinem Leserbrief die wachsende Verzweiflung, Unsicherheit und Ratlosigkeit vieler Bauern eindrucksvoll zum Ausdruck.
Ich bin ja nur ein kleiner Bauer und mache mir so meine Gedanken.
Während überall im Land an den Adventwochenenden die Lichterfahrten „Ein Funken Hoffnung“ laufen, um den Menschen im Land etwas Freude zu bereiten und gleichzeitig zum Nachdenken anregen sollen, demonstrieren in einigen Bundesländer die Kollegen vor den LiDl-Zentralen.
Lidl hat als erster den Butterpreis mehr als halbiert, schön für den Verbraucher, schlecht für den Landwirt, weil die anderen Discounter und Supermarktketten nach gezogen sind.
Wo ist das Kartellamt, wenn einer ein Lockangebot mit einem Produkt macht, ist das seine Sache, wenn alle anderen das selbe Angebot machen, ist das für mich wie eine Preisabsprache und das auf dem Rücken des schwächsten Gliedes, dem Rohstoffproduzent = dem Bauern.
Verarbeiter und Vermarkter brauchen ihre Marge am Deal um die Kosten zu decken, der Bauer scheinbar nicht, er wird nicht in die Preisfindung mit einbezogen, das machen die CEO’s der Unternehmen, der Bauer ist in den meisten Fällen Vorstand und Arbeiter in seinem Unternehmen zugleich, er hat nicht die Zeit sich in solche Preisabsprachen mit einzubeziehen, das machen die Menschen die nur für so etwas in Betrieben angestellt sind.
Der Bauer sitzt vor seinen Flächenanträgen, Tierzählungen und diversen unternehmerischen Akten, er muß seine Sachkunde in gewissen Bereichen erneuern und erweitern, diverse Winterveranstaltungen der LW Kammer und der Verbände besuchen, die Genossenschaften ob Warenhäuser oder Molkereien machen in der Winterzeit ihre Jahreshauptversammlungen und ganz nebenbei hat der Bauer auch Familie.
Wenn die Familie nicht im Betrieb mit helfen würde, würde es kaum noch Zeit für Privates geben, auch die Zeiten bei den Demo’s werden meist von den Familien aufgefangen, wie zB. vor Lidl oder auch auf großen Demos wie diese Woche zusammen mit allen europäischen Ländern, insgesamt ca. 10.000 Bäuerinnen und Bauern, die gemeinsam im großen friedlich (eine kleine Schar war wohl etwas übermütig) gegen das geplante Mercosur Abkommen demonstrieten.
Auch ich war mit nach Brüssel gefahren, da ich zu 100% gegen dieses Freihandelsabkomnen mit Südamerikanischen Lebensmittel bin, hier in Europa und allen voran in Deutschland gelten zum Glück scharfe Auflagen was die Lebensmittelproduktion an geht, sei es die Beschäftigung, die Anwendung von Medikamenten in der Tierhaltung und die Verarbeitung von Dünger und Pflanzenschutzmittel, sei es die Reinheit der erzeugten Produkte usw…….
In den Südamerikanischen Länder gibt es Zustände die der Sklavenarbeit nahe kommen, schlechte Arbeitsbedingungen in Sachen persönlicher Schutzbekleidung, Arbeitszeiten und Arbeitsentgelten.
In diesen Länder werden Pflanzenschutzmittel oft nach Gutdünken und ohne Sachverstand der Anwender ausgebracht, es werden Mittel angewendet die hier seit vielen Jahren verboten sind, Rinder die die halbe Zeit ihres jungen Lebens in der weitläufigen Prärie aufwachsen werden die andere Hälfte ihres Lebens in Feedlotz gehalten und nur noch mit Kraftfutter und Medikamenten Schlachtreif gemacht.
Käfighaltung bei Geflügel, all das ist hier in Europa Gott sei Dank verboten, die in Europa hergestellten Lebensmittel werden engmaschig kontrolliert, bei der Einfuhr von diesen Lebensmittel aus Übersee gibt’s hier und da eine Stichprobenhaltige Überprüfung, ich behaupte das die Kontrollen an vorbereiteten Proben statt finden.
Diese Lebensmittel werden so günstig produziert das es trotz weiter Lieferung immer noch günstiger ist als eine Europäische Produktion, die Mafia-gleichen Methoden von wenigen Großerzeugern lassen täglich Wälder für Rinderweiden unwiederbringlich abholzen, nach einer gewissen Beweidungszeit werden die Flächen zu Ackerflächen umgewandelt, um den wachsenden Kraftfutterbedarf zu decken und/oder Zuckerrohr anzubauen.
Über den CO2 Fußabdruck ganz zu schweigen.
Wenn ihr also beim Weihnachtsessen, eigentlich immer beim Essen auf die Herkunft achten würdet, würde es solch eine Einfuhr nicht mehr nötig machen, es muss nicht jeden Tag Fleisch auf den Tisch kommen und schon gar nicht nur die Edelteile, man kann auch mit Suppenfleisch eine lecker Brühe kochen, in der das zuviel gekaufte Gemüse gerne noch seine Verwendung findet anstelle direkt auf dem Kompost oder gar im Müll zu landen, wer das Beherzigt wird sehen, daß etwas teurere Lebensmittel gut verarbeitet nicht teurer sind als Billigware zu kaufen und nicht gebrauchtes wegzuwerfen.
So nun genug Gedanken vor dem Weihnachtsschmaus.
Ich wünsche ALLEN MENSCHEN EIN FRIEDLICHES UND BESINNLICHES WEIHNACHTSFEST, bleibt Gesund, Nachdenklich und Hoffnungvoll.
Der kleine Bauer
Klaus Weber
aus Lohmar
Lesermeinungen sind die persönliche Meinung der Schreiber und entsprechen nicht unbedingt der Auffassung der Redaktion.
Quelle: Klaus Weber aus Lohmar
Bildquelle: Moderner Landwirt-Archiv
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