Schluss mit unsinniger 1

Schluss mit unsinniger und überbordender Regulierungswut – Bauernverband fordert weniger Bürokratie

Der Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V. fordert die Politik auf, zusätzliche bürokratische Belastungen für landwirtschaftliche Betriebe sofort zu stoppen. Der Gesamtvorstand sieht insbesondere neue Vorschriften zur Dokumentation von Pflanzenschutzmaßnahmen sowie geplante Einschränkungen bei der Schadnagerbekämpfung als überzogen und praxisfern an.

Nach Ansicht des Verbands drohen die neuen Regelungen ab dem Jahr 2026 die Arbeit vieler Familienbetriebe erheblich zu erschweren. Gleichzeitig warnen die Vertreter der Landwirtschaft vor möglichen Folgen für Lebensmittelhygiene, Versorgungssicherheit und die psychische Belastung landwirtschaftlicher Familien.


Kritik an erweiterten Dokumentationspflichten beim Pflanzenschutz

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die neuen Dokumentationspflichten bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, die ab dem 1. Januar 2026 gelten sollen.

Schon bisher mussten Landwirte dokumentieren:

  • welches Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurde
  • wann die Anwendung stattfand
  • auf welcher Kulturfläche die Maßnahme erfolgte

Diese Angaben konnten zusammen mit Flurstückverzeichnissen jederzeit nachvollzogen werden.

Die neue Verordnung verlangt jedoch zusätzliche Angaben, darunter:

  • Zulassungsnummer des Pflanzenschutzmittels
  • InVeKoS-Code des Flurstücks
  • EPPO-Code der Kultur
  • BBCH-Stadium der Pflanzen
  • genaue Uhrzeit der Anwendung

Ab 2027 soll zusätzlich eine verpflichtende elektronische Dokumentation eingeführt werden.

Der Verband kritisiert, dass diese zusätzlichen Angaben keinen praktischen Mehrwert bringen, aber erhebliche Bürokratie verursachen – insbesondere für kleinere Betriebe.

Zudem sei die genaue Dokumentation der Ausbringungszeit im landwirtschaftlichen Arbeitsalltag kaum realistisch umzusetzen.


Dauerstress durch Kontrollen und Dokumentationspflichten

Nach Einschätzung des Bauernverbands führt die zunehmende Bürokratie zu einer erheblichen Belastung der landwirtschaftlichen Familienbetriebe.

Viele Betriebsleiter stünden bereits heute unter starkem Druck durch umfangreiche Dokumentations- und Kontrollpflichten. Neue Vorschriften würden den psychologischen Stress weiter erhöhen.

Der Verband fordert deshalb eine Rückkehr zur bisherigen Gesetzeslage, da diese aus Sicht der Landwirte ausreichend gewesen sei und keine konkreten Schadensfälle bekannt seien, die die neuen Regelungen erforderlich machen würden.


Neue Vorschriften zur Schadnagerbekämpfung ab 2026

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft neue Regelungen zur Schadnagerbekämpfung, die ab Juli 2026 gelten sollen.

Geplant sind unter anderem:

  • Verbot von Dauerbeköderungen
  • Einsatz von Rodentiziden nur noch projektbezogen
  • Rückgabepflicht nicht verbrauchter Mittel
  • erschwerter Zugang zu antikoagulanten Wirkstoffen
  • zusätzliche Sachkundekurse für Anwender

Der Bauernverband sieht darin erhebliche Probleme für landwirtschaftliche Betriebe.

Gerade in Betrieben mit Getreide- und Futtermittellagerung bestehe dauerhaft die Gefahr von Mäuse- und Rattenbefall. Eine konsequente und vorbeugende Bekämpfung sei daher aus Gründen der Lebensmittelhygiene zwingend erforderlich.


Risiko für Lebensmittelhygiene und Tiergesundheit

Schadnager können Krankheiten übertragen und Lebensmittel verunreinigen. Deshalb sei die kontinuierliche Bekämpfung ein zentraler Bestandteil landwirtschaftlicher Hygienekonzepte.

Der Verband warnt, dass eine Einschränkung wirksamer Bekämpfungsmethoden dazu führen könnte, dass Schadnagerprobleme schwieriger kontrolliert werden können.

Insbesondere folgende Maßnahmen werden kritisiert:

  • Verbot vorbeugender Beköderung
  • Rückgabepflicht angebrochener Packungen
  • zusätzliche Sachkundenachweise

Aus Sicht des Verbands müssten landwirtschaftliche Betriebsleiter jederzeit Zugriff auf geeignete Bekämpfungsmethoden haben.


Forderung nach praxisorientierten Lösungen

Der Bauernverband fordert deshalb:

  • eine Rücknahme der neuen Dokumentationspflichten im Pflanzenschutz
  • Ausnahmen für landwirtschaftliche Betriebe bei der Schadnagerbekämpfung
  • eine Integration der Sachkunde in den bestehenden Pflanzenschutz-Sachkundenachweis

Sollten praxisgerechte Lösungen ausbleiben, befürchtet der Verband langfristige Folgen für die landwirtschaftliche Produktion.

Die zunehmende Bürokratie führe bereits heute zu Frustration, Überlastung und wachsender Unsicherheit in vielen landwirtschaftlichen Familienbetrieben.


Die wichtigsten Forderungen

Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems fordert:

  • Rücknahme der neuen Pflanzenschutz-Dokumentationspflichten ab 2026
  • praxisnahe Regelungen bei der Schadnagerbekämpfung
  • weniger Bürokratie für Familienbetriebe
  • Integration von Sachkundenachweisen
  • stärkere Berücksichtigung der betrieblichen Praxis

Praxisrelevanz für landwirtschaftliche Betriebe

Sollten die geplanten Vorschriften umgesetzt werden, müssten viele Betriebe ihre Dokumentationssysteme und Arbeitsabläufe deutlich erweitern. Besonders kleinere Familienbetriebe könnten dadurch mit zusätzlicher Bürokratie und Kosten konfrontiert werden.


Fazit:

Der Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems sieht in den geplanten Vorschriften eine zunehmende Überregulierung der Landwirtschaft. Nach Ansicht des Verbands sollte die Politik stärker auf praxisnahe Lösungen setzen, um landwirtschaftliche Betriebe zu entlasten und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Quelle: Moderner Landwirt
Bildquelle: MLA


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