1,75 Milliarden für Moorbodenschutz – neue Chancen für Landwirte?
Die Bundesregierung hat eine neue Förderung für Moorbodenschutz gestartet. Mit 1,75 Milliarden Euro bis 2029 soll die Wiedervernässung von Moorböden vorangetrieben und neue Einkommensmöglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe geschaffen werden.
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1,75 Milliarden Euro für Wiedervernässung bis 2029
Bis Ende 2029 stehen dafür Fördermittel in Höhe von insgesamt 1,75 Milliarden Euro zur Verfügung. Die Richtlinie wurde unter Beteiligung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) entwickelt und soll nach Angaben der Bundesregierung praxisnah ausgestaltet sein.
Freiwilligkeit und neue Einkommensmodelle im Fokus
Das Programm setzt auf Freiwilligkeit sowie eine enge Zusammenarbeit mit Land- und Forstwirtschaft. Ziel ist es, durch die Wiedervernässung von Moorböden nicht nur den Klimaschutz zu stärken, sondern auch neue Wertschöpfungsketten im ländlichen Raum zu ermöglichen.
Diskutiert werden unter anderem Nutzungsformen wie der Anbau von Schilf als Baustoff, die Haltung von Wasserbüffeln oder auch Ansätze wie Moor-Photovoltaik auf entsprechenden Flächen.
Rainer sieht Chancen für Landwirtschaft und Klimaschutz
Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Alois Rainer erklärt dazu:
„Unsere Moore sind unverzichtbare natürliche Klimaschützer. Das ist eine große Chance für unsere Forst- und Landwirtschaft: Moorböden wiederzuvernässen kann Klimaschutz mit wirtschaftlicher Perspektive verbinden. Ob der Anbau von Schilf als Baustoff oder die Haltung von Wasserbüffeln – hier können neue Einkommensmöglichkeiten entstehen. Auch innovative Ansätze wie Moor-Photovoltaik werden diskutiert. Entscheidend ist: Moorschutz kann nur gemeinsam mit den Betrieben gelingen. Deshalb sehen wir es als Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen sich Klimaschutz für landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich darstellen lässt.“
Hintergrund: EU gibt grünes Licht
Mit der Notifizierung durch die Europäische Kommission wurde in dieser Woche der rechtliche Rahmen für die Umsetzung geschaffen. Die Palu-Förderrichtlinie umfasst Maßnahmen zur dauerhaften und weitgehenden Wiedervernässung land- und forstwirtschaftlich genutzter Moorböden sowie zur Unterstützung entsprechender Nutzungsformen auf wiedervernässten Flächen.
Die Federführung innerhalb der Bundesregierung liegt beim Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN).
Moore gelten als wichtige Kohlenstoffspeicher. Entwässerte Moorböden hingegen können erhebliche Mengen an Treibhausgasen freisetzen. In Deutschland sind nach Angaben verschiedener Studien mehr als 90 Prozent der Moorböden entwässert.
Kritik: Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit entscheidend
Die angekündigte Förderung wird in der Landwirtschaft differenziert bewertet. Während neue Einkommensmöglichkeiten grundsätzlich begrüßt werden, verweisen viele Betriebe auf offene Fragen bei der praktischen Umsetzung.
Entscheidend bleibt aus Sicht vieler Betriebe, ob sich die Wiedervernässung von Moorböden langfristig wirtschaftlich trägt und wie verlässlich die Förderbedingungen ausgestaltet sind. Auch Fragen zur Flächenverfügbarkeit, zur betrieblichen Umstellung sowie zu möglichen Nutzungseinschränkungen spielen in der Praxis eine wichtige Rolle.
Aus Sicht von Branchenvertretern wird es darauf ankommen, dass die Programme nicht nur auf dem Papier attraktiv sind, sondern im Betriebsalltag tatsächlich funktionieren. Ob der Moorbodenschutz zu einem tragfähigen Geschäftsmodell werden kann, dürfte sich daher maßgeblich in der Umsetzung vor Ort entscheiden.
Quelle: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH)
Bild: Moderner Landwirt
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