Die BayWa AG steckt mitten in der größten Transformation ihrer Geschichte. Umsatzrückgang, Effizienzgewinne, Agrarpreisdruck und Technikflaute – die wichtigsten Entwicklungen 2025 im Überblick.

Der international tätige Mischkonzern BayWa AG befindet sich 2025 in einer tiefgreifenden strategischen Neuausrichtung. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres verzeichnete das Unternehmen einen Umsatzrückgang von 22 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 12,3 Mrd. Euro). Der Rückgang ist jedoch nicht allein konjunkturell bedingt, sondern vor allem das Resultat gezielter Transformationsmaßnahmen.


Strukturwandel als Haupttreiber des Umsatzrückgangs

Ein wesentlicher Teil des Umsatzverlustes geht auf planmäßige Portfolioanpassungen zurück. Besonders gewichtig war der Verkauf der Raiffeisen Ware Austria (RWA) im Frühjahr 2025, der mehr als die Hälfte des Rückgangs erklärt. Hinzu kamen:

  • Rückzug aus margenschwachen Geschäftsbereichen
  • Sortimentsbereinigungen
  • Schließung kleiner, unrentabler Standorte

Diese Maßnahmen zeigen deutliche Wirkung auf der Ergebnisseite:
Bereits umgesetzte Transformationsschritte führten zu einem EBITDA-Effekt von nahezu 120 Mio. Euro – geplant waren ursprünglich 85 Mio. Euro. Damit liegt der Konzern 36 % über dem Sanierungsziel.

Auch die BayWa Aktie ist unter Druck:

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Ergebnisbelastung durch Neubewertungen im Erneuerbare-Energien-Geschäft

Vollständige Ertragskennzahlen konnte die BayWa bislang nicht veröffentlichen. Grund dafür sind laufende Neubewertungen von Projekten der Beteiligung BayWa r.e.. Diese betreffen insbesondere internationale Projekte im Bereich Photovoltaik, Windenergie und Energiespeicher.


Transformationsprogramm zeigt operative Fortschritte

Im Zuge der Restrukturierung wurden deutliche Effizienzverbesserungen erzielt:

  • Optimierungen im Einkauf
  • Verbesserte Logistikprozesse
  • Anpassungen der Standort- und Personalstruktur
  • Konsequent reduzierte Gemeinkosten

Besonders in den vier Kernsegmenten des Konzerns, die das zukünftige Geschäftsmodell tragen sollen, sind bereits spürbare operative Verbesserungen erkennbar. Die Maßnahmen stärken die Wettbewerbsfähigkeit in zunehmend anspruchsvollen Märkten.


Vertrauen von Kunden und Lieferanten gestärkt

Ein positives Signal ist das wiedererstarkte Vertrauen von Kunden und Lieferanten. Vertriebsinitiativen und Investitionen in neue Absatzkanäle führten dazu, dass landwirtschaftliche Betriebe steigende Getreidemengen an BayWa-Standorte liefern. Damit sichert sich der Konzern bereits jetzt ein stabiles Vermarktungsvolumen für das Folgejahr.


Segmentanalyse Januar bis September 2025


1. Segment BayWa Agrar – Preisdruck durch globale Erntemengen

Ab dem zweiten Halbjahr 2025 kam es bei vielen landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu deutlichen Preisrückgängen. Ursachen waren:

  • Überdurchschnittliche Ernten in Europa, den USA und der Schwarzmeerregion
  • Steigende Lagerbestände
  • Verhaltener globaler Absatz

Besonders betroffen:

  • Weizen
  • Mais

Zusätzlich kam es im Bereich Einzelfuttermittel zu einem deutlichen Rückgang aufgrund der Neustrukturierung des Produktportfolios. Der Handel mit Getreide und Ölsaaten lag leicht unter Vorjahr, während sich der Düngemittelhandel stabil entwickelte.

➡️ Umsatz Agrarsegment: −18 % auf 1,7 Mrd. Euro
(Vorjahr: 2,1 Mrd. Euro)


2. Segment BayWa Technik – Landtechnik im Abschwung

Die Traktor-Neuzulassungen in Deutschland gingen in den ersten neun Monaten 2025 um 13,1 % zurück. Ursachen:

  • Gefallene Erzeugerpreise
  • Gestiegene Finanzierungskosten
  • Unsicherheiten durch Zoll- und Handelskonflikte

Positiv entwickelte sich der Gebrauchtmaschinenmarkt, der weitgehend stabil blieb.

➡️ Umsatz BayWa Technik: −12 % auf 1,4 Mrd. Euro
(Vorjahr: 1,6 Mrd. Euro)


3. Segment BayWa Wärme & Mobilität – Stabil dank HVO100 und Pellets

Der Rohölmarkt war 2025 geprägt von Überangebot und schwacher Nachfrage. Entsprechend lagen die Heizölpreise unter Vorjahresniveau. Das führte zu stabiler Nachfrage, während der Schmierstoffabsatz konjunkturbedingt rückläufig war.

Neue Impulse brachte der klimafreundliche Biokraftstoff HVO100, der ab dem zweiten Halbjahr erstmals ausgeliefert wurde. Zusätzlich erholte sich der Holzpelletmarkt deutlich, sowohl bei Preisen als auch bei Absatz.

➡️ Umsatz Segment Wärme & Mobilität: −5,9 % auf 1,0 Mrd. Euro
(Vorjahr: 1,1 Mrd. Euro)


4. Segment BayWa Baustoffe – Wohnungsbau bleibt Schwachstelle

Der deutsche Bausektor zeigte bis August 2025 zwar ein reales Umsatzplus von 1,2 %, getragen vor allem von öffentlichen Großprojekten. Der Wohnungsbau blieb jedoch schwach, trotz steigender Baugenehmigungen.

Zusätzlich belasteten:

  • Liquiditätseinschränkungen im Zuge der Konzernsanierung
  • Sortimentsanpassungen zugunsten margenstarker Produkte

➡️ Umsatz BayWa Baustoffe: −17,9 % auf 883,7 Mio. Euro
(Vorjahr: 1,1 Mrd. Euro)


Agrarökonomische Gesamtbewertung

Die BayWa AG befindet sich nicht in einer akuten Unternehmenskrise, sondern in einer strategisch gesteuerten Neuausrichtung. Der Umsatzrückgang ist bewusst herbeigeführt, um:

  • Kapitalbindung zu reduzieren
  • Margen zu stabilisieren
  • Risiken im Konzernportfolio zu senken

Gleichzeitig belasten:
❌ Schwache Agrarpreise
❌ Gedämpfte Investitionen in Landtechnik
❌ Rückgänge im Wohnungsbau

Während positive Impulse entstehen durch:
✅ Effizienzgewinne über Plan
✅ Stabilisierung der Kundenbeziehungen
✅ Wachstum im erneuerbaren Energiesektor
✅ CO₂-reduzierte Kraftstoffe
✅ Erholung im Pelletmarkt


Fazit

Die BayWa AG vollzieht 2025 einen der umfangreichsten Transformationsprozesse ihrer Unternehmensgeschichte. Der Konzern reduziert bewusst Umsatzvolumen, um Profitabilität, Stabilität und Zukunftsfähigkeit zu stärken. Für die Landwirtschaft bedeutet dies:

  • Stabilere Vermarktungsstrukturen
  • Höhere Fokussierung auf Kerngeschäftsmodelle
  • Weniger Volumenorientierung, mehr Wertschöpfung

Der Konzern verabschiedet sich vom reinen Handelsvolumen und positioniert sich als effizienter Systemanbieter für Agrar, Energie, Mobilität und Bau.

Quelle: BayWa

Bildquelle: Moderner Landwirt-Archiv


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