Milchviehstall in Deutschland – viele Betriebe stehen durch sinkende Milchpreise unter wirtschaftlichem Druck
|

Milchpreise decken Produktionskosten nicht: EMB meldet 28 Prozent Unterdeckung

Die wirtschaftliche Situation vieler Milchviehbetriebe bleibt angespannt. Nach aktuellen Berechnungen des European Milk Board (EMB) und des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) deckten die Milchauszahlungspreise im April 2026 erneut die Produktionskosten nicht. Im Durchschnitt fehlten den Erzeugern rund 28 Prozent, um kostendeckend wirtschaften zu können.

Die Auswertung zeigt damit, dass sich die Schere zwischen Produktionskosten und Auszahlungspreisen zuletzt wieder vergrößert hat.

IMG 1095 1
Hier finden Sie die Entwicklung der Kostensituation der deutschen Milchproduktion seit 2015.

Produktionskosten steigen auf fast 55 Cent je Kilogramm Milch

Für April 2026 ermittelten die Experten durchschnittliche Produktionskosten von 54,79 Cent je Kilogramm Milch. Dem stand ein durchschnittlicher Milchauszahlungspreis von 39,52 Cent je Kilogramm gegenüber.

Rechnerisch fehlten den Betrieben damit 15,27 Cent je Kilogramm Milch, um ihre Kosten vollständig zu decken. Die sogenannte Preis-Kosten-Ratio lag bei lediglich 72 Prozent. Anders ausgedrückt: Die Auszahlungspreise deckten im Durchschnitt nur knapp drei Viertel der Produktionskosten.

IMG 1096 2
Preis-Kosten-Ratio
Die Preis-Kosten-Ratio verdeutlicht, inwieweit das Milchgeld die Produktionskosten deckt. Im April 2026 waren die Produktionskosten der Milcherzeuger wieder nicht gedeckt. Die Unterdeckung betrug 28 Prozent. Sehen Sie hier die Entwicklung der Preis-Kosten-Ratio seit 2015:

Steigende Kosten belasten Milchviehbetriebe

Die wirtschaftliche Lage wird nach Einschätzung der Studienautoren vor allem durch gestiegene Produktionskosten belastet. Gleichzeitig sind die Milchauszahlungspreise gegenüber der vorherigen Berechnung gesunken.

Besonders Investitionen in Stalltechnik, Tierwohl, Klimaschutz oder moderne Arbeitsverfahren lassen sich unter diesen Bedingungen für viele Betriebe nur eingeschränkt finanzieren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Milchviehhaltung kontinuierlich weiter.

Nicht jeder Betrieb ist gleichermaßen betroffen

Die veröffentlichten Zahlen stellen Durchschnittswerte dar. Wie wirtschaftlich ein Milchviehbetrieb tatsächlich arbeitet, hängt unter anderem von der Betriebsgröße, der Leistung der Herde, den Futterkosten, der Vermarktung sowie den regionalen Rahmenbedingungen ab.

Dennoch geben die Berechnungen einen wichtigen Hinweis auf die allgemeine Entwicklung der Wirtschaftlichkeit in der deutschen Milcherzeugung.

EMB fordert Maßnahmen zur Stabilisierung des Milchmarktes

Das European Milk Board sieht in den aktuellen Zahlen einen Handlungsbedarf auf europäischer Ebene. Der Verband fordert unter anderem ein dauerhaftes Kriseninstrument, mit dem bei einem Überangebot am Markt freiwillige Mengenreduzierungen unterstützt werden können. Ziel sei es, stärkere Preisschwankungen zu vermeiden und kostendeckendere Erzeugerpreise zu ermöglichen.

Ob und in welcher Form solche Instrumente künftig umgesetzt werden, bleibt eine politische Entscheidung.

IMG 1097 3
Milch-Marker-Index (MMI)
Der Milch-Marker-Index (MMI) zeigt die Entwicklung der Kosten der Milchproduktion auf. Der MMI hatte im April 2026 einen Wert von 116, d. h. dass die Produktionskosten für deutsche MilcherzeugerInnen im Vergleich zum Basisjahr 2020 (2020 = 100) um 16 Prozent gestiegen sind.
Hier sehen Sie den Milch-Marker-Index im zeitlichen Verlauf:

Was bedeutet das für landwirtschaftliche Betriebe?

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, dass viele Milchviehbetriebe trotz teilweise stabiler Märkte weiterhin mit einer schwierigen Kostenstruktur arbeiten. Wer investieren oder den Betrieb weiterentwickeln möchte, ist auf dauerhaft auskömmliche Erzeugerpreise angewiesen.

Gleichzeitig zeigt die Auswertung, wie unterschiedlich die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Lage sein kann. Während einige Betriebe aufgrund ihrer individuellen Kostenstruktur wirtschaftlich gut aufgestellt sind, geraten andere bereits bei vergleichbaren Milchpreisen unter erheblichen Druck.

Hinweis

Die genannten Werte stammen aus der aktuellen Produktionskostenberechnung des European Milk Board (EMB) und des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL). Die politischen Forderungen im Zusammenhang mit der Studie geben die Position des European Milk Board wieder.

Quellen und Bild

  • European Milk Board (EMB)
  • Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL)
  • EMB-Pressemitteilung zur Produktionskostenberechnung April 2026

Entdecke mehr von Moderner Landwirt

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Ähnliche Beiträge

Kommentar verfassen