Unfaire Handelspraktiken setzen Bauern unter Druck
Der Markt kippt – und die Höfe zahlen den Preis.
Das Landvolk warnt vor massiver Schieflage im Lebensmittelhandel:
Erzeugerpreise fallen, Handelsspannen steigen.
Große Handelsketten nutzen ihre Marktmacht – Politik und Handel müssen jetzt handeln, bevor noch mehr Betriebe aufgeben.
❌ Schluss mit unfairen Handelspraktiken
✅ Faire Preise für die Landwirtschaft
Der Markt für landwirtschaftliche Produkte ist nach Einschätzung des Landvolks so stark aus dem Gleichgewicht geraten, dass das System insgesamt kaum noch stabil funktioniert. Die Spannungen zwischen den Erzeugerpreisen auf den Höfen und den Preisen, die Verbraucherinnen und Verbraucher im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) zahlen, nehmen weiter zu – mit spürbaren Folgen für viele landwirtschaftliche Betriebe.
Zwar verzichtet der Handel bei einzelnen Produkten wie Butter kurzfristig sogar auf Marge, um Niedrigpreise zu halten. In der Gesamtschau jedoch bleibt die Marktmacht eindeutig auf Seiten des Handels. Dieser kann Preise nach unten drücken und gleichzeitig seine Handelsspannen ausweiten. Die wirtschaftlichen Risiken tragen am Ende die Erzeuger.
Landvolkpräsident Holger Hennies fordert deshalb ein klares politisches Eingreifen:
„Die Politik muss endlich den Marktrahmen verbessern, indem sie das Marktstrukturgesetz für unfaire Handelspraktiken ändert“, so Hennies gegenüber dem Landvolk-Pressedienst.
Große Handelsketten in der Verantwortung
Besonders kritisch sieht das Landvolk die Rolle der großen Handelskonzerne: Edeka/Netto, Rewe/Penny, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi Nord und Süd. Diese „Big 4“ bestimmen maßgeblich die Preisentwicklung in zentralen Agrarmärkten.
Am Beispiel Milch zeigt sich das Machtgefälle besonders deutlich. Nach Einschätzung des Landvolks tritt Lidl derzeit als zentraler Preisdrücker auf. Ziel sei es offenbar, die Milcherzeugerpreise in den anstehenden Verhandlungen weiter nach unten zu drücken. Ein Marktgefüge, das aus Sicht des Landvolks längst aus der Balance geraten ist.
Problematisch ist dabei auch die Rolle der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Nach zwei verlorenen Gerichtsverfahren steht die Behörde als Aufsicht gegen unfaire Handelspraktiken rechtlich weitgehend machtlos da.
Kartoffelmarkt als extremes Beispiel
Wie drastisch die Schieflage inzwischen ist, zeigt sich besonders im Kartoffelmarkt. „Wir bekommen rund sieben Cent pro Kilo, der Handel verlangt etwa einen Euro“, berichtet Hennies. Diese unverhältnismäßige Marge verdeutlicht, wie stark die Wertschöpfung zulasten der Erzeuger verschoben ist.
Zusätzlich verschärft wird die Lage durch Vertragsbrüche seitens einzelner Handelsunternehmen. Wenn vereinbarte Mengen – wie im Sommer bei Kaufland – nicht abgenommen werden, zeigt das aus Sicht des Landvolks klar, wie dringend das Wettbewerbsrecht nachgeschärft werden muss. „Die Big 4 dürfen nicht machen, was sie wollen“, so Hennies.
Schweinehalter unter Dauerdruck
Auch die Schweinehalter erleben die Marktverzerrungen seit Jahren. Zwar hatte sich der Schweinepreis nach dem Tiefstand von rund 1,30 Euro pro Kilogramm im Jahr 2020 zeitweise erholt, liegt aktuell aber wieder bei etwa 1,60 Euro. Für viele Betriebe reicht das nicht aus, um kostendeckend zu wirtschaften.
Beim Verbraucher kommt dieser Preisrückgang nicht an. Die Handelsspannen wachsen weiter, während viele Betriebe trotz hoher Qualität in die Verlustzone rutschen. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft wird dadurch weiter beschleunigt – immer mehr Höfe geben auf.
Klare Forderung an Politik und Handel
Für Hennies ist klar:
„Der Lebensmitteleinzelhandel und die Politik müssen handeln – schnell, entschlossen und mit spürbaren Korrekturen. Ein ‚Weiter so‘ würde bedeuten, dass noch mehr landwirtschaftliche Betriebe aufgeben. Das kann niemand wollen.“
Das Landvolk fordert daher eine zügige Reform des Marktstrukturgesetzes, ein klares Verbot unfairer Handelspraktiken und einen Marktrahmen, der die Marktmacht der Handelsriesen wirksam begrenzt. Diese Einschätzung wird auch von der Monopolkommission gestützt, die in ihrem Sondergutachten vom 21. November die zunehmende Marktmacht des Handels ausdrücklich kritisiert hat – mit negativen Folgen für Landwirte und Verbraucher gleichermaßen.
Umso unverständlicher ist aus Sicht des Landvolks der aktuelle Vorstoß der Europäischen Union, die Marktposition der Handelskonzerne durch Änderungen in der Gemeinsamen Marktordnung weiter zu stärken. Ohne klare Korrekturen droht sich die Unwucht weiter zu verschärfen – und damit die Zukunft vieler bäuerlicher Betriebe.
Quelle: Landvolk Niedersachsen
Bildquelle: Landvolk Niedersachsen
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