Trockene Böden, fallende Blätter: Die Wälder leiden aktuell stark unter Trockenheit und Wärme. Ob alle jetzt schon entblätterten Laubbäume genug Reserven bilden konnten, um im nächsten Jahr wieder austreiben zu können, wird sich erst im kommenden Frühjahr zeigen. Schädlingsbefall sorgte in diesem Sommer zusätzlich für viele Baumschäden.

Wie sehr die Bäume unter der Trockenheit leiden, lässt sich an der bereits einsetzenden Herbstverfärbung der Laubbäume erkennen: Mit der Verfärbung und dem Blattfall verhindern die Bäume, noch mehr Wasser zu verlieren – sie treten in eine verfrühte „Winterruhe“.

Fichten leiden unter Borkenkäfern – Kiefern unter Insekten- und Pilzbefall
Die anhaltende Wärme begünstigte die Vermehrung von forst-gefährdenden Borkenkäferarten, was insbesondere für Fichten und Tannen problematisch ist. Bei der flachwurzelnden Fichte führt geringer Niederschlag zusammen mit hohen Temperaturen zu einem reduzierten Harzfluss und Trockenstress – die Fichten können einem Borkenkäferangriff nicht viel entgegensetzen. Aufgrund der warmen Witterung entwickelten sich im Sommer bis zu drei Borkenkäfer-Generationen – normalerweise sind es ein bis höchstens zwei. Die Auswirkungen sind überall zu sehen: Absterbende Fichten, die nicht mehr grün, sondern braun sind, bis sie dann letztendlich alle Nadeln verlieren.

Gegenmaßnahmen verhinderten nach Kahlfraßprognosen das flächige Absterben in den Kiefernwäldern Nordostdeutschlands, wo mehrere wärmeliebende Insektenarten, allen voran Nonne und Kiefernspinner, intensive Fraßschäden verursachten.

Bundesweit tritt zudem das Diplodia-Triebsterben auf, eine Pilzerkrankung, die bislang in Deutschland eher unauffällig war, aber durch Hitze und Trockenstress begünstigt wird und zum Absterben der betroffenen Kiefern führt.

Alteichen von Insekten befallen – Gegenmaßnahmen getroffen
Ökologisch besonders wichtige Alteichenbestände wurden regional durch Eichenprozessionsspinner, Schwammspinner, Eichenprachtkäfer und weitere Insektenarten teilweise mehrfach hintereinander stark geschädigt. „Ohne intensive Bekämpfungsmaßnahmen werden wir viele Alteichen verlieren“, so der bayerische Waldschutzexperte Ralf Petercord.

Jungpflanzen sterben ab
Stark in Mitleidenschaft gezogen wurden auch Jungpflanzen, die noch keine tiefreichenden Wurzeln bilden konnten. Die Entwicklung dieser kleinen Bäume ist stark belastet, da viele Feinwurzeln durch die Trockenheit absterben. Dies hat Folgen für die kommenden Jahre, selbst wenn das Wetter wieder waldfreundlicher wird. Wie viele der Jungpflanzen vollständig abgestorben sind, wird sich spätestens im kommenden Frühjahr zeigen.

Höhere Hanglagen bekommen weniger Wasser
Je tiefer die Wurzeln in den Untergrund reichen, desto mehr Wasser erhalten sie. Allerdings nicht überall: Je höher am Hang und je stärker die Sonneneinstrahlung, desto weniger Wasser ist verfügbar. Bäume in schattigen Muldenlagen sind in einer besseren Situation, denn hier sickert im Untergrund oft so genanntes „Hangzugwasser“ den Berg abwärts.

Verringertes Wachstum, größere Empfindlichkeit gegen Insekten oder Pilzschäden und bei starken Wurzelschäden unter Umständen auch noch eine verstärkte Sturmwurfgefährdung werden in den kommenden Jahren viele Wälder beeinträchtigen.

Bild: Kellie – stock.abobe.com

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