Warum für uns Landwirte die Gülle so wertvoll ist – Expertengespräch Gülle und Gärsubstrat

    Auf Einladung der Facebookgruppe „Landwirtschaft im Landkreis Erding“ trafen sich am Hof von Mathias Lohmeier in Dorfen die Vertreter der Landwirtschaft, um das Thema Gülle und Gärsubtrat genau zu beleuchten. Mit dabei war auch Andreas Zimmer als Verbraucher, der einige kritische Fragen an uns Landwirte hatte.

    Was ist eigentlich Gülle?

    Das sind die tierischen Ausscheidungen der Nutztiere, eine Mischung aus Kot und Urin, z.B. Rindergülle, Schweinegülle.

    Was ist eigentlich Gärsubstrat?

    Biogas-Bauern wie Josef Lohmaier vergären ihre Gülle zusammen mit anderen pflanzlichen Rohstoffen in der Biogasanlage, es entsteht Strom, Wärme und Gärsubstrat.

    Unterschied Gülle und Gärsubstrat?

    Die Nährstoffe im Gärsubstrat liegen durch den Umbau in der Biogasanlage in mineralisierter, schnell pflanzenverfügbarer Form vor. Bei „normaler“ Rinder- oder Schweinegülle dauert dies etwas. Es muss erst ein Umbauprozess im Boden stattfinden, damit die Nährstoffe durch die Pflanzen aufgenommen werden können.

    Was ist denn in der Gülle enthalten?

    Gülle besteht zum größten Teil aus Wasser mit darin gelösten Nährstoffen und organischer Substanz sowie einigen Mineralstoffen. Wie hoch die jeweiligen Anteile sind, hängt von vielen Faktoren, wie beispielsweise der Tierart, der Fütterung und der Zuleitung von Niederschlagswasser, ab. Der Trockensubstanzanteil, also der Anteil fester Stoffe in der Gülle, liegt bei Schweinegülle bei 3 bis 7% und bei Rindergülle etwas höher bei 6 bis 10%. Sowohl in der flüssigen als auch in der festen Substanz der Gülle sind die für die Pflanzen wichtigen Hauptnährstoffe Stickstoff (N), Phosphat (P2O5), Kalium (K2O) sowie Magnesium (MgO) enthalten. Außerdem kommen noch zahlreiche Spurennährelemente in Güllen vor. Wie schon der Wassergehalt ist auch der jeweilige Anteil der Nährstoffe abhängig von der Tierart und der Fütterung, aber auch von der Dauer und Art der Güllelagerung, der Einleitung von Regenwasser sowie von Futterresten und Einstreu. Tierartbedingt ist Rindergülle reich an Kalium und Schweinegülle reich an Phosphat.

    Warum wird Gülle ausgefahren?

    Gülle ist ein wertvoller organischer Dünger in der Landwirtschaft, Biolandwirte wie Mathias Lohmeier sind fast ausschließlich auf die Düngung ihrer Flächen mittels Gülle und Mist angewiesen. Wichtig ist ein funktionierender Nährstoffkreislauf: Die Kuh frisst Gras und verdaut es zusammen mit anderen Futtermitteln – daraus entsteht Milch, Fleisch und Leder – als Nebenprodukt fällt der wertvolle Naturdünger zur Düngung unsere Flächen an. Bei fachlich fundierter Anwendung stehen den Pflanzen die Nährstoffe über die ganze Vegetationsperiode zur Verfügung. Neben Mist und Kompost bietet dieser Naturdünger eine sehr gute Möglichkeit, um das Bodenleben positiv zu beeinflussen. Bei nicht bedarfsgerechter Ernährung der Wiesen und Kulturpflanzen nimmt der Humusgehalt im Boden ab. Ein optimales Wurzelwachstum ist zentral wichtig und fördert den Humusaufbau.

    Gibt es zu viel Gülle?

    Ackerbauern wie Robert Grimm oder Michael Hamburger sind froh, wenn sie anstatt des Mineraldüngers den wertvollen Naturdünger der Tierhalterkollegen einsetzen können, um die Bodenstruktur ihrer Flächen zu verbessern. Im Alpenvorland gibt es sehr viel Grünland, für dessen sinnvolle Nutzung vorwiegend Rinder, Schafe und Ziegen eingesetzt werden. Damit das Gras ein gesundes Wachstum hat, brauchen
    wir die Ausscheidungen unserer Tiere.

    gez. Michael Hamburger, Landwirtschaft im Landkreis Erding

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