Waldzustandsbericht 2020: Leichte Erholung bringt keine Entspannung – Forstminister Vogel setzt auf Baumartenmischung, Naturverjüngung, Saatgut und angepassten Schalenwildbestand

    Im dritten Trockenjahr in Folge ist der Anteil der deutlich geschädigten Bäume zwar zurückgegangen, bleibt mit einem Viertel des Gesamtbestands aber weiter sehr hoch. Seit Beginn der gesamtdeutschen Waldzustandserhebung im Jahr 1991 wurde dieses Jahr sogar die höchste Absterberate von Bäumen beobachtet.

    „Mit dem Wassermangel und den sich durch Trockenheit stark vermehrenden Schaderregern ist der Klimawandel mitten im Brandenburger Wald angekommen“, sagte Forst- und Klimaschutzminister Axel Vogel heute bei der Vorstellung des aktuellen Waldzustandsberichts in der Landespressekonferenz. „Das beeinflusst die Stabilität unserer Wälder und unser forstliches Handeln auch künftig – deshalb setzten wir auf eine klimaangepasste Baumartenmischung, auf Naturverjüngung und Saatgutvermehrung sowie auf angepasste Schalenwildbestände.“

    Der diesjährige Anteil der Waldfläche mit deutlichen Schäden von 25 Prozent liegt im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozentpunkte niedriger. Mit rund 15 Prozent ist der Anteil der Bäume ohne sichtbare Schäden im Vergleich zu 2019 nahezu gleichgeblieben (14 Prozent im Vorjahr).

    Die Eiche ist, gefolgt von der Buche, in Brandenburg am meisten geschädigt. Der Blattverlust von Eichen und Buchen ist jedoch merklich zurückgegangen. Es könnte sich eine beginnende Regeneration der im letzten Jahr geschädigten Bäume abzeichnen.

    Der Zustand der Kiefer, Brandenburgs häufigster Baumart, hat sich nur geringfügig verbessert und ist mit einem Anteil von 17 Prozent der Bäume mit deutlichen Schäden weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Der Anteil von Kiefern ohne Schäden hat sich auf nur noch 15 Prozent verringert.

    Die jährliche Absterberate liegt für den Gesamtwald bei 1,4 Prozent und damit so hoch wie noch wie. Sie beziffert den Anteil der Bäume, die seit der letzten Erhebung abgestorben und noch stehend aufzufinden sind. Bliebe diese Rate so hoch, wäre nach 50 Jahren bereits die Hälfte der jetzt vorhandenen Bäume tot.

    Begünstigt durch Trockenheit, Hitze und Stürme bauen sich Schaderregerpopulationen auf, die fast allen Baumarten zu schaffen machen – besonders der Kiefer, Eiche, Buche und der Fichte, die in Brandenburg aber nicht weit verbreitet ist. Auch Pilze setzen den vitalitätsgeschwächten Bäumen zu. Allein in den letzten drei Jahren sind rund 3 Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen – das entspricht der normalen Holznutzung eines ganzen Jahres im gesamten Brandenburger Landes- und Privatwald.

    Forst- und Klimaschutzminister Axel Vogel: „Der Waldumbau und die Wiederbewaldung abgestorbener Baumbestände sind herausfordernde Aufgaben für die Försterinnen und Förster, für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer. Auch weil nicht jedes Jahr ausreichend Saatgut von den Bäumen geerntet werden kann, ist uns die Naturverjüngung – und das ohne Zäune im Wald – umso wichtiger. Natürlich verjüngte Buchen und Eichen sind auch deutlich stresstoleranter als gepflanzte Bäume – sie dürfen aber nicht massenhaft den zu hohen Schalenwildbeständen im Wald zum Opfer fallen. Wir werden dem Kabinett deshalb zügig den Entwurf für die Novellierung des Jagdgesetzes vorlegen und streben eine baldige Einbringung in den Landtag an.“

    Außerdem setzt das Land auch auf sogenannte Nebenbaumarten wie die Eberesche, die Birke und die Hainbuche, weil sie für das Waldklima, die Bodenverbesserung und die biologische Vielfalt im Wald wichtig sind.

    Das Forstministerium gibt für den Waldschutz erhebliche Fördermittel von Europäischer Union, Bund und Land aus. In 2020 wurden 2,5 Millionen Euro für den Waldumbau und rund 6, Millionen Euro für die Waldbrandvorbeugung bewilligt. Für die Bewältigung der Extremwettereignisse sind zirka 3 Millionen Euro in Anspruch genommen worden. 2020 startete die Landesforstverwaltung eine Beratungskampagne, um Waldbesitzende über die Möglichkeiten der Förderung zu informieren. Im Rahmen des Europäischen Fonds zur Entwicklung des Ländlichen Raumes (ELER) unterstützt das Land Beratungsleistungen für private Waldeigentümer mit einem Fördersatz von bis zu 100 Prozent. Informationen dazu bietet: www.IhrWaldbrauchtZukunft.de

    Brandenburg verfügt über 1,1 Millionen Hektar Wald. Dies entspricht 37 Prozent der Landesfläche. Auf über 70 Prozent der Waldflächen im Land ist die Kiefer immer noch die Hauptbaumart.

    Der aktuelle Waldzustandsbericht steht hier im Internet: https://mluk.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/Waldzustandsbericht-BB-2020.pdf

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