Soll die Bürgerenergiewende jetzt gekippt werden?

    Der Titel des Papiers „Marktintegration ausgeförderter und neuer Prosumer-Anlagen“ lässt auf den ersten Blick nichts Böses vermuten. Führt man sich das Papier aber genauer zu Gemüte, kommt schnell die Vermutung auf, dass die alten, großen, Netzbetreiber wieder volle Hoheit über die Energieversorgung zurückerlangen wollen. So soll beispielsweise die Eigenenergienutzung von Photovoltaik-Anlagen mit Energiespeicher sowie Windradgenossenschaften, die eine dezentrale und kostengünstige Energieversorgung bieten, gekippt werden. Nach den Vorstellungen der Bundesnetzagentur darf künftig eigenerzeugter Strom nur über das Netz eingespeist und erst wieder bezogen werden, was zu wesentlich höheren Kosten für die Eigenstromerzeugung führen und diese unwirtschaftlich machen würde.

    Hier die drei vorgeschlagenen Modelle der Bundesnetzagentur:

    1. Markt-Option: Der selbst erzeugte Strom wird komplett ins Netz eingespeist.
      Eigener Stromverbrauch wird mit Zähler theoretisch errechnet – dafür gibt es eine kleine Prämie auf den eingespeisten Strom.
    2. Netzbetreiber-Option: Bei Neuanlagen komplette Einspeisung des Stromes ins Netz zum günstigen Preis. Es ist kein Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stromes möglich.
    3. Lieferanten-Option: Für den selbst erzeugten und selbst verbrauchten Strom muss ein monatlicher Basispreis von 14,6 Euro/Kilowattstunde für den Stromanschluss entrichtet werden.

    Bei den Modellen 1 und 2 muss der Strom komplett abgegeben werden, beim Modell 3 kann der Strom auch wirklich selbst genutzt werden. Allerdings würden bei einer 10 kW Anlage monatlich 146,- Euro Anschlussgebühr zu bezahlen sein, was dieses Modell komplett unwirtschaftlich macht.

    Gasspeicher


    Als der Anteil der erneuerbaren Energien nur ein paar wenige Prozent betrug, wurde dies von den Energieversorgern belächelt und nicht ernst genommen. Inzwischen beträgt der Anteil der regenerativen Stromerzeugung 50 Prozent und die Energieversorger möchten sich „ihren“ Markt zurückholen. Diese Entwicklung muss mit aller Macht verhindert werden! Es müssen alle Anstrengungen unternommen und politischen Voraussetzungen geschaffen werden, um eine dezentrale Energieversorgung aus einem Mix der regenerativen Energieträger Sonnenstrom, Windstrom und Biogasstrom weiter zu gewährleisten und ausbauen zu können. Die Roll-Back-Versuche der Energieerzeuger müssen abgewiesen und eine Freiheit der Energieversorgung für die Bürger weiterhin gewährleistet werden.

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    Es ist klar das dies nur zusammen mit den Energieriesen funktionieren kann, sie müssen sich aber neue Geschäftsmodelle überlegen und bereit sein, die neue Rolle anzunehmen. Die Förderung der Elektromobilität wird zu einer Steigerung des Strombedarfes führen. Hier sind neues Denken und neue Techniken notwendig – durch die Digitalisierung stehen viele innovative Möglichkeiten zur Verfügung, die es jetzt zu nutzen gilt. Wir sollten den neuen Techniken eine Chance geben. Viele Bürger möchten ihre Energieversorgung selbst in die Hand nehmen. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten dazu – 90 Prozent der Dächer hierzulande sind noch ohne Sonnenstromanlagen ausgestattet. Die Sonne schickt keine Rechnung und ganz nebenbei ist diese Art der Energiegewinnung absolut umweltfreundlich und klimaneutral.

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    Der Ausbau der Windenergie ist durch die 10 H – Regelung (10facher Abstand der Höhe des Windrades zur Wohnbebauung) in Bayern total zum Erliegen gekommen. Biogasanlagen müssen ihren Strom nach Ablauf des 20jährigen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) an der Börse verkaufen, was kostendeckend kaum möglich ist und einen Rattenschwanz an Bürokratie nach sich zieht.Der Bundesvorstand der Grünen fordert andererseits, die EEG –Umlage massiv um 5 Cent je Kilowattstunde zu senken, damit die Strompreise nach unten gedrückt werden.


    Aus allen Teilen der Welt gibt es aktuell Berichte, wie sich die Natur seit dem Lockdown langsam wieder erholt. Wir alle sollten aus der Corona Krise etwas lernen, nämlich ein neues Verhältnis zur Natur und zum Klima aufbauen. Dies ist durch den Ausbau der regenerativen, CO2 neutralen Energieträger Sonne, Wind und Biogas möglich. Wir alle wünschen uns doch eine größere Unabhängigkeit vom Energieversorger und die Vermeidung ständig steigender Stromkosten.

    Die ELF Oberbayern ist sich ihrer Verantwortung dabei bewusst.

    Pressebericht der Arbeitsgemeinschaft für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Oberbayern (ELF)

    Bezirksvorsitzender: Rupert Staudhammer
    gez. Michael Hamburger (stv. Bezirksvorsitzender)

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