Nach dem erstmalig in der BRD bestätigten Fund eines mit dem Erreger der Afrikanischen Schweinepest (ASP) belasteten Wildschweins in Brandenburg sind die Schweine- und Ferkelpreise in Deutschland eingebrochen. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften hat in einer außerordentlichen Preiskonferenz am vergangenen Freitag die Preisnotierung für Schweine um 20 Cent auf € 1,27 je Kilogramm gesenkt, der Preis für Ferkel wurde ebenfalls um 12 Euro nach unten korrigiert. Für die Schweinehalter in unserem Landkreis mutet dies wie ein Schlag ins Gesicht an. Johannes Ertl aus Großhündlbach äußerte sich wie folgt: „Bei einem aktuellen Ferkelpreis von 37 Euro ist eine wirtschaftliche Ferkelproduktion nicht möglich. Ich möchte den Wünschen der Verbraucher bzgl. Haltung und Tierwohl gerne entgegenkommen, dazu benötige ich aktuell mindestens 60 Euro Erlös je Ferkel.“ Auch Schweinemäster kommen mit der aktuellen Preisnotierung nicht zurecht. Josef Obermaier aus Brand meint dazu: „Der bisherige Preis war bereits ein Nullsummenspiel. Mit dem jetzigen Sonderabschlag wird die Erzeugung für mich absolut defizitär und auf Dauer eine Vernichtung meiner Existenzgrundlage.“ Viele Schweinehalter im Landkreis denken darüber nach, ihre Produktion einzustellen. Somit sind Importe aus fernen Ländern vorprogrammiert, wo das Schweinefleisch nicht nach unseren hohen deutschen Standards erzeugt wird.

Nun formiert sich aber eine erfreuliche Solidarität der Fleischverarbeiter gegenüber ihren Schweinelieferanten. So hat die Metzgerei Hofer aus Inning am Holz angekündigt, die 20 Cent Sonderabschlag bei ihren Lieferanten nicht in Abzug zu bringen: „Wir zeigen uns mit unserem Schweinehalter solidarisch und unterstützen ihn in dieser schwierigen Zeit mit einem fairen Preis.“ Kürzlich sind die Fleischverarbeiter Halsbacher Qualitätsfleisch sowie der Schlacht- und Zerlegebetrieb Fuss aus Memmingen voran geprescht. „Wir sind der Meinung, dass für 1,27 € niemand mehr vernünftig Ferkel produzieren oder Schweine mästen kann.

Wir heißen diesen Wahnsinn nicht gut, den sich einige schlaue Köpfe da ausgedacht haben“, kritisiert Geschäftsführer Knauer der Firma Fuss die Preisfindung in einem Bericht. Auch der Innungsvorsitzende der Metzger im Landkreis, Christian Huber aus Walpertskirchen macht da nicht mit „Ich bin dabei, weil mir unser Rohstoff Fleisch nicht ´wurscht´ ist und werde deshalb den Sonderabschlag von 20 Cent von meinen Lieferanten nicht verlangen.“

Wir von der Facebookgruppe „Landwirtschaft im Landkreis Erding“ appellieren an alle Beteiligten der Wertschöpfungskette, die durch die ASP entstandene Situation nicht auszunutzen, um die Erzeugerpreise zu drücken, sondern hoffen dass noch mehr
regionale Metzger den guten Beispiel der Kollegen Huber und Hofer folgen werden, um die Schweinehaltung in der Region zu stärken. Landrat Martin Bayerstorfer rät den Verbrauchern: „Der Einkauf beim Metzger in der Region fördert das Metzgerhandwerk und zugleich auch die Landwirte im Landkreis Erding“. Einen Schub für die regionale Vermarktung erwarten wir uns ebenfalls von der Regionalmarke ´echt erding´. „In der aktuellen Situation muss alles darangesetzt werden, eine weitere Ausbreitung der ASP in Deutschland zu verhindern“, so BBV Vize-Kreisobmann Michael Hamburger. „Die Zusammenarbeit von Jägern und Bauern im Landkreis ist nun essenziell wichtig, um Schwarzwild als Überträger des ASP-Virus zu entnehmen. Die kürzlich vom Landkreis Erding erteilte Allgemeinverfügung für den Einsatz von Nachtzielvorsatzgeräten stellt ebenfalls eine Verbesserung für die Situation dar.

Unsere aktiven Schweinehalter sind bestrebt durch strikte Einhaltung der bewährten Hygienemaßnahmen die Gefahr für das Einschleppen des ASP-Virus in Hausschweinebestände zu verhindern.“


Allen Verbrauchern möchten wir sagen: Die Afrikanische Schweinepest ist für Menschen und andere Tiere als Schweine völlig ungefährlich. Schweinefleisch kann deshalb weiter ohne Bedenken verzehrt werden. Lassen Sie es sich schmecken!

Facebook-Gruppe Landwirtschaft im Landkreis Erding

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