Nitratmessstellen – Messpunkt-Checker – die Aktion

    Die Idee hinter Messpunkt-Checker

    Die Idee fing relativ harmlos an. Ich interessierte mich für die EU-Stationen in meiner Region und bat beim DBV um die Stationenliste. Auf der Liste sind u. a. die Koordinaten der Standorte genannt. Es war eher Zufall als Können, daß schon die erste Eingabe einen Treffer erzielte. Da ich mir nicht sicher war, frage ich mal bei Johann Hagmann nach, von dem ich wusste, daß er sich auch schon intensiver mit dem Thema Nitrat befasst hatte. Er kannte die exakten Standorte der Stationen in seiner Nähe, prüfte nach, ob die Koordinaten so korrekt sind, und ja, sie waren es.

    Und so fing die Suche an. Abend für Abend lasen wir uns durch die Veröffentlichungen der Umweltämter, der Gewässerkundlichen Dienste, BGR usw.  Nachdem wir Bayern, NI und NRW beieinander hatten, waren wir schon sehr stolz und wir deckten damit 42 % der Fläche Deutschlands ab. Johann konvertierte Koordinaten, setzte aus vielen Einzelinfos eine möglichst komplette Liste zusammen und ich suchte weiter Daten. 

    Im Laufe der Zeit wurde unser Team größer: Sarah Katching wollte NRW betreuen, Anne Katrin Hansen aus SH fand auch Gefallen an der Idee, aus Bayern kam Karina Götz dazu, aus RLP Markus Janson. Es war ein Riesen-Zeit/Arbeitsaufwand die Daten zusammenzusuchen, die Koordinaten zu konvertieren, Screenshots von den Luftbildern anzufertigen, über 2.000 Postleitzahlen von Hand herauszusuchen, die ganzen Stations-Ordner anzulegen, die Gruppen aufzubauenusw.

    Aber wir hatten es geschafft – wir konnten für ganz Deutschland alle belasteten Stationen der Nitratmessnetze ausfindig machen. Wir konnten nun mit unsere Google-Maps-Karte an die Öffentlichkeit gehen. Noch nie gab es eine so umfangreiche Karte, die entweder die exakten Standorte oder zumindest möglichst genau den Standort der Stationen anzeigte.

    Sinn der Aktion: daß unsere Arbeit juristisch nicht verwertbar ist, ist von Anfang an klar gewesen und daß Laien Fehler unterlaufen, die Profis nicht unterlaufen, war auch klar. Uns war wichtig, das Umfeld der Station zu checken, ob sich bereits optisch Auffälligkeiten ergaben, gibt es irgendwelche anderen Einflüsse, die den Nitratwert beeinflussen, ortsspezifische Kenntnisse usw. Und es sollte auch ein klares Signal sein: die Bauern haben den Kampf bzgl. Messnetz noch lange nicht aufgegeben. Anstatt mit Schleppern zur Demo zu fahren, wird mit Tastatur und Foto weitergekämpft. Und für die kommenden Klagen liefert unsere Arbeit schon mal erste Anhaltspunkte, wo man einen Gutachter hinschicken kann, damit er schnell fündig wird. Desweiteren kennen die Landwirte nun die Messpunkte ihrer Umgebung und können bei Unregelmäßigkeiten eingreifen.

    Wir gingen am 07.03.20 online und archivierten die Messpunkt-Checker-Gruppen zum 31.05.20.

    Bis dahin hatten wir bei Facebook 1.700 Mitglieder, die Google-Karte hat Stand 11.06.20  127.578 Klicks. Insgesamt erhielten wir ca. 700 Einsendungen. Der Norden von SH ist komplett bearbeitet, Bremen 100 %, Franken 100 %, in Niedersachsen, Ba Wü und NRW sind auch größere Gebiete flächendeckend abgearbeitet. 

    Eine Auswertung des Materials wurde nach dem 31.05.20 begonnen. Vorher machte das noch nicht wirklich Sinn und wir hätten es auch zeitlich nicht hinbekommen. Das Betreuen der Gruppe und vor allem das Abspeichern der Einsendungen war sehr zeitintensiv.

    Einer der ersten Messpunkte, den wir zu sehen bekamen, war dieser hier:

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    Messstelle in 91465 Ermetzhofen in Bayern

    Wir konnten es gar nicht glauben, daß hiermit eine Grundwasserüberwachung stattfinden sollte. Ich telefonierte mit dem Umweltamt Augsburg und forderte die exakten Koordinaten an. Kein Versehen – das ist ein amtlich bestätigter offizieller Meßpunkt des WRRL-Messnetzes.

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    Es kamen noch mehr solche Schmuckstücke zum Vorschein: das hier ist die Station 1132663300263 in 90592Schwarzenbruck

    Eine Quellfassung ist nicht ersichtlich und man fragt sich auch, wo und wie dort eine aussagekräftige Grundwasserprobe gezogen werden soll. Das ganze Areal ist aufgeweicht, so daß man knöcheltief im Morast versinkt, die Erde stinkt von dem permanent stehenden Wasser verfault.

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    Hier die 1132642600017 in 97258 Pfahlenheim
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    Und Station 1132642700057 in 97258 Herrnberchtheim

    In der Art folgten noch etliche Stationen

    Bei der Auswertung des Datenmaterials werden wir wohl auch noch so manche Überrraschung erleben. Derzeit sind manche Bundesländer dabei, die Nitratwerte einmal genauer zu checken. Auch hier gibt es Auffälligkeiten.

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