LSV Bayern e.V. nimmt am heutigen 24.12 Stellung zum Selbstversorgungsüberschreitungstag vom 17.11.2020

    Die Pressemeldung im Wortlaut:

    Der Bauernverband Schleswig Holstein veröffentlichte am 17.11.20 über die sozialen Medien den Selbstversorgungsüberschreitungstag. Dass es überhaupt einen solchen Tag gibt, der per Saldo nachweist, dass wir Landwirte bis zum Jahresende rechnerisch nicht mehr in der Lage sind die Bevölkerung zu ernähren, sollte zum Nachdenken anregen.

    In der Veröffentlichung werden die verschiedenen Selbstversorgungsüberschreitungstage für die verschiedenen Produkte der Landwirtschaft terminiert. (Ausgehend vom Jahresbeginn 01. Januar):

    • Bei Milch ist die Versorgung bis 31.12. gesichert.
    • Obst reicht bis 20. Februar
    • Gemüse z. B. ist am 6. Mai das heimische Regal leer
    • Eier sind bis zum 18. September noch vorhanden usw.

    In Deutschland stehen etwa 16,5 Mio. ha landwirtschaftliche Nutzfläche zur Verfügung. Der Verbrauch an Nahrungsmitteln im Land bedürfte aber eine Fläche von ungefähr 19 Mio. ha.

    Das sind eigentlich Fakten, die vermuten lassen, dass die Bauern am Markt in einer komfortablen Situation sein müssten. Durch den Mangel an allen Ecken sollte man den Bauern eigentlich ihre regionalen Produkte aus den Händen reißen. Aber weit gefehlt. Die vorhandenen Angebotsmengen, die uns zum Teil knapp überversorgen, werden den Bauern dann als Überschüsse, wo auch immer diese auch herkommen, wieder unter die Nase gehalten und drücken den Preis.

    Aber auch in Segmenten, in denen der Selbstversorgungsgrad lange nicht gedeckt ist, sind die Bauern mit ihren Produkten der Marktmacht ihrer Abnehmer und dem Weltmarktpreis unterworfen und es gibt nur selten kostendeckende Preise. Macht es also Sinn nach immer mehr Freihandel für landwirtschaftliche Produkte zu rufen? Sind nicht etwa auch Gedanken und Maßnahmen angebracht, um die vorhandenen landwirtschaftlichen Ressourcen in regionale Märkte zu leiten, damit die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen, nach unseren Standards erzeugten Lebensmitteln sichergestellt wird? Wäre es nicht besser politische Kraft in einen regionalen Kreislauf zu investieren der dann frei von Weltmarktkrisen ist und das wichtigste im Leben sicherstellt, die Nahrungsmittelversorgung?

    Fakt ist, je weiter die Nahrungsmittelproduktion aus Deutschland entfernt wird, desto mehr muss importiert werden und darunter leidet die ganze Welt in Form von Ausbeutung, Hunger und Naturzerstörung durch mehr Flächenbedarf.

    Fakt ist auch, das heute Weihnachten ist und theoretisch bleibt somit heute der Teller leer. Das sollte jedem Menschen in Deutschland gerade in der schwierigen Pandemie Zeit zu denken geben, da es nicht selbstverständlich ist, dass es für jeden Menschen etwas zu essen gibt. Nicht jeder kann sich Nahrung leisten, da wir hier aber ein reiches Land sind, können wir uns mit Lebensmittel auch aus ärmeren Ländern leicht eindecken, Kartoffeln aus Ägypten, Heidelbeeren aus Peru, Himbeeren aus Marokko, Rindfleisch aus Argentinien und auch Äpfel aus Südafrika sind nur einige Beispiele.

    Ernährungssouveränität sollte Staatsziel sein.

    Mit freundlichen Grüßen und frohe Weihnachten euer
    Landwirtschaft verbindet Bayern e.V.

    Quelle: Pressemeldung LsV-Bayern

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