Landwirte aus dem Landkreis Erding besuchen die SPD Kreisgeschäftsstelle

    Am bundesweiten Aktionstag von Land schafft Verbindung (LSV) am 28.05.2020 fand in München eine Demo vor dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz statt. Der LSV Deutschland fordert das Ende des Bauernbashings, sowie den Rücktritt von Svenja Schulze (SPD) und Jochen Flasbarth (Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz). Auch in Erding trafen sich einige Landwirte vor der SPD Geschäftsstelle, um dem SPD Kreisvorsitzenden Martin Kern das Rücktrittsforderungsschreiben von LSV zu überreichen.

    Dabei führte der BBV Vize-Kreisobmann Michael Hamburger die Position des Bayerischen Bauernverbandes aus: „Bauern sorgen für regionale Lebensmittel und schaffen gleichzeitig Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Spätestens durch die Corona-Pandemie haben die Menschen erkannt, dass die regionale Lebensmittelversorgung und somit die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern vor Ort sehr wertvoll ist.
    Anscheinend wurde dies seitens der Ministerin und Ihres Ministeriums noch immer nicht erkannt. Statt die wichtige Rolle der Land- und Forstwirtschaft in der Krise anzuerkennen und einen Dialog zwischen Landwirtschaft und Naturschutz zu fördern, werden seitens der Ministerin weiterhin alte Klischees angeführt. Die Faktenlage stellt sich aber anders dar. Lt. BfR sind heimische Lebensmittel sicher wie nie und mit höchsten Standards produziert. Immerhin beteiligen sich bereits 43.000 Betriebe freiwillig an Programmen und setzen auf 40% der landwirtschaftlichen Fläche besondere Maßnahmen um, um Lebensraum zu schaffen. Sehr erfreulich ist auch die Entwicklung bei den Blühflächen, die von 15.450 Hektar im Jahr 2018 auf 23.300 Hektar in diesem Jahr angewachsen sind und somit einen Zuwachs von über 50 Prozent verzeichnen können. Eine Politikerin wie Frau Schulze, die Politik rein nach Ideologie, nicht nach Faktenlage betreibt, ist für mich nicht mehr tragbar!“

    Seitens LSV Deutschlands beklagt man, dass ein Dialog mit der Bundesministerin bisher nicht möglich war und abgeblockt wurde. Deshalb fordere man einen sofortigen Rücktritt von Frau Schulze und Herrn Flasbarth. Die Landwirte wehren sich gegen eine ungerechtfertigte Diffamierung durch die Politik und fordern eine sachliche Betrachtung der Lage – frei von Ideologie. Der Rückgang der Biodiversität muss ganzheitlich betrachtet werden. Die geographische Lage in Deutschland bietet optimale Voraussetzungen für Landwirtschaft, rund 50% der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt. Auf der anderen Seite werden dem Agrarsektor für Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen täglich rund 60 Hektar Fläche entzogen, die schlussendlich zum Erhalt der Biodiversität fehlen. Die BRD hat eine Gesamtfläche von 357.000 km2, hiervon werden rund 168.000 km2 landwirtschaftlich genutzt. Nach Auffassung des NABU sollen zukünftig 100.000 km2 Naturschutzgebiet sein und gehen somit der Landwirtschaft verloren. Mit dem Verlust dieser Fläche wird unsere landwirtschaftliche Selbstversorgung in Deutschland massiv gefährdet! Die Corona-Krise hat jedoch gezeigt, wie immens wichtig ein hoher Selbstversorgungsgrad ist.

    Nicht nur die Landwirtschaft trägt zum Verlust der Artenvielfalt bei, sondern die gesamte Gesellschaft. Bei 82 Millionen Menschen in Deutschland sind rund 60 Millionen Autos auf den Straßen unterwegs, über 50 Millionen Passagiere reisen mit dem Flugzeug. Durch den Ausbau des 5G Netzes werden die Insekten in ihrer Orientierung gestört, die Städte sind nachts durch die vielen Laternen taghell und 92 Milliarden Insekten werden durch die Luftverschmutzung vernichtet. Weitere Auflagen, deren Sinn immer wieder in Frage gestellt wird, sind leider auch schädlich für die Insektenpopulation.

    Für Josef Eberl ist es unverständlich, dass die Leute für ein Artenschutzvolksbegehren abstimmen, das alleine die Landwirte belastet. Wenn es um ihre eigenen Belange geht, dann wird aber sehr schnell zur chemischen Keule gegriffen (z.B. Mückenbekämpfung an Seen, Unkrautfreie Gehwege).

    Martin Kern, der Erdinger SPD Kreisvorsitzende, zeigte Verständnis für die schwierige Situation der Landwirtinnen und Landwirte. Auch in der konventionellen Landwirtschaft würden heute viele Projekte zu Arten- und Umweltschutz umgesetzt. In der öffentlichen Wahrnehmung würden aber zu oft nur negative Punkte der Landwirtschaft aufgegriffen. Daher bezeichnete Kern die Wortwahl von Umweltministerin Schulze als unglücklich. Genauso unglücklich sei es aber, wenn Protestschreiben verfasst würden in denen polemisiert und beleidigt werde. Er rief zu verbaler Abrüstung und sachlicher Diskussion auf.

    So müsse aus Kerns Sicht die europaweite Subventionspraxis überarbeitet werden. Die Agrarförderungen müssten weg von einer reinen Flächenförderung, hin zu einer Förderung, die u. a. den Aufwand für Natur- und Umweltschutz belohne. Eine Forderung, die auch Umweltministerin Schulze formulierte. Natur- und Umweltschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Daher muss öffentliches Geld auch für diese öffentliche Aufgabe bereit gestellt werden.
    Außerdem müsse ein Umdenken stattfinden – weg von einer Gegnerschaft hin zu einer Partnerschaft. Bäuerinnen und Bauern sollten nicht als Umweltsünder Nr 1. gesehen werden, sondern als wichtiger Partner beim Natur- und Umweltschutz. Dass Programme zum Naturschutz gut angenommen werden, zeigen eine Vielzahl an Uferrandstreifen oder Blühflächen. Und auch bei den Verbrauchern muss ein Umdenken stattfinden. Wenn uns Natur- und Umweltschutz wichtig sind, müssen wir bereit sein mehr Geld für hochwertige Lebensmittel auszugeben. Billiglebensmittel aus dem Discounter und Umweltschutz passen nicht zusammen.

    gez. Michael Hamburger und Martin Kern

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