Der Bundesrat will diesen Freitag über einen neuen Kompromissvorschlag abstimmen, mit dem die Schweinehaltung, insbesondere von Sauen und Ferkeln, neu geregelt werden soll.

Nun haben Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein einen neuen Kompromissvorschlag vorgelegt. Dieser sieht vor, dass die Gruppenhaltung die Regel wird und Sauen nur noch für die Besamung in den Kastenstand kommen.

Wie sieht die Alternative zum Kastenstand aus?

Die Sau sollte drei bis fünf Tage im Kastenstand verbringen. Aber warum so lange?

Da es nicht nur die Brunstzeit gibt, die sich auf Stunden reguliert, sondern eine Vorbrunst, eine Brunst und eine Nachbrunst existiert, sollten die Sau eben drei bis fünf Tage – je nach Sau – im Kastenstand verbringen.

In der Vorbrunst, die ein bis zwei Tage dauert, weist die Sau eine ziemliche Unruhe auf und reagiert bei jedem Kontakt oder Geräuschen sehr empfindlich. Durch das Aufspringen der Sau, dass sie bei anderen macht, aber nicht selbst duldet, kommt es häufig zu Verletzungen. Die Brunst selbst, in der die Sau gedeckt wird, dauert dann wieder eineinhalb bis zwei Tage. Danach kommt die Nachbrunst, die aber nicht mehr lange dauert.

Wenn die Sau jetzt wirklich nur einen Tag fixiert werden darf, steigt das Potenzial der Verletzungen immens an.

Was auch nicht bedacht wird, ist das die Gruppe nie gemeinsam zum gleichen Zeitpunkt in die Rausche kommt. Deshalb wird auch hier der Kastenstand dringend benötigt, um die Ruhe in der Gruppe zu gewährleisten. Die Brunftzeiten in der Gruppe können sich bis zu einer Woche verschieben.

Ist dies wirklich die gewünschte Alternative?

Natürlich kann die Brunstsynchronisation auch mittels Hormongabe stattfinden. Die Brunst wird künstlich erzeugt und dauert deshalb auch nicht sehr lange an. 

Das Brunsthormon PMSG z.b. wird aus dem Blut trächtiger Stuten gewonnen, verarbeitet und den Sauen zur Brunstsynchronisation gegeben. Ist das Tierwohl, den natürlichen Trieb der Sau zu unterdrücken?

Hier ein Leserbrief von Landwirt und Diakon Jürgen Donhauser zur aktuellen Situation in der Schweinehaltung:

Viele „Tierschützer“ oder „Tierfreunde“ melden sich derzeit in Bezug auf die Haltungsform von Schweinen zu Wort, ohne wirklich die Hintergründe zu kennen. Besonders ihr Urteil über die Landwirte erschrecken mich. Eine ausführlichere Erklärung, warum ich aus Tierschutzgründen nicht auf diese Haltungsform verzichten möchte und kann, finden sie in diesem Podcast von mir:

Ich habe mit meinen Betrieb auch 7 Jahre lang ökologisch gewirtschaftet und bin, den Tieren zu Liebe, wieder in die konventionelle Schweinehaltung zurück gekehrt. Oftmals fehlt das Wissen um sich ein Urteil bilden zu können. Würde ich als Landwirt in gleicher oberflächlicher Meinung ein Urteil über Hunde bzw. Katzenhalter abgeben, würde dies folgendermaßen aussehen:

„Kein Haustier wird nach ihren angelegten Maßstäben artgerecht gehalten. Den meisten Hunden wird schon der Grundinstinkt der Fortpflanzung, der Jagd, dem Zusammenleben im Rudel (mit Artgenossen), der Freiheit des Umherziehens verwehrt. Sie werden allesamt zur persönlichen Belustigung des Menschen domestiziert und gehalten, um die sozialen Defizite des Menschen (Vereinsamung da kein Lebenspartner, keine Kinder, Menschenfeindlichkeit) zu kompensieren.“

Wie fühlt man sich bei diesen Worten? Wir Landwirte werden täglich mit solcher Diffamierung konfrontiert.

Ferkelschutzkorb (kein Kastenstand – wie von Tierschützern oft vermutet)

Bild zeigt einen Ferkelschutzkorb –
Der Teil der Abferkelbucht, in dem sich die Sau befindet. Sie kann sich aus Gründen der Sicherheit und der Hygiene darin nicht umdrehen. Durch ihn sollen die Ferkel vor Erdrückung durch die eigene Mutter geschützt werden. Auch bietet er dem Landwirt einen Schutz vor der Sau bei der Versorgung der Ferkel und der Sau. Bei vielen Sauen ist der Mutterinstinkt so stark ausgeprägt, dass es sehr gefährlich ist, in die Abferkelbucht zu steigen, in der die Sau sich ohne den Schutzkorb frei bewegen kann.

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