Als interessante Alternative zum Einsatz von Herbiziden gewinnt die mechanische Unkrautbekämpfung im Unterstockbereich im Weinbau wieder mehr an Bedeutung. Gemeinsam mit der Braun Maschinenbau GmbH stellt Fendt ein einzigartiges Gesamtsystem vor, das die Steuerung der Traktor-Gerätekombination fast in Gänze übernimmt. Die volle Funktionalität der Kombination ist exklusiv mit einem Fendt 200 Vario möglich, da nur dieser über das System automatisch gelenkt werden kann. Das Fahren komplexer Gerätekombinationen wird dadurch enorm vereinfacht und so die mechanische Unkrautbekämpfung deutlich attraktiver.

Die mechanische Unterstockbodenpflege im Weinbau findet, unter anderem begründet durch die Diskussion um den Einsatz des Totalherbizides Glyphosat, wieder deutlich mehr Anwender. Um möglichst effizient zu arbeiten, kommen dabei meist Gerätekombinationen, bestehend aus Zwischenachs- und Heckanbaugeräten zum Einsatz. Exaktes Lenken in den engen Rebgassen sowie die ständige Kontrolle und Steuerung der Zwischenachsgeräte auf beiden Seiten in Verbindung mit der Bedienung eines weiteren Gerätes im Heck erfordern dabei höchste Konzentration, um Verletzungen an den Rebstöcken oder Beschädigungen an den Drahtanlagen zu vermeiden.

Mechanische Unkrautbekämpfung mit einzigartigem System

Gemeinsam mit der Braun Maschinenbau GmbH präsentiert Fendt nun zur Agritechnica 2019 ein einzigartiges Gesamtsystem, mit dem das Fahren von Gerätekombinationen insbesondere mit Geräten im Zwischenachsanbau enorm vereinfacht wird, die Arbeitsqualität erhöht und zudem komplexe Kombinationen ermöglicht, die bis dato nicht fahrbar waren.

Das System übernimmt die Steuerung der Traktor-Gerätekombination und ermöglicht die automatische Lenkung des Traktors sowie die automatische permanente Anpassung der Arbeitsgeräte an die Umgebung. Die mechanische Unkrautbekämpfung im Unterstockbereich gewinnt dadurch nicht nur an Attraktivität, auch die Effizienz der Unterstock- und Mulcharbeiten nimmt deutlich zu.

Entspanntes und ermüdungsfreies Arbeiten

 

Basis des gesamten Systems ist ein Fendt 200 V/F Vario, an dem ein Braun Zwischenachsrahmen mit beidseitiger Senkrechtaushebung und unterschiedlichen Arbeitsgeräten angebracht ist. Im Heck arbeitet ein Mulcher, ebenfalls aus dem Hause Braun. Für die Erfassung und Weitergabe der für die Steuerung notwendigen Informationen ist das Braun VPA-System (Vineyard Pilot Assitant) zuständig. Das System besteht aus einem Laser, einem Gyroskop, der VPA-Steuereinheit und einem Terminal.

Der Laser detektiert die Umgebung und erfasst dabei unter anderem die Bodenkontur, Rebstöcke und Pfähle. Das sogenannte Gyroskop, ein rasch rotierender Kreisel, der sich in einem beweglichen Lager dreht, nimmt die 3D-Position des Traktors auf. Die Informationen des VPA-Systems werden über die ISOBUS-Schnittstelle an den Fendt 200 V/F Vario übertragen. Der Traktor führt die Lenkbefehle aus und fährt so automatisch genau in der Mitte der Rebzeile. Diese Kommunikation zwischen dem Lenksystem der Firma Braun und dem Schmalspurtraktor funktioniert ausschließlich mit dem Fendt 200 V/F Vario. Zudem werden die Informationen an die Zwischenachsgeräte übertragen und diese dann unabhängig voneinander in Höhe und Breite gesteuert. Die Geräte arbeiten so in optimalem Abstand zu den Rebstöcken, wodurch die Arbeitsqualität verbessert und Beschädigungen auf ein Minimum reduziert werden. Das im Heck angebaute Gerät wird entsprechend der gescannten Informationen in der Arbeitsbreite angepasst. Aktiviert wird das System am Zeilenanfang, worauf die Zwischenachsgeräte automatisch an der optimalen Position ihre Arbeitsstellung einnehmen. Diese Funktion ist zugleich eine Sicherheitseinrichtung, damit die Geräte nicht ungewollt in Arbeitsstellung gehen. Mithilfe der Zeilenenderkennung gehen die Zwischenachsgeräte am Zeilenende automatisch in Parkposition.

Mit diesem Gesamtsystem von Fendt und der Braun Maschinenbau GmbH ist ein
aktives Eingreifen des Fahrers nur noch am Vorgewende von Nöten. In der Rebgasse ist er lediglich für die Kontrolle des Systems zuständig, wodurch die Arbeit deutlich entspannter und ermüdungsfreier ist. Zudem kann im Vergleich zu Fahrten ohne das System die Fahrgeschwindigkeit auf rund 8 km/h gesteigert und damit nahezu verdoppelt werden. Der Einsatz komplexer Gerätekombinationen bringt weitere Vorteile mit sich. Aufgrund der geringeren Anzahl von Überfahrten werden nicht nur Zeit und Betriebsmittel eingespart, auch der Boden wird weniger verdichtet. Natürlich sind die Komponenten der Gerätekombination auch einzeln oder in anderen Kombinationen nutzbar, beispielsweise mit Zwischenachsgeräten in Kombination mit einer Anhängespritze.

Das VPA-System zur Steuerung der Arbeitsgeräte ist ab sofort verfügbar, die komplette Funktionalität inkl. Traktorsteuerung kann ab Frühjahr 2020 bezogen werden.

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