Farm2Fork Aktion #bunte Gabeln – Ziel ist die Kommunikation stärken zwischen Landwirten, Verbrauchern und der Politik

    „Landwirtschaft im Landkreis Erding“ lud nach Eichenkofen, um dort auf der Wiese von Ortsobmann Andreas Röslmair, zusammen mit regionalen und überregionalen Vertretern der Landwirtschaft die erste bunte Gabel im Landkreis aufzustellen. Röslmair bewirtschaftet mit seiner Familie einen Hof mit Milchkühen, Grünland und Ackerbau. Die Entfremdung der Gesellschaft von der Landwirtschaft ist ihm in einer persönlichen Situation sehr bewusst geworden, als eine junge Besucherin auf dem Hof wissen wollte, ob er auch einen Tiger habe. Sein Sohn macht aufgrund der Situation in der Landwirtschaft erstmal keine landwirtschaftliche Ausbildung, sondern wird einen anderen handwerklichen Beruf erlernen.

    „Die Aktion #bunteGabeln basiert auf einer Idee von Agrarblogger Bauer Willi und weist auf die Strategie „Farm to Fork“ der EU-Kommission hin, die das Kernstück deś Green Deal ́ darstellt“, erläuterte Vize-Kreisobmann Michael Hamburger, „Dieser Vorschlag soll dazu dienen, unsere Lebensweise, unsere Gesundheit und den Schutz der Umwelt zu verbessern, was grundsätzlich und auch aus Sicht der Landwirtschaft zu begrüßen ist“. Er selbst hat auch schon eine #bunte Gabel an seinem Hof aufgestellt und appellierte an alle Landwirte es ihm gleich zu tun. Dabei ist es unwichtig, welche Form oder Farbe eine bunte Gabel hat, sie soll als solche zu erkennen sein und den Menschen ins Auge fallen. Die von Frans Timmermans vorgestellte „Farm to Fork“-Strategie der EU-Kommission löst besonders bei Betriebsleitern von kleinen, familiengeführten landwirtschaftlichen Betrieben Besorgnis aus, da die vorgeschlagenen Maßnahmen die Existenz vieler Höfe in ganz Europa in Frage stellen. Die Vorschläge der Kommission enthalten sehr viele Zielkonflikte und Widersprüche. „Man hat die Landwirte bei der Erstellung der Strategie nicht gefragt, aber wir wollen uns an der Umsetzung beteiligen. Noch sind keine Gesetze geschrieben. Damit unsere Bereitschaft zum Dialog für alle sichtbar wird, stellen wir Landwirte #bunteGabeln auf“, so Hamburger. Die Botschaft von Bauer Willi an die Politik dabei ist: Wenn ihr wollt, dass die Strategie ein Erfolg wird, kann dies nur gelingen, wenn die Umsetzung mit uns Bauern abgestimmt ist. Also Kooperation statt Verweigerung. Wichtig wäre es dafür, wenn die EU konkrete Ziele nennt, die zu erreichen sind. Diese fehlen bisher.

    Bunte Gabel orange 1

    Martin Bayerstorfer begrüßte den Ansatz der Aktion #bunteGabeln zur Förderung des Dialoges zwischen Landwirten und Verbrauchern. Als Landrat des Landkreises hat er das Ziel, den Bauern unbürokratische Programme zur Förderung der

    Artenvielfalt und Umwelt anzubieten. So werden z.B. für den Erhalt eines Kiebitz-Geleges 50 Euro entrichtet und auf die Landkreis eigenen Pachtflächen werden 20% Pachtnachlass bei Einsaat von 10% Blühfläche gewährt. Im Jahr 2018 wurde dieses Angebot durch die Pächter auf 35.000 und im Jahr 2019 bereits auf 40.000 Quadratmetern angenommen. Bayerstorfer ist mit der Umsetzung der Landwirte auf diesen Flächen sehr zufrieden.

    Über das besondere Vergnügen, den Initiator Bauer Willi auf einem Vortrag selbst kennen lernen zu dürfen, berichtete Kreisbäuerin Irmgard Posch. Ihr ist die Kommunikation mit den Verbrauchern ein großes Bedürfnis und sie sieht diese als sehr gute Möglichkeit für Hofbesuche an, von denen besonders Kinder immer sehr fasziniert sind. Zur „Farm to Fork“-Strategie meine Posch „Gut gedacht, aber noch nicht gut gemacht“. Der Bayerische Bauernverband ist in den sozialen Medien aktuell mit dem Slogan #EssenausBayern unterwegs, um die regionale Vermarktung zu stärken.

    Mathias Lohmeier als Kreisvorsitzender des BDM sprach von den Erfahrungen im Bereich Milch seit 2008 und hofft darauf, dass die Landwirtschaft hier mehr Gehör findet als in der Vergangenheit. Der Vertreter vom LSV Orga-Team München Josef Hofmeyer findet regionale Ansätze und eine intensive regionale Öffentlichkeitsarbeit sehr wichtig, damit Landwirte und Verbraucher miteinander ins Gespräch kommen. Von LSV wird aktuell ein Schlepperkino in Oberbayern geplant. Details dazu werden in den Whatsapp Gruppen zeitnah bekannt gegeben.

    Bunte Gabeln rot u. orange 1

    Robert Grimm vom VLF setzt auf die Regionalmarke „echt erding“. Der große Vorteil für den Verbraucher besteht darin, dass er ganz genau weiß wo die Produkte herkommen und auf Wunsch auch selbst vor Ort die Produktion anschauen und kontrollieren kann. Kreisrätin Sabine Berger ist von der regionalen Vermarktung auch begeistert und meinte „Billig können viele, regional kann nur einer – der Landwirt vor Ort“.

    Die bayerische Kuratorin Anja Eckmüller von der Bauern & Land Stiftung ist gleich hinter der Landkreisgrenze, in Niederbayern beheimatet und kauft ihre Nahrungsmittel sehr gerne regional im Landkreis Erding ein, weil die Discounter vor Ort für ihren Geschmack zumeist ein zu kleines Regionalsortiment haben.

    Rupert Staudhammer, Oberbayerns Vorsitzender der AG ELF, sieht die Regionalvermarktung ebenfalls als einen Baustein für die Landwirte an. Auf seinem Betrieb in Oberneukirchen vermarktet er viele Produkte über den Bauernmarkt. Er gab jedoch zu bedenken: „Je nach familiärer Situation ist diese Form der Vermarktung nicht für jeden Landwirt das Mittel der Wahl“. Um künftig auch junge Menschen für die Landwirtschaft begeistern zu können, ist es aus seiner Sicht unabdingbar, dass sich die Erzeugerpreise nach oben bewegen müssen. Er bezeichnete es als ein großes Glück für Kinder, wenn diese auf einem Bauernhof aufwachsen dürfen.

    Info bunte Gabeln 1

    Wir von der Facebook-Gruppe „Landwirtschaft im Landkreis Erding“ und auch die anwesenden Vertreter aus der Landwirtschaft unterstützen die Aktion von Bauer Willi und würden uns über viele farbenfrohe bunte Gabeln nah und fern freuen – gerne
    auch in der Stadt. Auf der eigens von Bauer Willi erstellten Homepage www.farm2fork.eu ist alles Wissenswerte bezüglich der „Farm to Fork“-Strategie nachzulesen.

    Quelle: Facebook-Gruppe Landwirtschaft im Landkreis Erding

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