Rukwied: Schadensbild bestätigt unsere Befürchtungen

Der Deutsche Bauernverband (DBV) legt seine abschließende Bilanz der diesjährigen Getreide- und Rapsernte vor. Demnach haben die deutschen Bauern in diesem Jahr eine Getreideernte von 35,6 Millionen Tonnen eingefahren. Gegenüber der durchschnittlichen Erntemenge der Jahre 2013 bis 2017 in Höhe von 47,9 Millionen Tonnen entspricht dies einem Rückgang von 12,3 Millionen Tonnen Getreide bzw. 26 Prozent. Die diesjährige Winterrapsernte beziffert der Deutsche Bauernverband auf 3,3 Millionen Tonnen. „Die Ernte fällt noch schlechter aus als anfangs erwartet. Das derzeitige Schadensbild – nicht nur bei Getreide und Ölsaaten, sondern vor allem bei Grundfutter – bestätigt unsere ersten Befürchtungen. Deshalb halten wir es nach wie vor für dringend geboten, dass Bund und Länder ein Hilfsprogramm mit Unterstützungsmaßnahmen für die betroffenen Betriebe rasch auf den Weg bringen“, sagt der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied.

„Die deutschen Bauern haben eine miserable Getreideernte eingefahren. Hinzu kommen Einbußen bei Kartoffeln, Zuckerrüben und vor allem beim Grundfutter für die Tiere. In einigen Regionen bewegen sich die Ertragsverluste zwischen 50 und 70 Prozent bis hin zu Totalausfällen. Mit Blick auf die nächste Ernte müsste in diesen Tagen die Rapsaussaat erfolgen. Eine Aussaat in staubtrockene Böden ist jedoch zwecklos“, sagt Präsident Rukwied.

Die diesjährige Getreideernte in Höhe von 35,6 Millionen Tonnen (minus 22 Prozent gegenüber 2017) ist auf einer Fläche von 6,19 Millionen Hektar (minus 81.600 Hektar gegenüber 2017) herangewachsen. Der Durchschnittsertrag liegt bei 5,8 Tonnen pro Hektar, womit das Ertragsniveau dem des ebenfalls sehr heißen und trockenen Jahres 2003 entspricht. Im Vergleich zur letztjährigen Ernte bleiben die Erträge 21 Prozent hinter dem Vorjahresertrag von 7,3 Tonnen pro Hektar zurück.

Die Ergebnisse beruhen auf Daten und Informationen der Landesbauernverbände. In den Erntemeldungen sind die Ausfälle bei der Körnermaisernte bereits eingerechnet. In den von der Dürre betroffenen Regionen werden die Maisbestände aufgrund der Futterknappheit schon jetzt als Silomais gehäckselt.

Für die einzelnen Kulturen legt der DBV die folgende Bilanz vor:

Winterweizen als wichtigste Getreideart im deutschen Ackerbau wurde zur Ernte 2018 auf einer Fläche von 2,9 Millionen Hektar angebaut. Gegenüber der Anbaufläche der letztjährigen Ernte in Höhe von 3,13 Millionen Hektar entspricht dies einem Rückgang von knapp 8 Prozent. Der Rückgang der Anbaufläche ist auf die nassen Bodenverhältnisse im vergangenen Herbst zurückzuführen, die insbesondere in Norddeutschland die Aussaat des Winterweizens unmöglich machten. Folglich ist der Winterweizenanbau im Norden Deutschlands besonders stark zurückgegangen. Auch die Weizenerträge bleiben deutlich hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Mit 6,4 Tonnen pro Hektar fällt der Weizenertrag 16 Prozent niedriger aus als im Vorjahr und 20 Prozent geringer als im Fünf-Jahresdurchschnitt (2013 bis 2017). Die Erntemenge beträgt 18,6 Millionen Tonnen. In Relation zum Vorjahr ist dies ein Rückgang um 5,5 Millionen Tonnen oder 23 Prozent. Im Mittel der vergangenen fünf Jahre ernteten die deutschen Bauern noch 25,3 Millionen Tonnen.

Der Anbau von Wintergerste liegt mit 1,2 Millionen Hektar auf dem Niveau des Vorjahres. Allerdings gab es bei den Erträgen im Vergleich zum Jahr 2017 deutliche Verluste von 1,3 Tonnen pro Hektar (minus 18 Prozent). Die Erträge bei Wintergerste liegen in diesem Jahr bei 6,1 Tonnen pro Hektar. Daraus ergibt sich eine Erntemenge von knapp 7,4 Millionen Tonnen, die das Vorjahresergebnis um 1,6 Millionen Tonnen (minus 18 Prozent) unterschreiten.  

Der Anbau von Winterroggen setzt seinen rückläufigen Trend der vergangenen Jahre fort. Während im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2017 noch eine Fläche von fast 630.000 Hektar mit Roggen bestellt wurde, stand Roggen zur Ernte 2018 nur auf knapp 523.000 Hektar (minus 17 Prozent). Da Roggen vor allem im von der Trockenheit besonders betroffenen Norden und Osten Deutschlands angebaut wird, sind die Ertragsverluste erheblich. Im Bundesdurchschnitt wurde ein Ertrag von 4,1 Tonnen pro Hektar erzielt. Gegenüber dem Mittelwert der letzten fünf Jahre in Höhe von 5,7 Tonnen pro Hektar entspricht dies einem Rückgang von 29 Prozent. Insgesamt beläuft sich die diesjährige Roggenernte auf 2,1 Millionen Tonnen und bleibt damit 41 Prozent hinter dem Fünf-Jahresdurchschnitt zurück.

Aufgrund der schwierigen Aussaatbedingungen im Herbst des letzten Jahres hat der Anbau von Sommergerste gegenüber dem Vorjahr um 32 Prozent auf knapp 448.000 Hektar zugenommen. Die schwierigen Vegetationsbedingungen mit einem kühlen und späten Frühjahr und der sich anschließenden Trockenheit bereiteten auch den Sommerungen Schwierigkeiten, sodass die Erträge der Sommergerste auf 4,7 Tonnen pro Hektar (2017: 5,4 Tonnen pro Hektar) abfielen. Auf Basis dieser Erträge ergibt sich für die Sommergerste eine Erntemenge von knapp 2,1 Millionen Tonnen. Gegenüber dem Vorjahr konnte damit die Erntemenge sogar um gut 260.000 Tonnen (plus 14 Prozent) gesteigert werden. Diese Steigerung ist allerdings ausschließlich auf die Ausweitung der Anbaufläche zurückzuführen.

Der schnelle Temperaturanstieg im Frühjahr hat in Verbindung mit den ausgebliebenen Niederschlägen beim Winterraps – Deutschlands wichtigster Ölpflanze – zu einer nur kurzen Blütezeit geführt. Der daraus resultierende geringe Schotenansatz hat die Erträge auf 2,7 Tonnen pro Hektar, also um 29 Prozent gegenüber dem mehrjährigen Durchschnittsertrag von 3,8 Tonnen pro Hektar, zurückgehen lassen. Da die Anbaufläche auf rund 1,2 Millionen Hektar zurückgegangen ist, beträgt die diesjährige Rapsernte 3,3 Millionen Tonnen. Die Erntemenge unterschreitet damit den Fünf-Jahresdurchschnitt von knapp 5,2 Millionen Tonnen um 36 Prozent.

Die rückläufigen Erntemengen in Europa und anderen Getreideerzeugungsregionen der Welt haben zu Preissteigerungen an den Terminmärkten geführt. Folglich sind auch die Erzeugerpreise in den letzten Wochen gestiegen und haben bei zunehmendem Angebot während der Ernte einen ungewöhnlichen Verlauf genommen. So erzielt ein Landwirt im Bundesdurchschnitt derzeit 187 Euro für eine Tonne Brotweizen. Im August des vergangenen Jahres lag der Brotweizenpreis dagegen noch bei 150 Euro pro Tonne. Der Erzeugerpreis für Futtergerste ist ebenfalls von 133 Euro pro Tonne im August 2017 auf aktuell 180 Euro pro Tonne gestiegen. Ausgehend von den unbefriedigenden Getreidepreisen der letzten Jahre sind diese Preissteigerungen dringend erforderlich. Ackerbaubetriebe mit deutlichen Mindererträgen profitieren von dieser positiven Marktentwicklung jedoch nur begrenzt, da keine nennenswerten Mengen zu den höheren Preisen vermarktet werden können. Einzelbetrieblich betrachtet bleibt die wirtschaftliche Situation vieler Ackerbaubetriebe daher weiter angespannt.

Der DBV fordert neben kurzfristigen Hilfsmaßnahmen zur Liquiditätssicherung der Betriebe langfristige Veränderungen. Auch über diesen Sommer hinaus müssen die politischen Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass die Betriebe Vorsorge betreiben können, um künftig auch Dürrejahre selbstständig bewältigen zu können. Deshalb fordert der Deutsche Bauernverband seit langem eine steuerfreie Gewinnrücklage und eine reduzierte Versicherungssteuer für Dürreversicherungen.

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