Deutschland – ein Irrenhaus?! / Bauer Willi

    Sturm, Corona, Thüringen – sind wir eigentlich noch normal?

    In den letzten Tagen und Wochen habe ich zunehmend das Gefühl, gesellschaftlich und politisch in einem Irrenhaus zu leben. Während ich diese Zeilen schreibe (Sonntag abend) sitze ich am Schreibtisch und warte auf den großen Sturm, der schon vor zwei Tagen angekündigt wurde und über den nun schon seit über 48 Stunden berichtet wird. Die Bahn, die Flugzeuge, die Schulen, die Müllabfuhr, alles ist in Vorbereitung und immer tollere Meldungen machen die Runde. Ich habe die letzten zwei Nächte schlecht geschlafen, weil mich die Medien auch schon ganz verrückt gemacht haben. Gut, ich habe mich auch verrückt machen lassen…

    In China ist kein Sack Reis umgefallen, aber rund 500 Menschen sind am Corona-Virus gestorben. Das ist schlimm, aber an der ganz normalen Influenza-Grippe sterben jährlich mehrere Tausend Menschen. Da redet kein Mensch drüber. Ich kann diese Panik, diesen medialen Hype wirklich nicht verstehen, zumal alle berichten, dass der Verlauf der Corona-Infektion milder verläuft als eine Influenza. Das in China mittlerweile über 250.000.000 Schweine wegen der ASP-Seuche getötet wurden und man in Europa auch davor zittert, liest man nicht. Interessiert ja im Wesentlichen nur Bauern. So what.

    Und dann kommt Thüringen. Eine Abstimmung verläuft anders, als es alle prognostiziert haben. Der Untergang Deutschlands ist nahe… Was ist eigentlich, wenn der Sturm das Corona-Virus nach Thüringen weht???

    Was haben die Bauern erreicht?

    Im September wurde das Agrarpaket bekannt gemacht. Daraufhin wurden grüne Kreuze aufgestellt. Und zwar so viele, dass die Medien es wahrnehmen mussten und berichteten. Es zeigte sich eine unglaubliche Solidarität unter den Landwirten, ganz ohne Verbände. Vielen ging der stille Protest nicht weit genug. sie stiegen auf die Trecker und fuhren zu Tausenden nach Berlin. Diese Bauernproteste, organisiert von der Basis mittels WhatsApp haben seitdem viele Orte erreicht.

    Die Bauernproteste führten schließlich zum sogenannten Agrargipfel. Die Kanzlerin zog sich mit einer Arbeitsanweisung an DBV und LsV aus der Affäre. Im Februar soll eine Zukunftskommission stehen. Seit Dezember habe ich nichts mehr davon gehört. Und ich war ja auf dem Agrargipfel. Wird langsam Zeit, oder?

    Der angekündigte  LEH-Gipfel mit dem Lebensmitteleinzelhandel hat auch stattgefunden. 90 Minuten mit 30 Teilnehmern im Kanzleramt. Beim Agrargipfel waren wir 70 Personen und 180 Minuten. Und auch hier kein konkretes Ergebnis, sondern nur Appelle an Rewe, Edeka, Lidl, Aldi.

    Edeka bringt einen Tag später eine Plakatserie, wer den niedrigsten Preis verdient hat. Unter anderem hat das Essen (in Oldenburg). Nichts verstanden oder Provokation?

    Real listet DMK mit seinen Milchprodukten Milram aus. Das DMK hatte die Frechheit besessen, beim Handel höhere Preis zu fordern. Auch das wenige Tage nach dem Gipfel im Kanzleramt. Nichts verstanden oder Provokation?

    Die Trecker fahren weiter. Und was macht die Regierung? Sie zaubert eine Milliarde aus dem Hut. Eine Bauernmilliarde! (Originalton Söder) Geht´s noch? Was soll das? Nichts verstanden oder Provokation? Und wir Bauern stehen in den Medien wieder da wie die Deppen.

    Ich habe die Schnauze so was von voll

    Normalerweise pflege ich sprachlich einen anderen Ton, aber diesmal mache ich eine Ausnahme. Leute, was soll das? Ihr habt nichts verstanden. Wir Bauern gehen auf die Straße, weil wir Angst um unsere Zukunft haben und ihr macht weiter wie bisher:

    • Düngeverordnung? Da müsst ihr Verständnis haben, das waren die anderen… nix zu machen, da müssen wir durch
    • Insektenschutzprogramm? Das will die Svenja von der SPD und mit der wollen wir von der CDU es uns nicht verderben.
    • Nutztierhaltungsverordnung und Tierwohl-Label? Ja, da kommt jetzt der Druck von „der Gesellschaft“, und die NGO haben schließlich deutlich mehr Mitglieder als wir in der Partei. Wir versuchen es mal mit einer Fleisch-Steuer.

    Das alles kann man doch mit Geld nicht zukleistern. Was wir brauchen, sind langfristig zuverlässige Rahmenbedingungen. Am besten lasst uns einfach mal zwei Jahre in Ruhe!!

    Dann meldet sich noch EU-Timmermanns zu Wort: „In der EU gibt es viel zu viele Landwirte. Dass muss weniger werden.“ Komisch, in Deutschland reden alle Parteien davon, dass sie den bäuerlichen Familienbetrieb erhalten wollen. Der soll aber laut Merkel und Klöckner in die Digitalisierung investieren, mehr Bio machen bei fallenden Preisen, Humus aufbauen bei weniger Düngung, vielfältige Fruchtfolge ohne Pflanzenschutz, höhere Standards erfüllen und Mercosur schlucken.

    Und dann meint unsere Landwirtschaftsministerin noch, wir Bauern müssten „vor die Welle kommen“. Ich finde das zynisch. Wir kommen nie vor die Welle, weil die Regierung sich von den NGO´s treiben lässt und Politik nach Tages-Trends macht. Wir Bauern denken aber in Generationen!

    Die Themen Bürokratie, neue Züchtung, Flächenversiegelung, Kartell von Aldi und Co, Landkäufe von Investoren, Green Deal usw. habe ich jetzt nicht angesprochen. Es gibt noch mehr Zielkonflikte und Widersprüche, die jeder sieht, aber keiner auflöst. Über den Ausstieg aus Kernkraft und Kohle, die Verkehrs- und andere Wenden will ich mich nicht auch noch auslassen. Ich werde wohl ein Notstromaggregat kaufen…

    Was ich in den letzten Monaten bei den Gesprächen mit allen möglichen Politikern gemerkt habe: Keiner von denen hat einen Plan. Alle reden nur so, wie sie glauben, dass es ihrer Klientel gefällt. Wissenschaft spielt keine Rolle mehr. Eine offene Diskussion ist kaum möglich, ohne gleich als „Leugner“ von irgendwas dargestellt zu werden. Oder als böser Chemie-Lobbyist. Deckel drauf, fertig. Man selbst gehört ja zu den Guten und kann sich das erlauben.

    Ich habe in den letzten 45 Jahren bei jeder Wahl meine Stimme abgegeben. (wie sich das anhört…abgegeben). Wenn morgen Bundestagswahl wäre, wüsste ich zum ersten Mal nicht mehr, wenn ich wählen sollte. Nein, auch nicht die Parteien mit dem „f“ vorne oder in der Mitte.

    Wie soll es weitergehen?

    Das ist die Frage, die ich mir schon seit Weihnachten immer wieder stelle. Und ich weiß, dass sie sich viele draußen auf dem Land auch stellen. Wir haben mit den grünen Kreuzen und den Demos etwas erreicht, weil wir gehört worden sind. In der Sache hat sich nichts getan. Nichts von dem, was im September angekündigt wurde, wurde auch nur ansatzweise zurückgenommen. Aber noch mehr grüne Kreuze aufstellen, noch mehr Treckerdemos? Damit würden wir wohl die Sympathie der Mitbürger auf´s Spiel setzen. Habt ihr eine Idee?

    Euer Bauer Willi

    Deutschland – ein Irrenhaus?!

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