Studie zeigt Fakten zum Biomilchsektor

Laut dem „Ökobarometer 2019“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) kaufen VerbraucherInnen in Deutschland immer häufiger Bioprodukte. Soziale Standards und ein faires Einkommen für die ErzeugerInnen werden dabei unter anderem als Gründe für den Erwerb ökologischer Erzeugnisse genannt. Doch sind diese Produkte auch wirklich wirtschaftlich und sozial nachhaltig?

Wie aktuelle Kalkulationen zeigen, erhielten ErzeugerInnen in Deutschland für das Wirtschaftsjahr 2019/20 im Schnitt 47,17 Cent pro Kilogramm erzeugter Biomilch. Den Berechnungen zufolge betragen die Kosten unter Voraussetzung einer fairen Vergütung allerdings 64,63 ct/kg. Deshalb fehlten den ErzeugerInnen 17,46 ct/kg zur Kostendeckung.

Im Schnitt der fünf Jahre von 2014/15 bis 2018/19 zahlten die Bio-Milchbauern und -bäuerinnen allein für die Betriebsmittel und den allgemeinen Betriebsaufwand ohne Arbeitskosten durchschnittlich 51,70 Cent. Damit verblieben lediglich 8,41 Cent pro Kilogramm Milch für die eingesetzte Arbeitszeit von BetriebsleiterIn und Familienkräften. Dies entspricht einem Stundensatz von rund 7,62 Euro und reicht nicht einmal an den in Deutschland üblichen Mindestlohn heran. Nach der Kostenprognose für 2019/20 läge der Stundenlohn in diesem Jahr sogar nur bei rund sieben Euro pro Stunde. Als wirklich sozial und wirtschaftlich nachhaltig kann man Biomilch demnach nicht bezeichnen.

Die Ergebnisse zu den Milcherzeugungskosten im deutschen Biomilchsektor stammen vom Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) und werden jährlich aktualisiert.

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Die fehlende Kostendeckung ist jedoch nicht nur für die ErzeugerInnen in Deutschland ein Problem, wie Kjartan Poulsen, EMB-Vizevorsitzender und Bio-Milcherzeuger in Outrup, Dänemark, erläutert: “Wie auch im konventionellen Sektor gibt es bei der Biomilch in vielen europäischen Ländern ein steigendes Defizit zwischen den ausgezahlten Preisen und den Produktionskosten. Unter diesen Bedingungen kann das Green Deal Ziel der Europäischen Kommission – 25 % ökologischer Landbau bis 2030 – nicht umgesetzt werden. Ein merklicher Anstieg von nachhaltigen Bioerzeugnissen in der EU kann damit also nur ein unerfüllter Traum bleiben.“

Kostenentwicklung und Biomilchpreise
Der Bio-Milch-Marker-Index (Bio-MMI) zeigt die Entwicklung der ökologischen Milcherzeugungskosten auf. Für das Wirtschaftsjahr 2019/20 hat der Bio-MMI einen Wert von 97, d. h. die Produktionskosten für deutsche BiomilcherzeugerInnen sind im Vergleich zum Basisjahr 2015/16 (2015/16 = 100) um drei Prozent zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr (2018/19) sind sie allerdings um zwei Prozent gestiegen.

Sehen Sie hier die Kostenentwicklung, die Biomilchpreise und den Bio-MMI im zeitlichen Verlauf.

Kostenentwicklung

Preis-Kosten-Ratio (Unterdeckung)
Die Preis-Kosten-Ratio verdeutlicht, inwieweit die gezahlten Erzeugerpreise die Milchproduktionskosten auf biologischen Milchviehbetrieben decken. Für das Wirtschaftsjahr 2019/20 haben die ErzeugerInnen nur 73 % ihrer Produktionskosten über den Milchpreis erwirtschaftet; die Unterdeckung der Kosten betrug somit 27 % bzw. 17,46 Cent pro Kilogramm erzeugter Biomilch.

Sehen Sie hier die Kostenunterdeckung seit dem Wirtschaftsjahr 2012/13.

Preis Kosten

Studie zu den Produktionskosten sechs wichtiger Milcherzeugungsländer
Nicht nur für die ökologischen, sondern auch für den Durchschnitt aller Milchviehbetriebe werden regelmäßig Kostenberechnungen durchgeführt. Auch dort wird deutlich, dass MilcherzeugerInnen keine kostendeckenden Milchpreise erhalten. Die Berechnungen der Milchproduktionskosten für Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden für das Jahr 2017 finden Sie hier.

Kosten der Milchproduktion chronisch unterdeckt – was schafft Abhilfe?
Das European Milk Board (EMB) schlägt die gesetzliche Verankerung eines Kriseninstruments vor, um der chronischen Unterdeckung entgegenzuwirken. Das Marktverantwortungsprogramm (MVP) beobachtet und reagiert auf Marktsignale beispielsweise durch eine temporäre Anpassung der Produktion in Krisenzeiten.
Sehen Sie hier eine kurze Beschreibung des Marktverantwortungsprogramms des EMB.

Quelle: EMB

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